Video Recruiting

Mit Recruiting-Videos mehr Bewerber erreichen

Im Content Marketing nehmen Video und Bewegtbild einen hohen Stellenwert ein: Emotionale Messages lassen sich über videobasierte Kommunikation effektiver transportieren als über reine Textinformation. Für Entscheidungen ist neben der Sachinformation und rationalen Ebene auch die emotionale Ebene von Bedeutung. Sie hat einen hohen motivationalen Effekt. Kaum verwunderlich, dass das Video als emotionsvermittelndes Medium 55 % des mobilen Datenverkehrs ausmacht – so die aktuelle Erhebung „Global Mobile Data Traffic Forecast“ des US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmen Cisco. Bis 2020 steigt der Anteil des videobasierten Datenverkehrs Prognosen zufolge auf 75 %. Allein wegen der hohen Frequentierung von Online-Videos lohnt sich die Überlegung, ob sich das Medium auch für die Arbeitgeberkommunikation eignet. Lassen sich Bewerber durch Video HR-Branding gezielter ansprechen? Und welche Vorteile bietet Video-Recruiting?

Zunächst einmal: Ein Recruiting-Video ist nicht dasselbe wie ein Imagefilm. Zwar transportieren beide im Idealfall ein attraktives Arbeitgeberimage, doch hat das Video als Recruiting-Tool vor allem die Funktion, potentielle Bewerber authentisch über den Arbeitsalltag im Unternehmen zu informieren. Natürlich dürfen und sollten hier die positiven Seiten im Fokus stehen. Ein Eigentor wäre es allerdings, den Alltag im Unternehmen verschönt darzustellen und zu hohe Erwartungen seitens des Bewerbers zu wecken. Realisiert er, dass seine Vorstellungen nicht der Arbeitsrealität entsprechen, führt das schnell zu Ernüchterung und schlimmstenfalls zur Kündigung. Die Fluktuation wiederum ist mit Neurekrutierungskosten und Produktivitätseinbußen verbunden. Video-Recruiting lohnt sich also vor allem dann, wenn ein authentisches Bild vom Unternehmen und der ausgeschriebenen Position vermittelt wird. Zumal die Glaubwürdigkeit des Arbeitgebers unter einem inszenierten, schöngefärbten Video mit aalglatten Protagonisten leidet. Jeder, der schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet hat weiß, dass ein Pleasantville-Image nicht der Realität entspricht. Auf der anderen Seite gibt es sicherlich viele Gründe, die dafür sprechen, sich im Unternehmen zu bewerben. Und die sollten natürlich dargestellt werden, z. B. die Entwicklungs- und Aufstiegschancen neue Mitarbeiter. Per Video lassen sich Arbeitsklima, eine positive Atmosphäre, Freude an einer Tätigkeit, produktive Teamarbeit und Zusammenhalt viel besser einfangen und transportieren.

Wenn das Video den Arbeitsalltag und die Unternehmenskultur spürbar macht, ist es für den Bewerber eine starke Orientierungs- und Entscheidungshilfe. Er fühlt sich vielleicht schon beim zusehen mit dem Unternehmen verbunden und merkt, dass er sich mit den vermittelten Werten identifiziert. Ein Video, das die Unternehmenskultur anschaulich vermittelt und eine positive realistische Vorstellung des Arbeitsalltags weckt, wirkt bereits vorqualifizierend: Es spricht Bewerber an, die sich mit den Unternehmenswerten, den Mitarbeitern und Aufgaben identifizieren. Das sind vor allem solche Bewerber, die von ihren Vorstellungen, ihren Erwartungen und ihrer Selbsteinschätzung her in das Unternehmen passen. Da Videos häufig höhere Klickzahlen aufweisen als textbasierte Informationen, erhöht videobasiertes Recruiting die Anzahl potentieller Bewerber und, wenn es gut gemacht ist, die Quantität und Qualität der tatsächlichen Bewerbungseingänge. Im Gegensatz zum einfachen Stellenposting beispielsweise erreicht ein Video mit höherer Wahrscheinlichkeit auch latent wechselwillige Bewerber. Der Vorteil an einem qualitativen Video ist, dass es informativ ist und unterhält. Es zeigt die vielen Facetten eines Unternehmens in Wort und Bild. Zwar investiert das Unternehmen einiges an Zeit und Kosten in die Vorbereitung und Produktion des Videos, doch lässt es sich im Anschluss relativ breit streuen (z. B. über Social Media), ohne hohe Zusatzkosten zu verursachen. Auch den bereits vorhandenen Mitarbeiterkreis kann ein Recruiting-Video positiv beeinflussen: Vermittelt es ein attraktives, authentisches Arbeitgeberimage steigt die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Zusammengefasst kann ein gut produziertes Recruiting-Video sich positiv auf die Bewerberqualität und -quantität auswirken, die Effizienz der Recruiting-Maßnahme (u. a. durch Selbstselektion der Bewerber) steigern und ein attraktives Arbeitgeberimage vermitteln.

Recruiting-Videos richtig umsetzen

Die Umsetzung eines Recruiting-Videos erfolgt entweder durch das Unternehmen selbst oder spezialisierte Dienstleister. Da Unternehmensinterne ihre Kollegen im Arbeitsumfeld kennen, eignen sie sich für die Auswahl der Protagonisten. Mitarbeiter-Testimonials (z. B. als Interview) spielen eine große Rolle in Recruiting-Videos: Sie zeigen die potentiellen zukünftigen Kollegen des Bewerbers in ihrer alltäglichen Arbeitsumgebung. Auch hier ist Authentizität das Stichwort: Auswendig gelernte, abgelesene oder geschauspielerte Antworten vermindern die Credibility. Als Protagonisten eignen sich vor allem engagierte Mitarbeiter, die auch im Arbeitsalltag Engagement und Freude an ihrer Tätigkeit versprühen, die begeisterungsfähig sind und andere begeistern können. Echte Erfahrungen und Stories wirken am besten. Mitarbeiter können z. B. über ihren Werdegang erzählen, ihre Gründe beschreiben, warum sie gern im Unternehmen arbeiten, welche Herausforderungen sie schätzen… Aufnahmen, die den Mitarbeiter in verschiedenen Arbeitssituationen (z. B. bei der produktiven Teamarbeit) zeigen vermitteln ein facettenreiches Bild vom Unternehmensalltag. Als Protagonisten eignen sich neben Mitarbeitern natürlich auch Vorgesetzte oder Arbeitgeber. Um gehaltvolle Antworten der Darsteller zu produzieren, ist eine journalistische Fragetechnik sinnvoll. Für eine längere Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers sorgt die Variation von Protagonisten, Sequenzen, Tempo oder Kameraeinstellungen. Neben der Auswahl der Darsteller müssen natürlich auch die Location und der Drehtermin festgelegt werden. Wer genau ist die Zielgruppe und welche Resultate soll das Video erzielen? Wie lassen sich die Ergebnisse im Nachhinein evaluieren? Sind all diese Parameter festgelegt, kann ein Storyboard oder Drehbuch verfasst werden. Meist übernimmt das ein externer Anbieter. Im Produktionsprozess sind i. d. R. mehrere Feedbackrunden und Änderungsschritte nötig. Nach der Videoproduktion werden die Kanäle festgelegt, um das Video zu platzieren, z. B. die Karriereseite, Online-Stellenbörsen, Social Media, Videoplattformen oder der Corporate Blog. Auch hier lässt sich evaluieren, welche Quellen die meisten Bewerber liefern und ggf. durch welche Quellen die höchste Einstellungsquote generiert werden konnte.

Fazit

Videos gehören zu den meistgeklickten Formaten in der Onlinewelt. Unternehmen setzen Recruiting-Videos zusätzlich zur Stellenanzeige, ggf. aber auch stattdessen ein, um potentiellen Bewerbern eine Orientierungshilfe für ihre Entscheidung zu bieten und höhere Bewerberquoten zu erzielen. Über videobasierte Kommunikation lassen sich Emotionen besser transportieren und der Bewerber erhält einen spürbaren Eindruck von der Unternehmenskultur und dem Arbeitsalltag. Damit eignen sich Recruiting-Videos auch als Instrument für das Employer Branding. Authentischen Videos gelingt es, ein positives Arbeitgeberimage zu vermitteln und die passenden Bewerber von einem Job zu überzeugen, ohne sich in Schönfärberei zu verlieren.

Quelle Foto: Fotolia © Rawpixel.com


Farid Jammali

Farid Jammali

Farid Jammali ist Marketingleiter und versteht sich in der Vermarktung komplexer Softwarelösungen über alle Marketing-Kanäle hinweg.

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