Zahlen zur Zeitarbeitsbranche seit der AÜG-Novellierung

Wird die Zahl der Zeitarbeitnehmer stagnieren?

Dass sich die AÜG-Novellierung vom 01.04.2017 auf die Zeitarbeitsbranche auswirken wird, war vorauszusehen: Mit der AÜG-Reform wurden grundlegende Aspekte des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) neu geregelt, etwa die Begrenzung der Höchstüberlassungsdauer und die Equal-Pay-Vorschriften. Für die Branche bedeuteten die Umstellungen erst einmal Chaos: AÜ-Verträge mussten angepasst, Verwaltungsabläufe etabliert und Gesetze eingehend studiert werden. Schnell erschienen erste Studien zur Reform: Eine Umfrage (Zeitarbeitsbranche aktuell 2017) der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) unter den Top-100 Unternehmen der Branche hatte ergeben, dass ein Großteil der Befragten negative Konsequenzen befürchtet: Fast drei Viertel schätzten, dass es für Zeitarbeitsunternehmen schwer werde, die hohe Komplexität zu händeln. 71 % rechneten mit verringerten Beschäftigungszeiten von Zeitarbeitnehmern und 43 % prognostizierten einen Nachfragerückgang nach Zeitarbeitskräften. Die besten Chancen sahen etwa drei Viertel der Befragten für Spezialanbietern und Generalisten mit einem Angebot an höher qualifizierten Arbeitskräften. Kürzlich hat das unabhängige Marktforschungsunternehmen Lünendonk Zahlen vorgelegt. Etwa 47 % der Leiharbeiter wurden laut Studie beim selben Kunden weiterbeschäftigt, knapp ein Drittel habe man in andere Betriebe versetzt. Fast ein Fünftel der Arbeitnehmer wurden von einem Einsatzunternehmen übernommen. 7 % mussten entlassen werden, da sich keine Anschlussbeschäftigung für sie finden ließ. 2018 wird die Zahl der Zeitarbeitnehmer voraussichtlich stagnieren. Zuletzt hatte sie mit rund 1 Millionen Zeitarbeitskräften ein Rekordhoch erreicht. 2017 stieg der Branchenumsatz auf 34, 5 Milliarden Euro – ein Plus von 7,1 % (FAZ). Die Zahl der Zeitarbeitskräfte erhöhte sich um 3,9 %. Der Umsatz für 2018, so erwarten Experten, soll nur noch um 2,7 % steigen.

Komplexität und Unsicherheiten

Als Negativfaktoren fällt u. a. der hohe Verwaltungsaufwand – vor allem bedingt durch die z. T. unklaren Equal-Pay-Vorschriften und die Höchstüberlassungsdauer – ins Gewicht. Die begrenzte Überlassungsdauer stößt vielen Kritikern bitter auf: Sie bemängeln, dass Mitarbeiter Entleihunternehmen fristgemäß verlassen müssen, auch wenn sie sich dort wohlfühlen und mit ihrem Verdienst zufrieden sind. Manche Projekte, für die insbesondere hochqualifizierte Arbeitskräfte eingesetzt werden, dauern länger als die Frist für die gesetzliche oder eine abweichende Höchstüberlassungsdauer. Viel Kritik ist hinsichtlich der Umsetzung von Equal Pay laut geworden: Es fehle eine einheitliche Definition und eine klare Zuschreibung der zugehörigen Entgeltbestandteile. Auch bezüglich der Fristberechnung und der Berechnung der Equal Pay Zulage herrscht Uneinigkeit: Hier ein ausführlicher Bericht zum Thema.
Bezeichnend ist, dass nicht nur die Zeitarbeitsunternehmen, sondern auch die Zeitarbeiter selber zum Teil mit den neuen Regelungen unzufrieden sind – dabei sollten diese doch die Situation der Leiharbeitnehmer verbessern. Dass die Nachteile der AÜG-Reform überwiegen, findet über die Hälfte der Zeitarbeitskräfte, die Lünendonk im Auftrag der Orizon GmbH befragt hatte. Nur 46 % der 1.500 Befragten bewerteten die Reform als überwiegend positiv. Die neuen Regelungen sind für Mitarbeiter mit Unsicherheiten verbunden: Sie befürchten einen häufigeren Einsatzwechsel oder gar einen Jobverlust, weil sie z. B. vor Ablauf der Höchstüberlassungsfrist abgemeldet werden. Dadurch fällt es schwerer, im Kundenunternehmen Fuß zu fassen. Der Einsatzwechsel, so eine weitere Befürchtung, führe zu stärkeren Gehaltsschwankungen oder -einbußen.

Neue Herausforderung für die Branche: EU-DSGVO

Gerade ist der Trubel um die AÜG-Reform abgeflaut, schon folgt das nächste Mammutprojekt: Seit dem 25. Mai 2018 müssen alle geschäftsmäßigen Verarbeiter personenbezogener Daten die EU-Datenschutzgrundverordnung umsetzen können: Unternehmensinterne Prozesse müssen so umgestellt werden, dass Unternehmen gesetzlich verankerte Betroffenenrechte erfüllen können, zum Beispiel das Recht auf Berichtigung und Löschung der Daten, das Auskunftsrecht und das Recht auf Datenübertragbarkeit. Um die operative Umsetzung sowohl der AÜG-Regelungen als auch der Datenschutz-Grundverordnung zu vereinfachen, bieten unsere Softwarelösungen entsprechende Funktionen:
AÜG-Reform optimierte Funktionen: Die Zeitarbeitssoftware Office® berechnet Fristen für Equal Pay und die Höchstüberlassungsdauer automatisch. Bei der Fristberechnung werden sowohl Voreinsatzzeiten als auch weitere AÜG-spezifische Besonderheiten (Abweichungen, Drehtürklausel, Unternehmensbezug) berücksichtigt. Auf Basis der hinterlegten Kunden-, Mitarbeiter- und Auftragsdaten werden die Fristen datumsgenau ermittelt. Für den Equal-Pay-Gesamtlohnvergleich sind Konditionen von Vergleichsmitarbeitern hinterlegbar. Ein Ampelcheck zeigt an, wo und in welcher Höhe Nachzahlungen fällig sind. Dies erfolgt mit Rücksicht auf die Besitzstandswahrung – der Mitarbeiter darf durch Equal Pay nicht schlechtergestellt werden als bisher. Die Nachzahlungen können per Mausklick ausgeglichen und in die Lohnabrechnung übernommen werden.
Datenschutzfunktionen: Die Bewerbermanagement-Software prosoftrecruiting© wurde mit Blick auf die Anforderungen der Personalbranche konzipiert: Integriert ist zum Beispiel eine Funktion zum Versand von Bewerberprofilen an Kunden mit Kommentar- und Feedbackfunktion. Die Einwilligung zur Datenverarbeitung kann z. B. per Online-Bewerbungsformular oder über einen E-Mail-Link zu den Datenschutzbestimmungen erfolgen. Die wichtigsten Datenschutzangaben sind im Datenschutzmenü einsehbar, z. B. das Datum und der Gegenstand der Einwilligung der Bewerber. Die Software bietet ein eigenes Löschsystem mit Löschprotokoll und Löschlisten für Kandidaten, die binnen 14 Tagen zu löschen sind.

Fazit

Die AÜG-Novellierung hat einiges verkompliziert: Unternehmen aus der Personalbranche mussten neue Verwaltungsstrukturen etablieren und die Neuerungen eingehend studieren, um sie operativ umzusetzen. Das Inkrafttreten des reformierten Gesetzes war uns ist z. T. noch immer mit Unsicherheiten verbunden – sowohl von Seiten der Unternehmen als auch der Zeitarbeitnehmer. Ob und inwieweit sich die Regelungen auf die Anzahl der Zeitarbeitnehmer, die Nachfrage, den Umsatz und andere Zahlen auswirkt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Evaluiert wird das Gesetz zum im Jahr 2020 (§ 20 AÜG).

Quelle Foto: ©  Antonioguillem / Fotolia


prosoft-Team

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Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

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