Warum Arbeitgeber Sanktionslisten prüfen sollten

Sanktionslisten als Instrument zur Terrorismusbekämpfung

Haben Sie sich als Arbeitgeber schon mal mit Sanktionslisten beschäftigt? Die Listen dienen als Instrument zur Terrorismusbekämpfung, insbesondere zur Unterbindung der Finanzierung von Terrorismus. Sie erhalten Angaben zu Einzelpersonen oder Organisationen (zum Beispiel Terroristen oder Terrororganisationen, Angehörige diktatorischer Regime oder Drogenhändler). Grundlegend sind zwei EG-Verordnungen, welche die Europäische Gemeinschaft auf der Grundlage von UN-Resolutionen erlassen hat. Beide gelten unmittelbar in den EU-Mitgliedstaaten:
Verordnung (EG) Nr. 881/2002 (27. Mai 2002): Die Verordnung beinhaltet Maßnahmen gegen Personen oder Organisationen in Verbindung mit Osama bin Laden, der Taliban und dem Al-Qaida-Netzwerk. Unternehmen dürfen gelisteten Personen, Organisationen und Vereinigungen keine Gelder oder wirtschaftlichen Ressourcen zur Verfügung stellen.
Verordnung (EG) Nr. 2580/2001 (27.Dezember 2001): Die Verordnung richtet sich gegen sonstige terroristische und terrorverdächtige Organisationen und Personen, die nicht in der obenstehenden Verordnung genannt sind. Unternehme ist es untersagt, den gelisteten Personen und Organisationen wirtschaftliche Ressourcen, Gelder und Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen.
Vor regelmäßigen Sanktionslistenprüfungen bleiben Arbeitgeber nicht verschont, wenn sie compliant agieren wollen: Sie dürfen gelisteten Personen keine wirtschaftlichen Ressourcen, Vermögenswerte oder Gelder zur Verfügung stellen – auch nicht mangels besseren Wissens. Dazu gehören etwa Gelder, Waren oder Dienstleistungen im Rahmen von Geschäftsbeziehungen oder Gehälter, die Unternehmen an Mitarbeiter zahlen. Stammdaten von Geschäftskontakten, Bewerbern und Mitarbeitern sollten daher regelmäßig auf Übereinstimmung mit Sanktionslisten überprüft werden. Verstöße gegen die Verordnungen werden hierzulande als Verbrechen behandelt und können mit Freiheitsstrafen oder Geldbußen belegt werden. Hinzu kommen mögliche negative Öffentlichkeitswirkungen im Zuge der Ermittlungsverfahren, die Unternehmen als rechtlich haftbare und öffentlich sichtbare Akteure treffen können.

Sanktionslistenprüfung für Personaldienstleister

Das Thema Compliance ist für Personaldienstleister besonders wichtig, um ihren Kunden gegenüber als verlässlicher Dienstleister aufzutreten und ihr Image als qualitativer Anbieter zu stärken. Sicherheitsorientierte Kundenunternehmen arbeiten langfristig nur mit Anbietern zusammen, die Sanktionslistenprüfungen durchführen bzw. Compliance-Maßnahmen vorweisen können. Die Überwachung der Embargoregelungen kann sich für Unternehmen aus der Personalbranche aus verschiedenen Gründen aufwendig gestalten.
Kontaktvielfalt: Personaldienstleister pflegen zahlreiche Geschäftsbeziehungen zu Kundenunternehmen und beschäftigen Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Hintergründen – bei einer oft hohen Mitarbeiterfluktuation. Dies kann eine nahtlose Überwachung erschweren und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Gefährder übersehen werden.
Hohe Änderungsfrequenz: Sanktionslisten werden im Rahmen von Änderungsverordnungen in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Um immer die neueste Liste zur Hand zu haben, müssten Unternehmen die Daten regelmäßig auf Neuerungen überprüfen. Das kann in einer täglichen Internetrecherche münden.
Uneinheitliches Format: Die Datenstruktur der Antiterrorlisten ist nicht immer einheitlich. Die Listen müssen zum Teil erst in ein brauchbares Format umgewandelt werden.
Qualitätsschwankungen: Sanktionslisten sind über unterschiedliche Quellen verfügbar. Je nach Quelle variiert die Informations- und Datenqualität – der Name eines Verdächtigen kann beispielsweise mit mehreren Alias-Namen ergänzt werden oder nicht. Eine schlechte Informationsqualität birgt das Risiko eines unpräzisen Sanktionslistenabgleichs und einer höheren Fehlerrate.
Kein Download: Sanktionslisten stehen nicht immer als Download zur Verfügung, so dass die Daten entsprechend übertragen oder abgetippt werden müssen.
Zeitaufwand: Der manuelle Abgleich von Stammdaten und gelisteten Personen auf Antiterrorlisten nimmt viel Zeit in Anspruch – insbesondere, wenn die Überprüfung aufgrund der Aktualisierungen regelmäßig stattfinden muss.

Compliance durch automatisierte Verfahren

Arbeitgeber haben die Möglichkeit, die Sanktionslistenprüfung zu automatisieren. Die Softwarelösungen von prosoft bieten einen vollautomatischen Abgleich von Antiterrorlisten: Stammdaten von Bewerbern, Kunden und Ansprechpartnern werden mit gelisteten Personen auf aktuellen Sanktionslisten abgeglichen. Der Übereinstimmungsgrad wird als Prozentzahl angezeigt. Systembenachrichtigungen informieren über erfolge Treffer. Hohe Übereinstimmungen werden dadurch sofort sichtbar und das Unternehmen bleibt im Notfall handlungsfähig anstatt sich unwissentlich Sanktionen und Gefährdern auszuliefern. Wurde die Prüfung per Häkchen aktiviert, erfolgt sie fortan automatisch – auch bei Änderungen der Stammdaten und bei der Neuanlage von Bewerberprofilen. Die Listen werden in einem verarbeitbaren Format zur Verfügung gestellt und durch Updates aktualisiert. Anwender haben die Möglichkeit, sowohl EU- als auch US-Listen durchsuchen zu lassen – zum Beispiel, wenn sie Geschäftsbeziehungen in die USA pflegen. Für den Abgleich können sie einen Mindestwert definieren, so dass alle Ergebnisse ab diesem Wert angezeigt werden: Bei einer Angabe von 50 % werden z. B. alle Treffer mit einer Übereinstimmung von mindestens 50 % gezeigt. Mit der automatisierten Sanktionslistenprüfung können Verleiher Kunden gegenüber nachweisen, dass sie Schutzmaßnahmen vornehmen, um compliant zu agieren. Sie signalisieren ihren Kunden gegenüber Verlässlichkeit und legen eine wichtige Basis für eine langfristig funktionierende Zusammenarbeit.
Mehr Informationen zur Möglichkeit des automatisierten Sanktionslistenabgleichs finden Sie hier.

Fazit

Sanktionslisten dienen als Instrument zur Terrorismusbekämpfung, insbesondere zur Unterbindung der Terrorismusfinanzierung. Mit Blick auf die entsprechenden EG-Verordnungen sollten Unternehmen sicherstellen können, dass sie gelisteten Personen keine wirtschaftlichen Ressourcen, Vermögenswerte oder Gelder zur Verfügung stellen, d. h. ihnen beispielsweise kein Gehalt zahlen und keine Geschäftsbeziehungen zu ihnen unterhalten. Aus verschiedenen Gründen kann die Sanktionslistenprüfung sehr aufwendig sein, z. B. weil Listen unregelmäßig und mit einer hohen Änderungsfrequenz aktualisiert werden. Um den Prozess zu vereinfachen, besteht die Möglichkeit, einen automatisierten Abgleich durchzuführen.

 

Quelle Foto: ©  Syda Productions / Fotolia


prosoft-Team

prosoft-Team

Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>