Wann ist eine Software wirklich AÜG-optimiert?

Was sollte eine zeitgemäße Zeitarbeitssoftware können?

Am 05.12.2017 haben wir dem iGZ unsere neue ausprogrammierte Lösung zur AÜG-Reform vorgestellt. Die Herausforderung: Unsere Zeitarbeitssoftware soll AÜG-Reform-optimierte Funktionen bieten und dabei Umsetzungsspielräume berücksichtigen. BGB, fachliche Weisungen und Expertenempfehlungen weichen z. T. voneinander ab. Das sollte eine zeitgemäße Softwarelösung berücksichtigen.
Office®-Anwender sollen die AÜG-Reform mit unserer Zeitarbeitssoftware im operativen Alltag sicher umsetzen. Seit der AÜG-Reform am 01. April 2017 reicht es nicht mehr aus, dass eine Branchensoftware für Zeitarbeitsunternehmen alle alltäglichen Prozesse von der Bewerberverwaltung bis zu Branchenzuschlägen abbildet. Neue Vorschriften zu Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer müssen in einer qualitativen Lösung berücksichtigt werden – zumal beide Regelungen 2018 bereits praxisrelevant werden. Aber auch das ist uns nicht genug: Wir wollen unseren Kunden Entscheidungsmöglichkeiten bieten. Wie bei jeder neuen, noch nicht praxiserprobten Regelung bestehen in Sachen AÜG-Reform Interpretations- und Umsetzungsspielräume. Wegweisende Gerichtsentscheidungen, die eine Gesetzesauslegung näher definieren, sind noch nicht erfolgt. Unsere ausprogrammierte Lösung bietet Optionen an, damit Anwender die Umsetzungsspielräume ausloten können. Ganz wichtig: Wir werden dabei immer die sicherste Variante als Option anbieten.

Anwender können wählen

Fristberechnung: Umstritten ist, ob die Fristberechnung auf Grundlage von § 191 BGB erfolgt oder in Kalendermonaten. Nach der vom iGZ bevorzugten BGB-Berechnung werden für einen Monat 30 Tage angesetzt, d. h. zum Beispiel 18×30 Tage bei der Berechnung der Höchstüberlassungsdauer. Nimmt man die 18 Kalendermonate als Maßstab, variieren die Tage. Ergebnis: Je nach Berechnung endet die Höchstüberlassungsdauer zu einem anderen Zeitpunkt. In Office® sind Einstellungen für beide Varianten vorhanden. Sollte sich in der Praxis eine Variante durchsetzen, kann diese einfach übernommen werden.
Gesamtlohnvergleich: Office®-Anwender können wählen, ob sie den Gesamtlohnvergleich mit einer Lohgruppe – die derzeit vom iGZ und BAP bevorzugte Variante – oder mit mehreren Lohngruppen durchführen. Ein Gesamtlohnvergleich ist u. a. sinnvoll, um die Besitzstandswahrung zu berücksichtigen: Der Leiharbeiter darf durch Equal Pay nicht schlechtergestellt werden. Bei Variante a) wird eine Gesamtsumme gebildet und die Equal-Pay-Zulage als laufender Lohn ausgezahlt. Bei Variante b) erfolgt der Vergleich nach bestimmten Lohnartengruppen (z. B. Einmalbezüge, laufenden Bezüge, Zuschläge).

Ein Beispiel:

Der Mitarbeiter arbeitet an 22 Tagen im Monat zwischen 23:00 Uhr und 06:00 Uhr für insgesamt 154 Stunden.
– In der Lohngruppe Grundvergütung erhält der Mitarbeiter 1.452,22 Euro, der Stammmitarbeiter 1.509,20 Euro. Es wäre also eine Nachzahlung von 56,98 Euro erforderlich.
– Der Zeitarbeitnehmer bekommt insgesamt einen Nachtzuschlag von 290,44 Euro und erhält damit 74,84 Euro mehr als der Stammbeschäftigte. Office® berücksichtigt die Besitzstandswahrung: Dem Mitarbeiter steht der Betrag weiterhin zu.
– In der Lohngruppe Sachbezüge ist eine Nachzahlung von 15 Euro fällig.
Guthaben bei Besitzstandswahrung aufsparen: Verdient ein Zeitarbeitnehmer im Zuge der Besitzstandswahrung mehr als ein Stammbeschäftigter, besteht die Möglichkeit, den Betrag als Guthaben aufzusparen. Das angesparte Guthaben kann später bei der Auszahlung von Equal Pay gegengerechnet werden. Die Anrechnung ist in Office® durch eine eigene Funktion möglich.
Branchenzuschlagsberechnung: Es wird empfohlen, Branchenzuschlagsstufen identisch wie die AÜG-Fristen nach BGB § 187 Abs. 2 Satz 1, 188 Abs. 2 Satz 2 oder § 191 zu ermitteln. Anwender haben die Wahl, Branchenzuschläge entsprechend berechnen zu lassen – dazu klicken sie ganz einfach ein Häkchen an.
Deckelung der 6 Branchenzuschlagsstufe: Unternehmen haben die Wahl, ob sie die 6. Branchenzuschlagsstufe in voller Höhe zahlen oder deckeln. Die Deckelung erfolgt in Office® auf die Entgeltbestandteile eines Vergleichsmitarbeiters, dessen Daten in der Software erfasst werden. Bei einigen Branchenzuschlagstarifverträgen ist die 6. Branchenzuschlagsstufe bereits am 01.01.2018 und nicht erst am 01.07.2018 (15 Monate nach Inkrafttreten der AÜG-Reform) fällig: Frühere Fristen werden in Office® kenntlich gemacht, damit Anwender das Vergleichsentgelt frühzeitig beim Kunden erfragen können.

Was sollte eine Software noch bieten?

Die AÜG-Reform ohne Softwareunterstützung zu stemmen, geht mit deutlichem Mehraufwand in Verwaltung und Prozessumstellung einher. Mit einer entsprechenden Software sparen Unternehmen Zeit und Verwaltungsaufwand, indem sie AÜG-relevante Daten schnell und sicher in ein zentrales System einpflegen. Eine datumsgenaue Fristberechnung schützt vor Sanktionen für eine rechtskonforme Zeitarbeitspraxis. Um für wirkliche Erleichterung bei der Umsetzung der neuen Regelungen zu sorgen, sollte die Software verschiedene Kriterien erfüllen:
Gesamtlohnvergleich für Equal Pay – idealerweise mit Wahlmöglichkeit zwischen einer und mehreren Lohngruppen
Berücksichtigung der Besitzstandswahrung
• Vollumfängliche Umsetzung des tariflichen Equal Pay bei Branchenzuschlagstarifverträgen
• Automatische Berechnung von Fristen für Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer – Voreinsatzzeiten, Unternehmensbezug und Unterbrechungen werden dabei berücksichtigt
-> Da es hier Meinungsverschiedenheiten gibt, ob die Berechnung nach § 191 BGB oder Kalendermonaten erfolgt, sollte die Software im Idealfall beides können
Erfassung abweichender Fristen für Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer – die Software prüft z. B., ob ein entsprechender Branchenzuschlagstarifvertrag hinterlegt ist und ob besondere Regelungen zur Höchstüberlassungsdauer innerhalb eines Tarifvertrages oder einer Betriebsvereinbarung festgelegt wurden.
Warnhinweise erinnern an ein nahendes Fristende
• Möglichkeit zur Erstellung von Konkretisierungsmeldungen
Möchten Sie die Funktionen selbst austesten? Unsere Mitarbeiter nehmen sich Zeit für Sie. Hier können Sie Kontakt aufnehmen.

Für Office®-Anwender bieten wir spezielle Anwenderseminare zu den neuen Funktionen an.

Fazit

Um in der Praxis wirklich zu entlasten, sollte eine AÜG-optimierte Software einige Grundfunktionen aufweisen – etwa die Möglichkeit zur Fristberechnung für Equal Pay und Überlassungshöchstdauer. Darüber hinaus müssen die gesetzesspezifischen Besonderheiten berücksichtigt werden, zum Beispiel Abweichungen, Besitzstandswahrung und Unternehmensbezug. Den Unterschied zwischen den Softwareangeboten machen vor allem die Feinheiten: Neue Regelungen wie die AÜG-Reform lassen Umsetzungsspielräume zu, die noch ausgelotet werden müssen. Eine Software wurde mit Weitblick programmiert, wenn sie verschiedene Optionen berücksichtigt. Office® bietet Anwendern die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Einstellungen zu wählen, z. B. beim Gesamtlohnvergleich oder der Fristberechnung. Sollte sich in Zukunft eine Praxis durchsetzen, lassen sich die Einstellungen direkt übernehmen.

Quelle Foto: fotolia© baranq


prosoft-Team

prosoft-Team

Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>