Social Media Strategie für Zeitarbeitsunternehmen

Was die Zeitarbeit zu bieten hat

Zeitarbeit als moderne Sklaventreiberei oder als Chance für Arbeitnehmer? In Sachen Zeitarbeit gehen die Meinungen auseinander: Die einen verbinden die Arbeitnehmerüberlassung mit Dumping-Löhnen und Jobunsicherheit. Die anderen sehen die Vorzüge des Modells wie einen erleichterten Berufseinstieg und Wiedereinstieg in die Berufswelt. Dass die Leiharbeit für Arbeitgeber attraktiv ist, zeigte sich jüngst für den Pflegeberuf: Die Zahl der Pflegekräfte in der Zeitarbeit ist laut Auswertung der Bundesagentur für Arbeit im Vergleich zum Vorjahr um 20 % gestiegen. In den meisten Fällen können Pflegekräfte in der Zeitarbeit Einsatz- und Schichtzeiten mitbestimmen und erhalten ein übertarifliches Gehalt. Diese Vorzüge sollten Personaldienstleister und Unternehmen aus der Zeitarbeitsbranche kommunizieren. Dass Leiharbeiter die Vorteile eines meist unbefristeten Arbeitsvertrags genießen inkl. Sozialleistungen und bezahltem Urlaub, dass Zeitarbeitsunternehmen Mindestlohn und Branchenzuschläge zahlen und dass Tarifverträge für die Zeitarbeit existieren, ist noch nicht vollständig in der Öffentlichkeit angekommen. Der iGZ und seine Mitglieder haben einen Ethik-Kodex herausgegeben, dem sich alle Mitglieder des Interessenverbands verpflichten. Leitwerte des Kodex sind Fairness, Zuverlässigkeit, Respekt, Vertrauen und Seriosität im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und anderen Akteuren. Durch Equal Pay stellen Zeitarbeitsfirmen sicher, dass Mitarbeiter nach im Regelfall 9 Monaten ununterbrochenem Einsatz im Kundenunternehmen ein gleichwertiges Entgelt wie Stammbeschäftigte erhalten. Und durch Equal Treatment, dass für Leiharbeitnehmer die wesentlichen Arbeitsbedingungen (z. B. Arbeitszeit, Pausen- und Ruhezeiten) wie für Stammmitarbeiter gelten. Potenzielle Mitarbeiter sollten ruhig erfahren, welche Vorteile die Branche bietet und dass sich viele Vorurteile nicht bestätigen lassen.

Ein paar Zahlen bitte…

Vorbehalte gegenüber der Zeitarbeit existieren vor allem bei branchenfremden Erwerbsfähigen, die noch nie in der Zeitarbeit beschäftigt waren: Etwa 30 % von ihnen würden laut Orizon Arbeitsmarktstudie – durchgeführt vom Marktforschungsunternehmen Lünendonk – nicht in der Zeitarbeit arbeiten. Erfahrene Zeitarbeitnehmer hingegen schätzen ihre Tätigkeit: Fast drei Viertel der Befragten fühlen sich in ihrem Job wohl. 70,6 % gaben an, gut in Betrieb und Belegschaft integriert zu sein. In ihren fachlichen und sozialen Kompetenzen fühlen sich mehr als 70 % auf Augenhöhe mit Stammmitarbeitern. Dass etwa ein Fünftel der Befragten sich von Kollegen diskriminiert fühlen, deutet auf bestehende Vorurteile in der Stammbelegschaft hin. Um mit Vorurteilen gegenüber der Branche aufzuräumen, hat die Orizon GmbH eine Reihe von Videos produziert: Die Kurzclips stellen zum Beispiel klar, dass in der Zeitarbeit Mindestlohn gezahlt wird, wie die Bezahlung aussieht und welche Werte wichtig sind. Womit wir direkt beim Thema Social Media wären: Das Personalunternehmen spricht über den YouTube-Kanal potenzielle Mitarbeiter an, um sie über die Vorzüge der Zeitarbeit zu informieren. Die Videos zeichnen sich durch ihren Informations- und Servicecharakter aus: Sie räumen mit Vorurteilen auf und zeigen Karrieremöglichkeiten in der Zeitarbeit auf.

Warum Social Media?

Employer Branding: Wie am Beispiel Orizon lassen sich Social-Media-Kanäle für das Employer Branding nutzen: Zeitarbeitsunternehmen positionieren sich im Social Web als attraktive Arbeitgeber, z. B. durch Videos, Mitarbeitertestimonials, Erfolgsgeschichten, Tipps für Bewerber oder Stellenanzeigen über Facebook-Ads. Zielführend sind Inhalte, die der Zielgruppe einen Mehr- und Nutzwert bieten. Veranstaltungen (z. B. Bewerbertage, Messen) können über die sozialen Medien bekannt gemacht werden, um dort mit potenziellen Mitarbeitern in Kontakt zu treten. Foto- und Videoplattformen wie YouTube, Instagram und Pinterest ermöglichen einen persönlichen Einblick hinter die Kulisse des Unternehmens. Stimmungen und besondere Momente im Arbeitsalltag, moderne Büroausstattung und leckeres Kantinenessen lassen sich über visuellen Content wirkungsvoll transportieren. Ein weiterer Pluspunkt: Eine attraktive Arbeitgebermarke färbt oft positiv auf die Wahrnehmung durch potenzielle Kunden ab.
Social Recruiting: Die sozialen Medien bieten auch eine Möglichkeit, aktiv nach Mitarbeitern zu suchen (Social Media Recruiting). Bei der proaktiven Kandidatensuche werden potentielle Mitarbeiter z. B. über ihre Social-Media-Profile ausfindig gemacht und kontaktiert. Profildaten, Suchverhalten u. Ä. geben Auskunft über die Person und ihre Interessen. Das Online Active Sourcing dient nicht nur der Besetzung kurzfristiger Vakanzen, sondern kann auch zum Aufbau eines Talent- bzw. Mitarbeiterpools genutzt werden.
Mitarbeiterbindung: Der Aufbau einer eigenen Online-Community kann sich positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirken. Gelingt es Unternehmen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und eine authentische Arbeitgebermarke aufzubauen, bieten sie Mitarbeitern eine Identifikationsmöglichkeit.
Kundengewinnung: Über branchenrelevante Inhalte, die potenziellen Kunden einen Mehrwert bieten, können Zeitarbeitsfirmen ihre Zielgruppe auf sich aufmerksam machen. Content mit hoher Reichweite, der die richtige Zielgruppe erreicht, erhöht die Bekanntheit des Unternehmens.
Kundenbindung: Zur Kundenbindung bieten sich vor allem Service- und Supportleistungen über Social-Media-Kanäle an, z. B. Support über Twitter – hier sind natürlich entsprechende Ressourcen erforderlich.

Der nächste Teil unserer Serie „Social Media Strategie für Zeitarbeitsunternehmen“ widmet sich dem Aufbau und den konkreten Inhalten einer Social Media Strategie.

Fazit

Das Image der Zeitarbeitsbranche hat sich zwar in den vergangenen Jahren verbessert, doch existieren der Branche gegenüber noch immer Vorurteile. Die sozialen Medien bieten Zeitarbeitsfirmen die Möglichkeit, mit Vorurteilen aufzuräumen und die Vorzüge der Zeitarbeit zu kommunizieren. Unternehmen können Social Media für verschiedene Maßnahmenziele nutzen, z. B. zur Kundengewinnung, Mitarbeiterbindung oder als Employer Branding Instrument.

Quelle Foto: © oxyburrow / Fotolia


prosoft-Team

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Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

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