Technologie 4.0 in der Arbeitswelt

Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt, auf Arbeitsplätze und Beschäftigungsstrukturen? Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat in einer aktuellen Studie untersucht, wie sich die Arbeitswelt durch Digitalisierung und Automatisierung verändert. Routinetätigkeiten, die vor allem in mittleren Einkommensgruppen anzusiedeln sind, können in Zukunft durch Computer automatisiert werden (z. B. repetitive Produktionsarbeiten, Buchhaltung, Sachbearbeitung). Das könne laut Studie zu einer Beschäftigungs- und Lohnpolarisierung führen:
Beschäftigungspolarisierung: Die Beschäftigtenzahl im mittleren Einkommenssegment sinkt im Vergleich zu der im niedrigen oder hohen Lohnsegment.
Lohnpolarisierung: Die Löhne in der mittleren Einkommensgruppen wachsen langsamer als die der anderen Pole.
In Deutschland zeichne sich zwar keine Lohn-, aber eine Beschäftigungspolarisierung ab.
Ausgenommen sind (bisher) Nicht-Routinetätigkeiten in analytisch oder interaktiv geprägten Berufsfeldern (z. B. Friseure, Ärzte und Juristen), die primär in hohen und niedrigen Lohnsegmenten zu finden sind – diese werden in Zukunft eher an Bedeutung gewinnen. Die veränderte Arbeitsnachfrage geht laut Studie entweder mit einem Beschäftigungsrückgang in den Routineberufen einher oder mit einer veränderten Tätigkeitsstruktur. Rückläufige Beschäftigungszahlen fänden sich vor allem in der Landwirtschaft und im Gastgewerbe – aber die Digitalisierung schafft auch Arbeitsplätze. Unternehmen, die Prozesse digitalisieren oder automatisieren, erhöhen die Anzahl ihrer Arbeitsstellen eher als jene mit geringem Digitalisierungsgrad. Branchen wie die Chemiebranche und die öffentliche Verwaltung weisen einen eher hohen Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad auf. Bau-, Gastgewerbe und Landwirtschaft zeichnen sich durch einen weniger ausgeprägten Gebrauch von 3.0. und 4.0 Technologien aus.

Welche Gesamtbeschäftigungseffekte sind möglich?

Die Studie beschreibt eine Reihe von Anpassungsprozessen, die die Substitution von Arbeitnehmern durch Maschinen überkompensieren könnten:
Entstehen neuer Arbeitsplätze: Der technologische Fortschritt wird durch den technologieproduzierenden Sektor angekurbelt, in dem neue Arbeitsplätze entstehen können.
Höhere Beschäftigung durch Produktionsausdehnung: Neue Technologien können zu Kosten- und Preissenkungen führen, was sich positiv auf die Nachfrage auswirken und eine Produktionsausdehnung bewirken könnte. Diese wiederum kann mit einer höheren Beschäftigung einhergehen.
Höhere Arbeitskräftenachfrage durch Konsumsteigerung: Arbeitnehmer im Produktionsbereich könnten aufgrund der Produktivitätssteigerungen höhere Löhne aushandeln, wodurch die Konsumnachfrage steigen würde. Dies wiederum kann zu einer erhöhten Arbeitskräftenachfrage führen.
Die Studienlage, die solche Gesamtbeschäftigungseffekte in den Blick nimmt, ist derzeit noch relativ dünn.

Wie verbreitet ist die Nutzung von 4.0 Technologien in deutschen Betrieben?

IT- und Kommunikationstechnologien ermöglichen eine zunehmende Verzahnung der industriellen Produktion. Charakteristisch für die Industrie 4.0 ist die digitale Vernetzung und Automatisierung von Produktion und Logistik. Virtuelle und reale Prozesse vermischen sich zum Beispiel auf Grundlage von cyber-physischen Systemen. Knapp ein Drittel der Unternehmen hat sich laut Studie noch nicht mit der Nutzung von 4.0 Technologien bzw. selbststeuernde Maschinen beschäftigt, ein weiteres Drittel nutzt bereits diese Art der Technologie. Für fast ein Fünftel sind 4.0 Technologien ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Etwa 15 % setzen sich derzeit mit der Nutzung der Technologien auseinander und ein Bruchteil (2,1 %) plant eine konkrete Anschaffung. In fünf Jahren werden der Studie zufolge 13,4 % der Arbeitsmittel im Bereich Büro- und Kommunikationsmittel aus 4.0 Technologien bestehen. In der Produktion wird sich der Anteil dieser Technologien auf etwa 7,9 % belaufen.

Wie unterscheiden sich Technologievorreiter und -nachzügler?

Unternehmen, die in 3.0 und 4.0 Technologien investieren, unterscheiden sich in einigen Merkmalen von solchen, die keine derartigen Investitionen vornehmen. Die Vorreiter haben meist bereits in der Vergangenheit in neue Technologien investiert: 2011 war der Anteil von 3.0 und 4.0 Technologien in investierenden Unternehmen um 3 bis 5 Prozentpunkte höher als bei den Nachzüglern. Hingegen fiel der Anteil der 1.0 und 2.0 Technologien geringer aus. Die Technologievorreiter generieren meist höhere Umsätze und Gewinne als nicht investierende Unternehmen. Sie weisen eine etwa doppelt so große Belegschaft und eine andere Mitarbeiterstruktur auf: Die Mitarbeiterschaft besteht zu einem höheren Anteil aus hochqualifizierten Kräften, die eher analytische, kognitive und interaktive Aufgaben übernehmen und 3.0/4.0 Technologien nutzen. Repetitive und manuelle Tätigkeiten nehmen weniger Raum ein. Der Mitarbeiteranteil mit mittlerem Qualifikationsniveau fällt geringer aus. Im Schnitt verdienen Arbeitnehmer in technologieintensiven Unternehmen höhere Löhne als bei nicht investierenden Arbeitgebern: Ihr Tageslohn beträgt durchschnittlich 80,9 Euro, wohingegen Technologienachzügler ihren Mitarbeitern rund 71,8 Euro Tageslohn zahlen. Unterschiede gibt es auch in der Einstellung bzgl. neuer Technologien zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern: Jene, die 4.0 Technologien nutzen, sehen eher die Chancen für eine bessere Arbeitsproduktivität und Geschäftsentwicklung. Sie gehen vermehrt davon aus, dass die Technologien dabei helfen, Kundenwünsche zur erfüllen und neue Produkte/Dienstleistungen anzubieten. Außerdem sind sie weniger als Nicht-Nutzer der Meinung, dass neue Technologien zu einem erhöhten Geschäftsrisiko beitragen.

Exkurs: Industrie 1.0 bis 4.0

Historisch gesehen lassen sich 4 industrielle Revolutionen nennen:
Industrie 1.0: Die erste industrielle Revolution fand um 1800 statt, als Güter maschinell produziert wurden und die Massenproduktion durch Maschinen begann. Ein wichtiger Motor in dieser Phase war die Erfindung der Dampfmaschine.
Industrie 2.0: Die Einführung der Elektrizität leitete die zweite industrielle Revolution ein. Die Fließbandproduktion, erstmals durch Henry Ford in der Autoindustrie eingesetzt, kennzeichnet diese Phase. Der Warenaustausch wurde u. a. durch die Luftfahrt globaler.
Industrie 3.0: Diese Phase ist geprägt durch die Entwicklung des Computers und den Einsatz von IT sowie die Automatisierung von Arbeitsschritten durch Elektronik.
Industrie 4.0: Die Industrie 4.0 ist geprägt durch die Digitalisierung und die digitale Vernetzung und Automatisierung von Produktion und Logistik, durch neue Kommunikationsformen und das Internet der Dinge.

Fazit

Digitalisierung und Automatisierung haben Einfluss auf die Arbeitswelt und Beschäftigungsstrukturen: Routinetätigkeiten werden z. T. automatisiert, so dass Beschäftigungen wegfallen oder veränderte Tätigkeitsstrukturen aufweisen. Unter den Vorreiterunternehmen, die in 3.0 und 4.0 Technologien investieren, befinden sich vor allem solche, die bereits in den Vorjahren Technologieinvestitionen getätigt haben. Sie generieren zum Teil höhere Umsätze als nicht investierende Unternehmen und weisen eine andere Mitarbeiterstruktur auf (z. B. mehr hochqualifizierte Arbeitnehmer).

Quelle Foto: © Coloures-Pic / Fotolia


Farid Jammali

Farid Jammali

Farid Jammali ist Marketingleiter und versteht sich in der Vermarktung komplexer Softwarelösungen über alle Marketing-Kanäle hinweg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>