Zeitarbeit als Chance für Arbeitnehmer

Arbeitnehmerüberlassung: ein ganz normales Arbeitsverhältnis

Dass Zeitarbeit für Unternehmen und Arbeitnehmer Chancen birgt, wird in der medialen Diskussion vielfach übersehen. Der Leiharbeitnehmer genießt entgegen der landläufigen Meinung die Vorteile eines festen Arbeitsvertrags inklusive Sozialleistungen, bezahltem Urlaub, sozialer Absicherung und einer Entlohnung zwischen den Aufträgen. Das Dreiecksverhältnis zwischen Zeitarbeitnehmer, Personaldienstleister (Verleiher) und Entleiher sieht vor, dass zwischen Leiharbeiter und Verleiher ein Arbeitsvertrag besteht. Die Arbeitnehmerüberlassung erfolgt über einen gesonderten Arbeitnehmerüberlassungsvertrag zwischen Entleiher und Verleiher, in dem die konkrete Tätigkeit des Zeitarbeitnehmers, die Arbeitszeit im Einsatzunternehmen sowie der Preis/Stundenverrechnungssatz geregelt sind. Der reguläre Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen enthält u. a. Urlaubs- und Gehaltsregelungen, Regelungen über Zuschläge und zum Verhalten im Krankheitsfall. Dass der Leiharbeitnehmer auch tatsächlich in einem Arbeitsverhältnis mit dem Personaldienstleister steht, wurde durch Veränderungen im Arbeitsrecht nochmals verschärft: Die am 01. April 2017 in Kraft getretene AÜG-Reform regelt, dass eine Überlassung nur zulässig ist, wenn zwischen Verleiher und Leiharbeitnehmer eine arbeitsvertragliche Beziehung besteht (§ 1 Absatz 1 Satz 3 AÜG). Das AÜG wirkt mit diesem Grundsatz der Kettenüberlassung entgegen. Ein Kettenverleih liegt vor, wenn ein Entleiher den an ihn überlassenen Zeitarbeitnehmer an ein anderes Unternehmen weiterverleiht. Um eine Lohnangleichung der Löhne von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten vorzunehmen, gelten je nach Industriezweig seit 2012 Branchenzuschläge auf den Tariflohn. In Folge von Tariferhöhungen wie z. B. im März 2017 steigen auch die Branchenzuschläge. Mit dem Inkrafttreten der AÜG-Reform profitiert der Leiharbeitnehmer außerdem von dem in § 8 AÜG geregelten Equal-Pay-Grundsatz: Nach 9 Monaten ununterbrochener Beschäftigung im Entleihunternehmen erhält er einen gleichwertigen Lohn wie Stammmitarbeiter. Bei Vorliegen eines Branchenzuschlagtarifvertrags ist eine Abweichung auf 15 Monate möglich. Allerdings unter der Voraussetzung, dass nach einer Einarbeitungszeit von 6 Wochen eine stufenweise Annäherung an das Vergleichsentgelt erfolgt. Dieses Entgelt umfasst auch vermögenswirksame Leistungen, Verpflegungszuschüsse, Entgeltfortzahlungen, Sonderzahlungen (z. B. Prämien, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld), Zulagen oder Zuschläge sowie Sachbezüge (Diensthandy, Dienstwagen…), die vergleichbaren Stammarbeitnehmern gewährt werden. Der Equal-Treatment-Grundsatz stellt sicher, dass der Leiharbeitnehmer während seines Einsatzes im Entleihbetrieb ebenso behandelt wird wie Stammbeschäftigte. Er hat ein Recht auf die wesentlichen Arbeitsbedingungen, die auch Stammmitarbeitern gewährt werden, also zum Beispiel auf die Nutzung von Kantinen, Pausen- und Raucherräumen, Beförderungsmitteln oder Kinderbetreuungseinrichtungen wie einer Betriebskita. Konkrete Anweisungen zur Durchführung der AÜG-Reform bietet die aktualisierte BA Geschäftsanweisung, die sich hier im Kompaktüberblick nachlesen lässt.

Warum Zeitarbeit für Arbeitnehmer attraktiv ist

Das Modell der Arbeitnehmerüberlassung kann für Leiharbeitnehmer aus vielerlei Gründen attraktiv sein. Menschen, die Schwierigkeiten haben, einen Weg in den Arbeitsmarkt zu finden, erleichtert das Modell den Einstieg in die Berufswelt. Die aktuelle Arbeitsmarkberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zeigt beispielsweise, dass im 1. Halbjahr 2016 insgesamt 68 % der neu aufgenommenen Zeitarbeitsverhältnisse mit Personen geschlossen wurden, die zuvor nicht oder noch nie beschäftigt waren. Insbesondere Arbeitslosen, arbeitsmarkfernen Menschen, Berufseinsteigern und -rückkehrern bietet die Zeitarbeit eine Perspektive auf Beschäftigung. Aber auch Akademiker und Facharbeiter machen von dem Modell der Arbeitnehmerüberlassung Gebrauch, um ihre praktischen Kenntnisse „on the job“ auszubauen und berufliche Referenzen zu sammeln.
Folgende Gründe machen das Modell Zeitarbeit für Erwerbsfähige attraktiv:
Wiedereinstieg in die Berufswelt: Nach längeren Pausen wie Familien- oder Pflegezeiten verläuft die Rückkehr in den Berufsalltag nicht immer reibungslos. Für Berufsrückkehrer bietet das Modell Arbeitnehmerüberlassung eine Chance, schnell eine Arbeitsmöglichkeit zu finden und wieder Berufspraxis zu sammeln.
Berufseinstieg: Junge Menschen, die vor dem Berufseinstieg stehen, haben über Zeitarbeit die Möglichkeit, sich Orientierung zu verschaffen, erste Berufserfahrungen zu sammeln und ihre Berufsvorstellungen zu präzisieren. Sind sie in der Lage festzustellen, welcher Beruf, welches Unternehmen oder welche Tätigkeit ihnen besonders zusagt, kann sich das positiv auf ihre zukünftige Berufswahl auswirken. Dass das Modell Zeitarbeit für Berufseinsteiger attraktiv ist, zeigt die aktuelle Arbeitsmarktberichtserstattung der Bundesagentur für Arbeit: Der vergleichsweise hohe Anteil niedrigqualifizierter und jüngerer Arbeitnehmer in der Zeitarbeit deutet darauf hin, dass die Arbeitnehmerüberlassung auch für Beschäftigte ohne Berufsabschluss oder mit niedrigen Qualifikationen eine Chance auf den Einstieg in den Beruf und eine Beschäftigung am Arbeitsmarkt sein kann.
Qualifizierung: Im Rahmen ihrer Tätigkeit in verschiedenen Einsatzunternehmen sammeln Leiharbeitnehmer vielfältige Berufserfahrung und können bei Bedarf weitere Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel einen Gabelstaplerschein erwerben. Einige Personaldienstleister bieten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an, über die Leiharbeiter wertvolle Qualifikationen erlangen.
Berufswechsel: Die erworbenen Berufserfahrungen und (Zusatz)Qualifikationen können den Berufswechsel erleichtern. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Leiharbeitnehmer von einem Einsatzunternehmen langfristig übernommen wird.
Übernahmechancen: Für Unternehmen und Leiharbeitnehmer kann das Leiharbeitsverhältnis wie eine verlängerte Probezeit fungieren: Beide Seiten testen aus, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert und ob sie sich eine langfristige Übernahme vorstellen können.
Exklusive Stellen: Nicht alle Stellen werden vom Arbeitgeber öffentlich ausgeschrieben. Über die Arbeitnehmerüberlassung hat der Zeitarbeitnehmer die Möglichkeit, exklusive Stellen zu ergattern, etwa im Bereich Projektarbeit.

Fazit

Das Modell Zeitarbeit ist besser als sein Ruf: Sowohl Leiharbeitnehmer als auch Unternehmen können von der Arbeitnehmerüberlassung profitieren. Erwerbsfähigen, die Schwierigkeiten damit haben, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, erleichtert das Modell den Einstieg in die Berufswelt. Arbeitslosen, arbeitsmarkfernen Menschen, Berufseinsteigern, -wechslern und -rückkehrern bietet die Arbeitnehmerüberlassung eine Perspektive auf Beschäftigung. Sie nutzen die Möglichkeit, Berufserfahrung „on the job“ zu sammeln und ggf. Zusatzqualifikationen zu erwerben oder exklusive Stellen zu ergattern.

Quelle Foto: Fotolia © Karin & Uwe Annas


Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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