Die Top 25 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche

Das Lünendonk-Ranking 2018

Jedes Jahr rankt das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder GmbH die Top 25 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche. Kriterien des Anbieterrankings sind der Umsatz, die Anzahl der internen Mitarbeiter und der Zeitarbeitskräfte. Das Ranking basiert laut Lünendonk auf kontrollierten Selbstauskünften der Unternehmen und eigenen Schätzungen. In den Top 3 landeten wie auch im Vorjahr Randstad, Adecco und die ManpowerGroup. Randstad und der ManpowerGroup gelang es im Vergleich zu 2016, ihren Umsatz weiter zu steigern. Der Spitzenreiter Randstad, Eschborn, erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 2.335,1 Millionen Euro und beschäftigte 2.700 interne Mitarbeiter. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer lag bei 59.500. Insgesamt 7 der gelisteten Unternehmen erzielten ein zweistelliges Umsatzwachstum. Mit einem Plus von 35,5 % konnte die TP Group Service, Hamburg, die höchste Umsatzrate verzeichnen, gefolgt von Dekra Arbeit, Stuttgart, mit 33,7 % und Office-People Personalmanagement, Beckum, mit 33,2 %. Neuzugang in der Liste ist die Actief Holding, Karlsruhe: Mit einem Umsatz von 187,9 Millionen Euro landete das Unternehmen auf Platz 16. 2017 gelangen dem Unternehmen gleich zwei Übernahmen: Zum 01.01.2017 wurden die Personaldienstleistungsunternehmen Timecraft und Onsite Partner von ACTIEF. Ende 2017 erwarb das Unternehmen die AB Zeitpersonal GmbH Oberhausen. Seit Januar 2018 firmieren Timecraft und Onsite als ACTIEF Personalmanagement. Nicht mehr gelistet ist dieses Jahr das Unternehmen Franz & Wach, Crailsheim, das im Vorjahresranking als Neuzugang auf Platz 25 rangierte. Schlusslicht des Rankings bildet Iperdi Deutschland, Weinheim, mit einem Umsatz von 119,9 Millionen Euro, 215 internen Mitarbeitern und 4.000 Zeitarbeitnehmern.

Aktuelle Entwicklungen in der Branche

2017 war ein gutes Jahr für die Zeitarbeitsbranche: Laut Schätzungen der Lünendonk & Hossenfelder GmbH stieg die Zahl der Zeitarbeitnehmer um 3,9 %. Die Branche erzielte ein Marktwachstum von 7,1 %. Ein einschneidendes Ereignis in 2017 war die AÜG-Reform, die am 01.04.2017 in Kraft getreten ist. Neben den Hartz-Reformen und dem 1. und 2. Teil des Änderungsgesetzes zählt die Novellierung 2017 zu den umfassenderen Reformen. Diese brachten Neuerungen wie die Drehtürregelung und das Equal Treatment Prinzip. Die wichtigsten Säulen der AÜG-Reform aus 2017 sind die Regelungen zur Höchstüberlassungsdauer und Equal Pay.
Höchstüberlassungsdauer: Leiharbeiter dürfen demselben Kunden nicht länger als 18 aufeinanderfolgende Monate überlassen werden (§ 1 Absatz 1b AÜG). Durch Tarifverträge der Einsatzbranche besteht die Möglichkeit, von der 18-Monate-Frist abzuweichen.
Equal Pay: Das gesetzliche Equal Pay sieht vor, dass Zeitarbeitnehmer nach 9 Monaten ununterbrochenem Einsatz im selben Kundenbetrieb eine gleichwertige Bezahlung wie Stammbeschäftigte erhalten. Wird ein Branchenzuschlagstarifvertrag angewendet, so muss Equal Pay unter bestimmten Voraussetzungen erst nach 15 Monaten umgesetzt werden.
Seit 2018 sind Equal Pay und die Höchstüberlassungsdauer erstmals praxisrelevant. Die neuen Regelungen sind es, die der Branche einen Dämpfer versetzen könnten: Führende Anbieter befürchten im Zusammenhang mit den Regulierungen eine Stagnation der Zahl der Leiharbeitnehmer. Angesichts der bevorstehenden Tariferhöhungen ist dennoch laut Angaben von Lünendonk mit einem steigenden Umsatz zu rechnen (+ 2,7 %). Die befragten Unternehmen erwarten für 2018 sogar mit einem Umsatzwachstum von 7,3 %.

Herausforderung AÜG-Reform

Bereits im Vorfeld rechneten etwa drei Viertel der Top-100 Unternehmen in einer PwC-Umfrage (Zeitarbeitsbranche aktuell 2017) mit Schwierigkeiten bei der Umsetzung. 71 % befürchteten verringerte Beschäftigungszeiten und 43 % einen Nachfragerückgang nach Zeitarbeitskräften. Laut Angaben von Hartmut Lüerßen (Partner der Lünendonk & Hossenfelder GmbH), waren die Equal-Pay-Regelungen zum Jahreswechsel bereits für 20 % der Leiharbeiter relevant. Gerade bei der Umsetzung von Equal Pay gab und gibt es noch immer Unsicherheiten: Es fehlen eine einheitliche Definition und eine klare Zuschreibung der zugehörigen Entgeltbestandteile. Ebenso schwammig sind z. T. die Angaben zur Fristberechnung oder zur Berechnung der Equal Pay Zulage. Um die Regelung korrekt umzusetzen, müssen Verleiher mehrere Kriterien berücksichtigen, z. B. anrechnungspflichtige Voreinsatzzeiten im Kundenunternehmen, mögliche Unterbrechungen von über drei Monaten und Lohnbestandteile vergleichbarer Stammmitarbeiter. Hierbei besteht das Risiko fehlerhafter Equal-Pay-Ermittlungen oder unvollständiger Angaben. Die Höchstüberlassungsdauer wird unter anderem deshalb kritisiert, weil Einsätze länger als die zulässige Frist dauern können (z. B. Projekte mit hochqualifizierten Arbeitskräften). Zeitarbeitnehmer müssen ein Entleihunternehmen fristgemäß verlassen, auch wenn sie sich dort wohlfühlen. Einige Zeitarbeitnehmer befürchten, dass die AÜG-Regelungen einen häufigeren Einsatzwechsel oder gar einen Jobverlust wahrscheinlicher machen, weil Mitarbeiter vor Ablauf der Equal-Pay- oder Höchstüberlassungsfrist abgemeldet werde. Laut Angaben von Lünendonk wurden seit dem Jahreswechsel rund 47 % der Zeitarbeitnehmer beim Kunden weiterbeschäftigt, knapp ein Drittel habe man in andere Betriebe versetzt. Fast ein Fünftel der Arbeitnehmer wurden von einem Einsatzunternehmen übernommen. 7 % mussten entlassen werden, da sich keine Anschlussbeschäftigung für sie finden ließ.

Fazit

2017 war für die Zeitarbeitsbranche ein gutes Jahr: Die Zahl der Zeitarbeitnehmer stieg und die Branche konnte ein ordentliches Marktwachstum erzielen. Den höchsten Umsatz von der Lünendonk & Hossenfelder GmbH gelisteten Top 25 Unternehmen verzeichnete Randstad (Eschborn). Die von dem Beratungs- und Marktforschungsunternehmen befragten Unternehmen gaben sich optimistisch bzgl. eines Umsatzwachstums für 2018 – trotz Erschwernisse durch die AÜG-Reform, die einen vergleichsweise hohen administrativen Aufwand mit sich bringt. Gerade hier bietet die Digitalisierung die Chance, Verwaltungsprozesse zu automatisieren (z. B. durch eine AÜG-Reform optimierte Zeitarbeitssoftware).

Quelle Foto: ©  gustavofrazao / Fotolia


prosoft-Team

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