Stellenanzeigen: So geht’s nicht

Diese Fehler kommen Unternehmen teuer zu stehen

„Gestern noch in der Schule – heute schon auf der Karriereleiter“. Mit dieser Anzeige für das Ausbildungsjahr 2014 erntete die Kreissparkasse Birkenfeld den berüchtigten Negativaward für schlechtes Personalmarketing – die goldene Runkelrübe. Ausschlaggebend für die Nominierung war die Bildwahl zum Slogan: eine (Karriere)Leiter mit zwei männlichen Anzugsträgern on Top, darunter fünf weibliche Angestellte, die es allerhöchstens auf die zweite Stufe geschafft haben. In einer gendersensiblen Welt wirkt eine solche Anzeige diskriminierend. Neben einem mit Augenzwinkern verliehenen Schmähpreis kann das für ein Unternehmen mit deutlich gravierenderen Konsequenzen verbunden sein.
25.000 Euro forderte eine Frau in einer Schadensersatzklage gegen ein mittelständisches Transport- und Logistikunternehmen, weil sie sich wegen ihres Geschlechts im Bewerbungsprozess benachteiligt fühlte. Im Stelleninserat hatte das Unternehmen einen „Geschäftsführer“ gesucht und somit keine geschlechtsneutrale Bezeichnung verwendet. In zweiter Instanz bekam die Klägerin Recht und erhielt mit 13.000 Euro rund die Hälfte der geforderten Summe. Begründet wurde der Rechtsspruch mit einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das am 18.08.2006 in Kraft ge¬tre¬ten ist. Im Falle eines Rechtsstreits sind Unternehmen verpflichtet, einen Nachweis über einen gesetzeskonformen Bewerbungsprozess zu erbringen. Das AGG verbietet Diskriminierung, Mobbing oder Ungleichbehandlung aufgrund von:

  • Geschlecht
  • Rasse oder ethnischer Herkunft
  • Religion und Weltanschauung
  • Behinderung
  • Alter
  • sexueller Identität

Abgesehen von einigen Ausnahmeregeln, zum Beispiel aufgrund von Benachteiligungen im Zuge positiver Maßnahmen, sind Ungleichbehandlungen gesetzlich verboten. Eine unaufmerksame Formulierung in einer Stellenanzeige wie „junge, dynamische Sekretärin gesucht“, kann dem Arbeitgeber teuer zu stehen kommen. Es lohnt sich also, zwei Mal hinzusehen und auf die richtige Formulierung zu achten:
1.) geschlechtsneutrale Formulierungen: Funktionsbezeichnungen wie Geschäftsleitung eignen sich hier am besten. Ansonsten erwähnen Sie beide Geschlechtsformen (Geschäftsleiter/in).
2.) altersneutrale Formulierungen: Verwenden Sie keine konkreten Altersgrenzen (z. B. bis 40 Jahre) und vermeiden Sie jegliche Anspielungen auf das Alter („junge Sekretär/in gesucht“).
3.) herkunftsneutrale Formulierungen: Stellenanzeigen, die nach „deutschstämmigen“ Angestellten suchen oder sonst irgendein Herkunftsland/eine Ethnie verlangen, verstoßen ebenfalls gegen das AGG. Wenn zum Beispiel Bewerber mit ausgezeichneten deutschen Sprachkenntnissen für die Stelle erforderlich sind, so schreiben Sie das explizit.
4.) behindertenneutrale Formulierungen: Wenn es die Stelle nicht zwingend erfordert, dürfen behinderte Arbeitnehmer nicht benachteiligt werden. Formulierungen wie zum Beispiel „körperlich ohne Einschränkung leistungsfähig“ können als diskriminierend angeprangert werden. Andersherum ist es zulässig, schwerbehinderte mit gleicher Eignung im Sinne einer Schwerbehindertenquote zu bevorzugen (§ 5 AGG).

Schlechte Stellenanzeigen, weniger Bewerber

Ein korrektes rechtliches Vorgehen bei der Erstellung von Stellenanzeigen kann Unternehmen negative Imageeffekte und hohe Schadensersatzkosten ersparen. Darüber hinaus kann eine attraktive Stellenanzeige auch positive Auswirkungen auf das Arbeitgeberimage haben und zu einem der entscheidendsten Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen beitragen: qualifizierte Mitarbeiter. In Zeiten des Fachkräftemangels, fällt es zunehmend schwer, die richtigen Talente zu finden. Unternehmen, die mit einer gekonnten Stellenanzeige aus der Masse herausstechen, verschaffen sich einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil im Rennen um die besten Kandidaten. In einer 360-Grad Studie mit 1.004 Erwerbstätigen und 279 HR-Managern von karriere.at und Marketingagent.com gaben 80, 6 % der Arbeitnehmer an, dass sich ein Unternehmen mithilfe eines Stelleninserats positiv von anderen Wettbewerbern abheben könne. 65, 1 % bewerben sich nicht, wenn das Unternehmen unseriös wirkt oder unsympathisch erscheint (42, 8 %). 34 % sehen von einer Bewerbung ab, wenn sie sich nicht mit dem Unternehmen identifizieren können. Eine erfolgreiche Stellenanzeige versprüht ein positives Unternehmensbild und überzeugt qualifizierte Bewerber mit dem richtigen Inhalt und Design/Layout.
Womit Sie bei Bewerbern nicht punkten:
1.) Chaotische Struktur: Unstrukturierte Stellenanzeigen vermindern schon beim ersten Blick die Lust aufs Lesen und wirken unseriös. Mit einer übersichtlichen Struktur gelingt es deutlich besser, Informationen verständlich zu transportieren.
Tipp: Nutzen Sie die fünf W-Fragen (LINK zum anderen Blogbeitrag/die perfekte Stellenausschreibung)

2.) Unpersönliche Stellenanzeigen: Bewerbungen mit vielen Fachwörtern oder leeren Floskeln wirken distanziert und wenig aussagekräftig. Auch zu viele Anglizismen oder negative Wörter können einen schlechten Eindruck erwecken. Zeigen Sie dem Bewerber, was Sie als Unternehmen einzigartig macht! Eine Stellenanzeige, die den Bewerber berührt, hat schon gewonnen.

3.) Unpräzise Stellenanzeigen: Je gezielter eine Stellenanzeige formuliert ist, desto klarer werden auch Stellenprofil und Anforderungen. Um die richtigen Bewerber zu erreichen macht es Sinn, Aufgaben konkret zu beschreiben und die Stelle dabei (zum Beispiel über besondere Verantwortlichkeiten) interessant zu machen. Aber Achtung: ein überzogenes Anforderungsprofil schreckt ab. Statt ellenlange Listen zu schreiben, beschränken Sie sich lieber auf die wichtigsten Punkte.

4.) Unprofessionelles oder langweiliges Layout: Ein farbloses, langweiliges Layout sorgt dafür, dass eine Stellenanzeige eher in der Masse untergeht. Ein fataler Fehler wäre es beispielsweise, den Unternehmensnamen im Inserat nicht zu erwähnen. Das wirkt auf 42, 4 % der Arbeitnehmer unseriös. Ein attraktives Design mit Eye-Catchern hingegen, erregt die Aufmerksamkeit potenzieller Talente. Mit einem ansprechenden Layout in Ihrem Corporate Design stärken Sie zusätzlich Ihre Arbeitgebermarke. Worauf Bewerber in Sachen Stellenanzeigen-Design besonders achten, hat eine aktuelle Online-Eye-Tracking Studie von StepStone Österreich und MindTake Research untersucht.
Tipps zum optimalen Stellendesign finden Sie hier.

Fazit

Unternehmen tun gut daran, in die Erstellung rechtlich konformer und attraktiver Stellenanzeigen zu investieren. Rechtliche Fallstricke im Sinne des AGG zu vermeiden, erspart kostspielige Schadensersatzklagen. Mit inhaltlich und graphisch ansprechenden Stellenanzeigen erhöhen sie ihre Chance, qualifizierten Bewerbern positiv aufzufallen. So erreichen sie mehr und die richtigen Bewerber. Im Sinne des Employer Branding kann eine attraktive Stellenanzeige auch das Arbeitgeberimage verbessern.

Quelle Foto: Fotolia © Drobot Dean

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Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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