Oh du stressige: Personalengpässe in der Weihnachtszeit

In der Logistikbranche fehlen tausende Fahrer

Die meisten Erwachsenen wären wohl stoisch genug, nicht in Tränen auszubrechen, wenn das Weihnachtspaket mal nicht pünktlich unterm Tannenbaum liegt. Kinder hingegen sind da nicht so hart gesotten, wenn das heiß ersehnte Präsent fehlt. Was vielleicht auch für die älteren unter uns frustrierend wäre: ein leergefegtes Spekulatiusregal. Keine Dominosteine. Kein Glühwein. Keine Lebkuchen. Um das Weihnachtsgeschäft und die hohe Nachfrage nach Winterartikeln, Konsumgütern und Logistikdienstleistungen zu bedienen, muss genügend Personal vorhanden sein. Schon Ende September titelte das Magazin für digitale Wirtschaft, t3n, dass Paketdiensten das Personal ausgehe. Die Logistikbranche habe tausende Stellen für Auslieferungsfahrer zu besetzen, finde aber nicht genügend Anwärter. Die WirtschaftsWoche berichtet von 5.300 fehlenden Fahrern. In zehn Logistikzentren von Amazon werden derzeit 13.000 befristete Saisonmitarbeiter gesucht. Das lässt befürchten, dass es in der heißen Weihnachtsphase zu erheblichen Engpässen und Überstunden für Stammbeschäftigte in der Logistikbranche kommen kann. Und auch in vielen Unternehmen aus Handel und Produktion ist der Personalbedarf in saisonalen Spitzenzeiten erhöht. Stammmitarbeiter müssen Mehrarbeit leisten und fallen bei zu viel Stress aus. Gerade im Winter haben Unternehmen zusätzlich mit Krankheitswellen zu kämpfen. Eine Möglichkeit, auf Auftragsspitzen zu reagieren und das Personalkontingent aufzustocken, ist der Einsatz saisonaler Arbeitskräfte und Hilfsarbeiter über die Zeitarbeit. Für Unternehmen bietet das Modell Arbeitnehmerüberlassung ein Flexibilisierungsinstrument, mit dem sie Personalengpässe abfangen und Vakanzen bei Bedarf kurzfristig besetzen können. Die schnelle Verfügbarkeit von Personal hat den Vorteil, dass Unternehmen besser auf schwankende Umweltbedingungen wie saisonale Hochphasen oder Unsicherheiten in der wirtschaftlichen Entwicklung reagieren können. Auftragsspitzen lassen sich durch den Einsatz flexibel verfügbarer Personalressourcen besser abfangen und das Unternehmen kann Wachstumsphasen effektiver nutzen. Auch für Stammbeschäftigte hat das Modell Zeitarbeit einen Vorteil: Sie werden durch den Einsatz zusätzlicher Zeitarbeitskräfte entlastet und müssen weniger Überstunden schieben.

Zeitarbeitskräfte als Unterstützung in Hochphasen

Im Dezember 2016 waren laut Arbeitsmarktberichterstattung rund 1,07 Millionen Leiharbeitnehmer bei einem Personaldienstleister oder Zeitarbeitsunternehmen angestellt. Zeitarbeiter verfügen über einen festen Arbeitsvertrag mit dem Verleihunternehmen – inklusive Sozialleistungen, bezahltem Urlaub, sozialer Absicherung und einer Entlohnung zwischen den Aufträgen. Unternehmen, die Leiharbeiter beschäftigen wollen, schließen einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag mit dem Verleiher ab, in dem die Konditionen des Einsatzes geregelt sind, z. B. die konkrete Tätigkeit, die Arbeitszeit im Einsatzunternehmen und der Preis/Stundenverrechnungssatz. Diese Überlassungsvergütung richtet sich nach den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden des Leiharbeitnehmers. Für Unternehmen, bei denen der Leiharbeiter im Einsatz ist, bleibt die Vergütung dadurch transparent. Will ein Logistikdienstleister Saisonkräfte über die Arbeitnehmerüberlassung einsetzen, greift der beauftragte Personaldienstleister auf seinen eigenen Mitarbeiterpool zurück oder übernimmt die Personalrekrutierung: Er erstellt und publiziert Stellenanzeigen, sichtet Bewerbungsunterlagen und führt Bewerbungsgespräche. Dadurch entlastet das Unternehmen die eigene Personalabteilung und reduziert den Rekrutierungsaufwand. Auch der administrative Aufwand für Lohnabrechnungen, Zeiterfassungen etc. entfällt. Ihren eigenen Verwaltungsaufwand reduzieren Personaldienstleister i. d. R. mithilfe spezieller Branchensoftware: Zeitarbeitssoftware bildet die operativen Prozesse des Zeitarbeitsunternehmens ab, um eine standardisierte und effizientere Bearbeitung zu ermöglichen. Dazu gehören u. a. die Verwaltung von Mitarbeiter-, Bewerber- und Kundendaten, die Steuerung von Dispositionsaufgaben mithilfe eines Planungsassistenten und die automatisierte Personalabrechnung.

Welche Vorteile haben Leiharbeitnehmer?

Zuverdienst: Für Beschäftigungssuchende wie beispielsweise Studenten oder Teilzeitkräfte, die über die Weihnachtszeit einen Zuverdienst suchen, bietet die Saisonarbeit eine gute Möglichkeit: Sie werden temporär dort eingesetzt, wo sie dringend gebraucht werden. Oft liegen die vereinbarten Stundenlöhne über dem Mindestlohn.
• Auch für Arbeitssuchende, Berufseinsteiger oder Wiedereinsteiger in die Berufswelt bietet das Modell Zeitarbeit eine Möglichkeit, langfristig in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und Berufserfahrungen zu sammeln: Nach dem Einsatz im Entleihunternehmen endet der das Leiharbeitsverhältnis nicht automatisch. Leiharbeitnehmer verfügen über einen meist unbefristeten Arbeitsvertrag mit einem Zeitarbeitsunternehmen, das diese nach beendetem Einsatz in einem neuen Kundenunternehmen einsetzt. Sie müssen also nicht nach jedem beendeten Einsatz nach einer neuen Tätigkeit suchen.
Klebeeffekt: Für Leiharbeitnehmer und Einsatzunternehmen kann der Einsatz wie eine verlängerte Probezeit fungieren: Bei beidseitiger Übereinstimmung hat das Entleihunternehmen die Möglichkeit, den Leiharbeiter als festen Mitarbeite zu übernehmen – der sogenannte Klebeeffekt.
Equal Pay und Branchenzuschläge: Mit dem neuen Equal-Pay-Grundsatz (AÜG-Reform) erhalten Zeitarbeitskräfte im Regelfall nach 9 Monaten ununterbrochener Beschäftigung im Entleihunternehmen einen gleichwertigen Lohn wie Stammbeschäftigte. Um eine Lohnanpassung der Löhne von Zeitarbeitnehmern und Stammmitarbeitern vorzunehmen, gelten je nach Industriezweig seit 2012 Branchenzuschläge auf den Tariflohn. In Folge von Tariferhöhungen wie z. B. im März 2017 steigen auch die Branchenzuschläge.
Erleichterter Berufswechsel: Durch den Einsatz in verschiedenen Entleihunternehmen sammeln Zeitarbeitskräfte Berufserfahrung und können bei Bedarf Zusatzqualifikationen wie z. B. einen Gabelstaplerschein erwerben. Die Berufserfahrungen und Zusatzqualifikationen können den Berufswechsel erleichtern.

Fazit

Insbesondere in saisonalen Hochphasen wie der bevorstehenden Weihnachtszeit wird deutlich, wie wertvoll Zeitarbeitnehmer für die Bewältigung von Auftragsspitzen und die Überbrückung von Personalengpässen sind. In der Logistikbranche wird der Bedarf an Auslieferungsfahrern schon jetzt spürbar. Aber auch in vielen Unternehmen aus Handel und Produktion ist der Personalbedarf in saisonalen Spitzenzeiten erhöht. Eine Möglichkeit, Personalengpässe abzufangen, ist der Einsatz saisonaler Arbeitskräfte und Hilfsarbeiter über die Zeitarbeit. Unternehmen sparen sich dadurch zusätzlichen Rekrutierungs- und Verwaltungsaufwand und können flexibel auf Personalbedarfe reagieren.

Quelle Foto: Fotolia © dina_asileva


prosoft-Team

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