Saisonarbeit im Weihnachtsgeschäft

Erhöhter Arbeitskräftebedarf

Nach einem äußerst sonnenreichen Sommer mit Maximaltemperaturen nahe 40 °C kühlt es sich langsam ab. Hitzig bleibt wie jedes Jahr das Weihnachtsgeschäft, das dem Einzelhandel hohe Umsätze beschert. Im Winter 2017 bekam dies vor allem die Logistikbranche zu spüren: Laut Bericht der WirtschaftsWoche fehlten im Herbst rund 5.300 Auslieferungsfahrer für Paketsendungen. 13.000 befristete Saisonmitarbeiter suchte der Online-Versandhändler Amazon für seine Logistikzentren. Und auch in vielen Unternehmen aus Handel und Produktion ist der Personalbedarf in saisonalen Spitzenzeiten erhöht. Hinzu kommen die Krankheitswellen, die im Winter anrollen. Nach Angaben des Statistik-Portals statista betrug der Krankenstand von GKV-Mitgliedern im Dezember 2017 5,2 %. Für Stammbeschäftigte gehen Personalengpässe meist mit Mehrarbeit und Überstunden einher. Der Stress wiederum kann das Immunsystem schwächen und Anfälligkeit für Krankheiten erhöhen. Eine Möglichkeit, auf Auftragsspitzen zu reagieren und das Personalkontingent aufzustocken, ist der Einsatz saisonaler Arbeitskräfte und Hilfsarbeiter über Personaldienstleister. Durch den Einsatz flexibel verfügbarer Personalressourcen kann die Stammbelegschaft entlastet werden und das Personal lässt sich bedarfsorientiert aufstocken.

Saisonjobs in Einzelhandel und Logistik

In der Sommersaison finden Saisonarbeitskräfte vor allem Beschäftigung in der Gastronomie, Hotellerie, in Tourismus und Landwirtschaft. Sie arbeiten zum Beispiel als Erntehelfer, Eisverkäufer, Barkeeper oder Kellner. Im Winter zur Zeit des boomenden Weihnachtsgeschäfts suchen Einzelhandel und Logistik vermehrt nach Saisonarbeitern (z. B. als Verkäufer, Kassierer, Helfer auf dem Weihnachtsmarkt oder Auslieferungsfahrer). Für November und Dezember 2017 prognostizierte der der deutsche Einzelhandel laut Handelsverband Deutschland ein Umsatz von 94,5 Milliarden Euro – ein Plus von 3 % im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als ein Viertel des Umsatzanteils wurde in den Wintermonaten durch Spielwaren generiert. Etwas weniger entfiel auf Bücher (24,9 %) und Unterhaltungselektronik (24 %), gefolgt von Uhren/Schmuck (23,4 %) und Kosmetik/Körperpflegemittel (20,2 %). Bekleidung und Wohnmöbel machten knapp ein Fünftel des Umsatzanteils aus. Das Online-Geschäft hat seit 2005 ein kontinuierliches Wachstum erfahren: Betrug der Weihnachtsumsatz online im Jahr 2005 noch 1,6 %, waren es im Vorjahr bereits 12,2 %. In einem Zeitraum von 10 Jahren hat sich der Umsatz fast verfünffacht. Pro Kopf gaben die Deutschen fast 466 Euro für Geschenke aus. Neben Einzelhandel und Logistik bieten auch Gastronomie und Hotellerie Möglichkeiten zur Saisonarbeit, insbesondere in Wintersportgebieten.

Wann ist die Saisonarbeit sozialversicherungsfrei?

Saisonarbeit ist ein befristetes Beschäftigungsverhältnis, um den Personalbedarf in saisonalen Hochphasen decken zu können. Damit die Tätigkeit versicherungs- und beitragsfrei bleibt, darf die Beschäftigung bei einer 5-Tage-Woche nicht länger als drei Monate ausgeführt werden. Bei einem Einsatz von weniger als fünf Tage pro Woche darf die Saisonarbeit höchstens 70 Arbeitstage andauern. Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit nicht berufsmäßig, also zur alleinigen Bestreitung des Lebensunterhalts ausgeübt wird. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn es sich um eine erwerbslose Person handelt. Es muss daher überprüft werden, ob die Person einer anderen Tätigkeit zur Sicherung ihres Lebensunterhalts nachgeht. Zu beachten ist, dass seit dem 1. Januar 2018 eine neue Meldepflicht bei der Anmeldung zur Sozialversicherung herrscht: Der Status „Saisonarbeitnehmer“ ist hierbei gesondert anzugeben.

Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer

Auch bei Beschäftigten aus den EU-Mitgliedstaaten ist zu überprüfen, ob die Person in ihrem Heimatland einer Tätigkeit zur Sicherung ihres Lebensunterhalts nachgeht. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sie in ihrer Heimat als Selbständiger oder Angestellter tätig ist und während ihres bezahlten Urlaubs nach Deutschland reist, um mit der Saisonarbeit ihre Finanzen aufzustocken. Liegt keine Beschäftigung im Heimatland vor, gelten die Vorschriften aus dem deutschen Sozialversicherungsrecht. Andernfalls werden die Rechtsvorschriften aus dem jeweiligen Heimatland angewendet. In diesem Fall ist die Bescheinigung A1 vorzulegen, damit die Sozialabgaben an die Sozialversicherung der Heimat abgeführt werden können. Möchten Arbeitgeber geflüchtete Menschen als Saisonarbeiter einsetzen, ist der Aufenthaltsstatus zu prüfen. Erforderlich für die Beschäftigungsaufnahme sind in der Regel eine Genehmigung der Ausländerbehörde und ggf. auch eine Zustimmung durch die Agentur für Arbeit.

Haben Saisonarbeitskräfte Anspruch auf Urlaub?

Die gesetzlichen Regelungen zum Erholungsurlaub sind im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) verankert. Der Urlaubsanspruch wird gemäß § 4 BUrlG nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben, vorher gilt eine Wartezeit. Kurzfristig beschäftigte Saisonarbeiter fallen unter die Sechsmonatsgrenze. Für sie gilt jedoch ein Teilurlaubsanspruch gemäß § 5 Abs. 1b BUrlG: Für jeden vollen Monat steht ihnen ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu, auch wenn sie vor Erfüllung der Wartezeit aus dem Unternehmen ausscheiden.

Fazit

In saisonalen Hochphasen, z. B. in der Ferien- oder Weihnachtszeit, setzen Unternehmen Saisonarbeitskräfte ein, um ihren Personalbedarf decken zu können. Typische Arbeitsbereiche sind zum Beispiel die Gastronomie und Hotellerie, die Landwirtschaft, Einzelhandel und Logistik (insbesondere während des Weihnachtsgeschäfts). Als kurzfristige Beschäftigung mit einer Dauer von höchstens drei Monaten oder 70 Arbeitstagen ist die Saisonbeschäftigung versicherungs- und beitragsfrei. Dabei ist zu prüfen, ob die Saisonarbeit als alleinige Quelle zur Sicherung des Lebensunterhalts dient (Berufsmäßigkeit). Bei Arbeitskräften aus EU-Mitgliedstaaten muss ebenfalls geprüft werden, ob diese in ihrer Heimat einer Beschäftigung nachgehen, um festzustellen, ob die Vorschriften aus dem deutschen oder ausländischen Sozialversicherungsrecht gelten.

Quelle Foto: ©  eyetronic / Fotolia


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