Tipps für ein erfolgreiches Azubi-Recruiting

Herausforderung Azubi-Mangel

Ausbildungsmarketing ist ein Schlagwort, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat: Qualifizierte Auszubildende für den Betrieb zu finden, erweist sich angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Studierendenzahl als Herausforderung. Vor allem für die weniger bekannten, kleineren Unternehmen mit ländlichem Standort. Die Zahlen sprechen für sich: Rund 500.000 Auszubildende gibt es derzeit – das sind 50.000 weniger als noch im Jahr 2011. Innerhalb von 7 Jahren hat sich die Zahl der Auszubildenden mehr als halbiert. Die fehlenden Nachwuchskräfte machen sich besonders dann bemerkbar, wenn in den nächsten Jahren die eigenen Fachkräfte in Rente gehen. Mit dem demografischen Wandel wird es weniger Schulabsolventen geben, von denen sich nach aktuellem Stand die Mehrheit für ein klassisches Hochschul- oder Fachhochschulstudium entscheiden würde: Seit dem neuen Millennium verzeichnet die Zahl der Studierenden ein Plus von 1 Million, die Auszubildendenzahl ist um 400.000 gesunken. Stellt ein Unternehmen Auszubildende ein, bevorzugt es meist Abiturienten. Hauptschüler haben oft noch immer Probleme, einen Ausbildungsplatz zu bekommen: Ca. 81.000 Jugendliche in Deutschland finden keinen Ausbildungsplatz. Was kann ein Unternehmen tun, um geeignete Auszubildende zu finden? Sicherlich ist es auch Sache der Politik, das Image der beruflichen Ausbildung zu verbessern und Maßnahmen zur Erhöhung der Ausbildungsanwärter auf dem Arbeitsmarkt zu implementieren. Doch auch Unternehmen können darauf setzen, ihr Arbeitgeberimage bei der jungen Zielgruppe zu stärken. Derzeit dürften das vor allem Angehörige der vielbeschriebenen Generationen Y und Z sein. Beide Generationen gehören zu den Digital Natives, d. h. sie sind mit dem Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen. Die Bedienung von Smartphone, Tablet-PCs und Co. zählt für viele Mitglieder der digital sozialisierten Generationen schon im Kindesalter zur Selbstverständlichkeit, so dass die Frage nach Mobile-Recruiting mit dem Ausbildungsmarketing Hand in Hand geht: Mobiloptimierte Karriereseiten und Online-Stellenanzeigen oder Apps zur Stellensuche helfen dabei, den Bewerbungsprozess und die Stellensuche für junge Ausbildungsanwärter angenehm zu gestalten. Die Frage der Candidate Experience spielt ebenso eine wichtige Rolle für ein gelungenes Ausbildungsmarketing wie für das Recruiting erfahrenerer Bewerber. Was die Situation für Auszubildende jedoch von derjenigen erfahrener Kandidaten unterscheidet, ist der stärkere Fokus auf der Berufsorientierung: Für Auszubildende ist es besonders wichtig, sich ein Bild von den berufspraktischen Aufgaben und dem Berufsbild zu machen sowie ihre Berufs-und Karriereperspektiven einschätzen zu können. Genau hier können Unternehmen ansetzen und künftigen Nachwuchskräften eine Möglichkeit zur Berufsorientierung bieten, beispielsweise, indem sie auf Berufs- und Karrieremessen für Ausbildungsinteressierte wie Stuzubi über ihre Ausbildungsberufe informieren, Schulpraktika anbieten, Ausbildungsblogs betreiben, einen Tag der offenen Tür oder einen Girl’s Day/Boys‘ Day anbieten.

Berufsorientierung mit Erlebnischarakter

Eine weitere Möglichkeit, die digitalaffinen Generationen mit spielerischen Elementen anzusprechen und eine Berufsorientierung mit Erlebnischarakter zu bieten, ist das Recruitainment – einem Mix aus E-Recruiting und Infotainment. Dabei kommen Gamification-Elemente zum Einsatz, um monotone Informationen und Aufgaben spielerisch zu verpacken. Der Lidl-Berufscheck beispielsweise, bietet jungen Schulabsolventen einen Interessenstest mit 60 Tätigkeiten aus verschiedenen Berufsfeldern. Das Ergebnis: ein Ranking mit einer Übersicht über die verschieden ausgeprägten Interessen und dazu passende Ausbildungsberufe bzw. ein duales Studium. Hat der User den Interessenstest absolviert, hat er die Möglichkeit, in einem Berufsorientierungsspiel den Berufsalltag im gewählten Ausbildungsberuf zu erkunden. Die Commerzbank bietet ihr Berufsorientierungsspiel mittlerweile auch in einer mobilen Variante an: Der User schlüpft dabei in die Rolle eines Auszubildenden oder Studenten und löst berufstypische Aufgaben, z. B. die Simulation von Kundentelefonaten oder Kundenberatungen. Im Anschluss erhält er ein kurzes Feedback und kann für die Aufgaben Punkte sammeln.

Azubi-Akquise mit Ausbildungsmarketing

Unternehmen mit einer attraktiven Arbeitgebermarke gelingt es leichter, die Aufmerksamkeit potenzieller Bewerber auf sich zu lenken. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, ist eine Unique Applying Position als Alleinstellungsmerkmal von Vorteil. Damit die Arbeitgebermarke authentisch ist und die richtige Zielgruppe erreicht, sollte eine Analyse zur Wahrnehmung der Arbeitgebermarke vorangehen. Zur Identifikation von Verbesserungspotenzialen hinsichtlich Kommunikation und Gestaltung der Arbeitgebermarke eignen sich beispielsweise eine Attraktivitäts- und SWOT-Analyse. Eine Analyse der Bewerberstruktur und Zielgruppe ermöglicht es, Arbeitgeberbotschaften adressatengerecht zu gestalten. Eine Profilschärfung mithilfe unternehmensspezifischer Arbeitgeberclaims und Nutzenversprechen (Employer Value Proposition) hilft dabei, sich von Wettbewerbern abzuheben. Um die junge Zielgruppe in den angebotenen Ausbildungsberufen zu erreichen und die Medien und Recruiting-Kanäle passend auszuwählen, können Kennzahlen zur Erfolgsmessung, wie z. B. die erfolgten Einstellungen nach Quelle, sinnvoll sein. Wichtig ist, dass junge Bewerber über das Berufsbild und die Anforderungen der Stelle aufgeklärt werden, z. B. in der Stellenanzeige oder über direkte Kontakte auf Messen und Veranstaltungen, durch Ausbildungs-Chats, Azubi-Blogs… Da auch die Eltern eine zunehmend wichtige Rolle spielen, können Unternehmen beispielsweise die Gelegenheit nutzen und auf Elternabenden oder Informationsveranstaltungen für Eltern über die Ausbildungsberufe informieren. Um visuelle Eindrücke vom Unternehmen zu gewinnen und sich ein Bild von der Arbeitsatmosphäre zu machen, ist die Einbindung von Fotos – authentische Motive statt Stockbilder – oder Videos auf der Karriereseite möglich. Testimonials von ehemaligen oder aktuellen Auszubildenden und die Möglichkeit, diese zu kontaktieren, bieten potenziellen Bewerbern eine weitere Grundlage für ihre Entscheidung. Die Kommunikation von Benefits wie beispielsweise ein kostenfreies Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr, Weihnachts- und Urlaubsgeld, ein Diensthandy oder Notebook sowie Aufstiegschancen sind eine gute Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Konkrete Instrumente für das Ausbildungsmarketing sind beispielsweise:
• Schulpraktika
• Tag der offenen Tür, Girl’s Day/Boys‘ Day, Betriebsbesichtigungen
• Anzeigen in zielgruppenspezifischen Medien (z. B. Abizeitung, Kinozeitschriften)
• Blogmarketing (Azubi-Blogs mit Bewerbungs- und Karrieretipps oder zur Berufsorientierung)
• Messen (z. B. Stuzubi, vocaticum)
• Recruiting-Videos
• Recruitainment (z. B. Berufsorientierungsspiele)
• Online-Stellenbörsen (z. B. Azubiyo)
• Social-Media-Recruiting
• Ansprache von Eltern, Lehrern und Berufsberatern
• Bildungssponsoring, Unterrichtsmaterialien an Schulen
• Werbung in Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Radio
• Employer Branding
• …

Mindestens ebenso wichtig wie die Azubi-Akquise ist es, die gewonnenen Auszubildenden im Unternehmen zu halten. Ein gelungener Onboarding-Prozess hilft dabei, die jungen Talente in das Unternehmen zu integrieren, z. B. durch Einführungsseminare, einen eigenen Paten/Ansprechpartner und Infomaterialien.

Fazit

Die Zahl der Auszubildenden in Deutschland ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Gründe dafür sind u. a. der demografische Wandel und die hohe Akademikerquote. Vor allem weniger bekannte Unternehmen aus dem ländlichen Raum stehen vor der Herausforderung, junge Nachwuchskräfte auf sich aufmerksam zu machen. Eine wichtige Rolle im Azubi-Recruiting spielt das Ausbildungsmarketing, um die Zielgruppe adressatengerecht und in den richtigen Kanälen mit den richtigen Maßnahmen anzusprechen.


prosoft-Team

prosoft-Team

Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>