Wie beurteilen die Top-100 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche aktuelle Entwicklungen?

Aktuelle Entwicklungen in der Zeitarbeit

Mit 1 Millionen Zeitarbeitnehmern in Deutschland kletterte die Anzahl der in der Zeitarbeit Beschäftigten 2016 auf ein Allzeithoch. Die Zeitarbeitsbranche konnte im selben Jahr ein Wachstum von rund 6 % verzeichnen. Doch wie sehen die Wachstumserwartungen der Branche nach Inkrafttreten der AÜG-Reform am 01. April 2017 aus? Wird es nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 noch weitere Verschärfungen geben? Und welche Konsequenzen hat das für Zeitarbeitsunternehmen? Vor dem Hintergrund der aktuellen Wachstumsentwicklungen, der AÜG-Reform und der schlechten Verfügbarkeit an Fachkräften hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) die Top-100 Unternehmen der Branche zu ihren Einschätzungen befragt (Zeitarbeitsbranche aktuell 2017). Den Wachstumsschub im Vorjahr führen die Befragten vor allem auf die konjunkturelle Entwicklung (86 %) und die weitere Flexibilisierung von Personalkosten zurück. 45 % sehen in der höheren Akzeptanz von Zeitarbeit einen Grund für die positive Entwicklung der Branche. Zeitarbeitsunternehmen, deren Kernkompetenz in der Rekrutierung von Mitarbeitern liegt, können Unternehmen bei Bedarf passende Arbeitskräfte aus ihrem Mitarbeiter-Pool zur Verfügung stellen. Davon profitieren Entleihunternehmen, die ihrerseits Schwierigkeiten in der Personalrekrutierung haben und auf eine höhere Flexibilität im Personaleinsatz angewiesen sind. Schnell verfügbare Personalressourcen ermöglichen es Unternehmen beispielsweise, Auftragsspitzen abzufangen und Wachstumsphasen effektiver zu nutzen.

Wachstumserwartungen der Zeitarbeitsbranche für 2017/2018

Auch für die kommenden 2 Jahre hegt der Großteil der Befragten positive Wachstumserwartungen: Ein Wachstum von 3 % erwarten sie für das Jahr 2017, für 2018 fällt die Schätzung mit 1 % schon schwächer aus. Zu den Top-3 Gründen für das Wachstum zählen die Befragten wie auch bei der Einschätzung für 2016 den konjunkturellen Aufschwung (69 %), die Flexibilisierung der Personalkosten (58 %) und die höhere Akzeptanz der Zeitarbeit (44 %). Als weitere Gründe nannten gut ein Drittel der Befragten den noch unausgeschöpften Markt für Zeitarbeit und die bessere Verfügbarkeit von Fachkräften. Als Grund für mögliche negative Entwicklungen sehen 92 % die Einführung von Equal Pay mit dem reformierten Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Das Gesetz sieht für Leiharbeitnehmer nach 9 Monaten ununterbrochenem Einsatz im Entleihbetrieb ein Entgelt vor, das dem Arbeitsentgelt vergleichbarerer Stammbeschäftigter entspricht. Bei Vorliegen eines Branchenzuschlagstarifvertrags können Abweichungen auf 15 Monate möglich sein. Voraussetzung ist, dass nach einer Einarbeitungszeit von 6 Wochen eine stufenweise Annäherung an das Vergleichsentgelt erfolgt. Verleiher sind verpflichtet, für die Einhaltung des Gleichstellungsgrundsatzes zu sorgen (§ 8 Abs. 1 AÜG). Sie stehen damit vor der Herausforderung, entsprechende Entgeltsbestandteile im Kundenunternehmen zu erfragen. Das heißt, dass sie ein zuverlässiges Instrument brauchen, um relevante Informationen einzuholen. Neben Equal Pay sehen drei Viertel der Befragten eine schlechtere Verfügbarkeit von Fach- und Hilfskräften als Herausforderung an. Ein Drittel führen ihre pessimistischen Zukunftsprognosen auf eine konjunkturelle Abschwächung zurück.

Auswirkungen der AÜG-Reform auf die Zeitarbeitspraxis

Mit Inkrafttreten der AÜG-Reform stehen Zeitarbeitsunternehmen vor der Herausforderung, den zusätzlichen Verwaltungsaufwand zu stemmen: Fristen für Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer müssen berücksichtigt werden, Kundeninformationen müssen eingeholt und Prozesse neu definiert werden. Mittelfristig befürchten 73 % der Befragten, dass Zeitarbeitsfirmen, die die hohe Komplexität nicht händeln können, aus dem Markt ausscheiden. 71 % rechnen mit verringerte Beschäftigungszeiten von Leiharbeitnehmern und etwas über die Hälfte der Befragten geht von einer höheren Übernahmequote ihrer Arbeitnehmer durch Kundenunternehmen aus. Einen Nachfragerückgang nach Zeitarbeitskräften befürchten 43 %. Sollten die Regulierungen in der Arbeitnehmerüberlassung noch verschärft werden – 61 % halten das für realistisch – befürchtet mehr als die Hälfte der Befragten ein Ausscheiden von Zeitarbeitsfirmen und einen Rückgang der Nachfrage nach Zeitarbeitskräften. Die besten Chancen sehen knapp drei Viertel der Befragten für Spezialanbietern und Generalisten mit einem Angebot an höher qualifizierten Arbeitskräften. Ob und inwiefern weitere Verschärfungen stattfinden, hängt mit den Ergebnissen der Bundestagswahl im Herbst diesen Jahres zusammen.

Mitarbeiter finden und binden

Drei Viertel der befragten Unternehmen sehen in der schlechteren Verfügbarkeit von Fach- und Hilfskräften einen Grund für mögliche negative Zukunftsentwicklungen der Branche. In Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit steigt die Herausforderung, passende Arbeitskräfte zu finden und zu binden. 55 % der Befragten halten eine Rekrutierung im Ausland für effizient. Um Fachkräfte zu binden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, erachten mehr als drei Viertel eine überdurchschnittliche Bezahlung als ein geeignetes Mittel. Etwa die Hälfte legt einen Fokus auf Training und Talententwicklung zur besseren Bindung von Mitarbeitern, 41 % setzen auf sonstige Maßnahmen wie eine gute Mitarbeiterbetreuung und -führung sowie ein effektives digitalgestütztes Recruiting.

Fazit

Vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen wie der AÜG-Reform und der Fach- und Hilfskräfteakquise in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Vertreter der Top-100 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche zu ihren Einschätzungen befragt: Die Mehrheit erwartet ein, wenn auch moderates Wachstum um 3 % für 2017 und 1 % für 2018. Als Hauptgründe dafür sehen viele den konjunkturellen Aufschwung, eine weitere Flexibilisierung von Personalkosten und eine höhere Akzeptanz der Zeitarbeit. Ein Teil der Befragten befürchtet je nach Ausgang der Bundestagswahl 2017 verschärftere Regulierungen. Als geeignete Maßnahmen, um Mitarbeiter zu finden und zu binden, werden u. a. die Rekrutierung im Ausland, eine überdurchschnittliche Befragung und sonstige Maßnahmen wie ein effektives digitalgestütztes Recruiting vorgeschlagen.

Quelle Foto: Fotolia © industrieblick


prosoft-Team

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