Zeitarbeit: ein attraktives Modell für Pflegekräfte

Anstieg an Pflegekräften in der Zeitarbeit

Immer mehr Pflegekräfte zieht es in die Zeitarbeit: Das Modell der Arbeitnehmerüberlassung scheint für Pflegepersonal eine attraktive Alternative zur Festanstellung im konventionellen Arbeitsverhältnis. Laut einer statistischen Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit arbeiten derzeit rund 21.500 Pflegekräfte in der Arbeitnehmerüberlassung – ein Anstieg von 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Recherchen des NDR haben ergeben, dass die Zahl der vermittelten medizinischen Fachkräfte um 15 % pro Jahr steigt. Interessant ist, dass 80 % davon vorher in einem Krankenhaus als Festangestellte gearbeitet haben. Der Wechsel ist vielfach motiviert durch die besseren Arbeitsbedingungen, die das Modell Zeitarbeit Pflegekräften bieten kann. Leiharbeitnehmer werden zwar nur temporär in einem Entleihunternehmen eingesetzt, verfügen aber entgegen der landläufigen Meinung über einen festen Arbeitsvertrag: Sie sind – in vielen Fällen unbefristet – bei einem Personaldienstleister sozialversicherungspflichtig angestellt. Somit genießen sie alle Arbeitnehmerrechte und soziale Sicherheit: Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf den tarifvertraglich vereinbarten Lohn, auf Leistungen aus Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen und Unfallversicherung, auf Entlohnung bei Krankheit, Urlaub und zwischen den Aufträgen.

Warum zieht es Pflegekräfte in die Zeitarbeit?

Ein häufig genannter Grund für den Wechsel in die Zeitarbeit sind die besseren Arbeitsbedingungen: Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeeinrichtungen haben z. T. mit Personalmangel und hohen Personalausfällen zu kämpfen, um die Rund-um-die-Uhr-Versorgung sicherzustellen. Die Folge: ein hoher Arbeitsanfall in der Pflege. Bei hohen Ausfallzeiten müssen anwesende Pflegekräfte als Vertretung einspringen und schieben nicht selten Extraschichten. Auch Überstunden und Nachtarbeit sind keine Seltenheit. Die mangelnde Planbarkeit wirkt sich auf die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben aus. Die hohe Arbeitsbelastung, Stress und der fehlende Ausgleich einer gesunden Work-Life-Balance können den Gesundheitszustand beeinträchtigen. Laut Recherche der ZEIT ist knapp ein Drittel des deutschen Pflegepersonals Burnout-gefährdet. Der Einsatz im Rahmen der Zeitarbeit bietet in den meisten Fällen den Vorteil, dass Pflegekräfte Einfluss auf ihre Einsatzzeiten haben, Arbeits- und Schichtzeiten also mitbestimmen können. Eine alleinerziehende Pflegefachkraft könnte beispielsweise bestimmte Schichten ausklammern, um Arbeits- und Familienleben besser zu vereinbaren. Ein geregelter Arbeitsplan lässt Raum, um zum Beispiel nebenher ein berufsbegleitendes Studium zu absolvieren oder sich ein weiteres Standbein aufzubauen. Durch den Wegfall kurzfristiger Extra- oder Wochenendschichten wird die Arbeitsbelastung verringert. Auch der Einsatz in unterschiedlichen Regionen und Fachbereichen kann je nach Präferenz der Pflegekraft von Vorteil sein: Wer abwechslungsreiches Arbeiten schätzt, gerne neue Menschen und Bereiche kennenlernt und Routine oder das Verharren in festen Strukturen vermeiden möchte, kann hier profitieren. Er sammelt ein breites Erfahrungswissen und kann mit seinem Blick von außen neue Impulse mit einbringen. Oft verdient eine Pflegefachkraft im Rahmen der pflegerischen Arbeitnehmerüberlassung ein übertarifliches Gehalt. Viele Personaldienstleister bieten außerdem fachliche Weiterbildungen, Zuschüsse (z. B. zur Kinderbetreuung) und die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten an.

Wie können Arbeitgeber im Gesundheitswesen vom Personalleasing profitieren?

Das Modell der Arbeitnehmerüberlassung bietet Arbeitgebern im Gesundheitsbereich eine Alternative zum Einsatz von Honorarkräften bzw. zur freiberuflichen Pflege. Eine bei einem Personaldienstleister arbeitsvertraglich angestellte Pflegekraft wird der Einrichtung dabei zur Leistungserbringung für den vereinbarten Einsatzzeitraum überlassen. Für Kliniken und Pflegeeinrichtungen ist die Leiharbeit ein wertvolles Flexibilisierungsinstrument: Sie verfügen über eine ad hoc abrufbare Reserve für einen bedarfsgerechten Personaleinsatz. Die Verrechnungssätze sind dabei oft geringer, als wenn sie selber eine flexible Personalreserve vorhalten würden. In Spitzenzeiten können die Einrichtungen auf den Mitarbeiterpool der Verleihunternehmen zurückgreifen, um Personalengpässe, teure Überstunden und die zusätzliche Arbeitsbelastung für das Stammpersonal zu vermeiden. Insgesamt kann eine geringere Belastung zu einer ausgeglicheneren und motivierteren Belegschaft beitragen. Eine dauerhafte Überforderung der Stammbeschäftigten wirkt sich negativ auf die Arbeitszufriedenheit aus, was das Risiko der Mitarbeiterfluktuation erhöhen und die Einrichtung im Falle einer hohen Fluktuationsrate unter Rekrutierungsdruck setzen kann. Beim Einsatz vom Leiharbeitnehmern übernimmt der Personaldienstleister oder das Zeitarbeitsunternehmen die Personalrekrutierung. Er erstellt z. B. Anforderungsprofile, veröffentlicht Stellenausschreibungen, sichtet Bewerbungsunterlagen, führt Auswahlgespräche und Vertragsverhandlungen und legt die Personalakte an. Der Rekrutierungsaufwand und die hauptsächliche Verwaltungsarbeit liegen somit beim Verleiher.

Aktuelle Gesetzesänderungen in der Zeitarbeit

Am 01. April 2017 ist das reformierte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG-Reform) in Kraft getreten. Zu den wichtigsten Neuerungen in der Überlassung von Arbeitnehmern gehören die Regelungen Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer. Eine stufenweise Annäherung der Löhne von Zeitarbeitnehmern an das Arbeitsentgelt vergleichbarer Stamm-Mitarbeiter erfolgte bereits seit 2012 mit der Einführung der Branchenzuschläge. Mit dem Equal-Pay-Grundsatz erhalten Leiharbeitnehmer nach 9 Monaten ununterbrochener Beschäftigung im Entleihunternehmen einen gleichwertigen Lohn wie Stammmitarbeiter. Liegt ein Branchenzuschlagstarifvertrag vor, ist eine Abweichung auf 15 Monate möglich. Das Entgelt beinhaltet auch vermögenswirksame Leistungen, Verpflegungszuschüsse, Entgeltfortzahlungen, Sonderzahlungen (z. B. Prämien, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld), Zulagen oder Zuschläge sowie Sachbezüge (Diensthandy, Dienstwagen…), die vergleichbaren Stammarbeitnehmern gewährt werden. Mit dem Equal-Treatment-Grundsatz hat der Mitarbeiter ein Recht auf die wesentlichen Arbeitsbedingungen im Entleihbetrieb, beispielsweise die Nutzung von Kantinen, Pausen- und Raucherräumen, Beförderungsmitteln oder Kinderbetreuungseinrichtungen wie einer Betriebskita. Die Überlassungshöchstdauer regelt, dass ein Zeitarbeitnehmer nicht länger als 18 aufeinanderfolgenden Monaten demselben Entleiher überlassen werden darf. Existiert für die Einsatzbranche des Kundenunternehmens ein Tarifvertrag, kann die Überlassungshöchstdauer unter bestimmten Voraussetzungen abweichen. Ab 2018 werden die neuen Regelungen dann erstmalig auch in der Praxis ihre Wirkung entfalten.

Fazit

Immer mehr Pflegekräfte entscheiden sich aufgrund der besseren Arbeitsbedingungen für eine Anstellung in der Zeitarbeit. In vielen Fällen haben sie Einfluss auf ihre Einsatzzeiten und eine verringerte Arbeitsbelastung. Oft zahlen Personaldienstleister ein überdurchschnittliches Gehalt und bieten attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten an. Arbeitgeber im Gesundheitswesen können das Modell der Arbeitnehmerüberlassung als Flexibilisierungsinstrument nutzen, um auf schnell verfügbare Personalreserven zurückzugreifen.

Quelle Foto: Fotolia © Kzenon


prosoft-Team

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