Digitale Personalgewinnung: Monster Recruiting Studie 2018

Wie bewerten Unternehmen die Digitalisierung im Recruiting?

Ist der Recruiter in Zeiten des E-Recruiting und künstlicher Intelligenz überflüssig? A. I. Recruiter wie Chatbot Mya beantworten Bewerberfragen per Chat selbständig: Mya lernt dank machine learning mit jeder Interaktion dazu: Je häufiger der Bot mit unterschiedlichen Bewerbern interagiert, desto besser passt er seine Antworten an. Matching-Algorithmen treffen eine Vorauswahl an Bewerbern, indem sie Stellenanforderungen von Bewerbern und Kandidatenprofile per Knopfdruck vergleichen. Und Sprachanalyse-Anwendungen werten Sprachmuster von Stellenanwärtern aus, um auf Persönlichkeitsmerkmale zu schließen. Dass solche Entwicklungen den Recruiter ersetzen können, glauben die wenigsten: Etwa 4 % der Recruiter fürchten durch die Digitalisierung ihre Arbeitsstelle zu verlieren – so die Studie Recruiting Trends 2018 von Monster und CHRIS. Im Job-Futuromat der Bundesagentur für Arbeit lässt sich testen, wie einflussreich die digitale Transformation für den eigenen Beruf sein könnte: 38 % der Tätigkeiten eines Recruiters oder 3 der 8 berufscharakteristischen Tätigkeiten können laut Online-Orakel der Bundesagentur bereits heute von Robotern übernommen werden. Das Ergebnis drückt das Substituierbarkeitspotenzial des Berufs aus – die technische Machbarkeit. Diese sagt noch nichts darüber aus, ob tatsächlich eine Automatisierung stattfindet oder sinnvoll ist. Ein Großteil der Unternehmen bewertet die zunehmende Digitalisierung von Aufgaben in der Personalbeschaffung positiv: Drei Vierter der in der Recruiting-Studie befragten Top-1.000-Unternehmen sehen potenzielle Effizienz- und Effektivitätsvorteile.

Digitalisierung in der Personalgewinnung

• Sind Chatbots ein aufkeimender Trend im E-Recruiting? 6 von 10 der befragten Unternehmen in der Monster Recruiting Studie (Digitalisierung der Personalgewinnung) erwarten einen steigenden Einsatz von Bots in der Personalbeschaffung: Chatbots wie Mya beantworten nicht nur die Fragen potenzieller Bewerber, sondern screenen auch die Bewerberqualifikationen. Stellt Mya Defizite fest, weist sie die Kandidaten darauf hin. Der A. I. Recruiter übernimmt diverse Aufgaben in der ersten Kontaktphase im Recruiting-Prozess:
– Mya beantwortet Fragen zum Bewerbungsprozess, zum Unternehmen und zur Jobposition.
– Sie macht Vorschläge zum weiteren Vorgehen und koordiniert Termine für Bewerbungsgespräche.
– Sie erstellt Kandidatenprofile und Rankings.
Die Kommunikation per Bot wünscht sich laut Studie etwa die Hälfte der Bewerber, darunter vor allem Vertreter der Generation Y. In den digitalen Karriereberatern sehen 6 von 10 Kandidaten eine gute Möglichkeit, um Standardfragen zum Unternehmen zu stellen. Etwa die Hälfte schätzt die Unterstützung der Bots zur Information über Vakanzen und Karriereoptionen. Ähnlich sehen es Unternehmen: 66,7 % sehen in den Bots solide Tools für die Beantwortung von Standardfragen. Die Bots als Berater zu Vakanzen und Karrierewegen einzusetzen, findet nur etwas über ein Drittel der Unternehmen sinnvoll. Eingesetzt wird der der Karrierebot von 2,8 % der Unternehmen.
Job-Recommender setzen über 11 % der Unternehmen ein. 6 von 10 Befragten erwarten eine steigende Nutzung der Empfehlungssysteme. Mehr als die Hälfte der Kandidaten nutzt Job-Recommender bereits oder plant deren Verwendung. Das Tool unterstützt potenzielle Bewerber bei der Jobsuche. Durch Abgleich von Stellenanforderungen und Kandidatenprofilen schlägt es passende Vakanzen vor, die der Kandidat bspw. über wöchentliche Job Alerts erhält. XING-Nutzer kennen solche Jobempfehlungen: Das Job-Matching des Karrierenetzwerks schlägt anhand von 4 Kriterien (Entfernung zum Arbeitsort, Karrierestufe, Skills, Aktivitäten) mögliche Stellentreffer vor. Ein Manko: Ein automatisiertes Empfehlungssystem hat Zugriff auf personenbezogene Daten in Online-Profilen, was Fragen zum Datenschutz aufwirft.
Talent-Recommender schlagen Recruitern durch einen Abgleich von Anforderungen und Profilen geeignete Kandidaten vor. Etwa jedes zehnte Unternehmen nutzt solche automatisierten Systeme und mehr als die Hälfte sieht darin eine Möglichkeit, das Active Sourcing zu vereinfachen. 60 % erwarten einen steigenden Einsatz der Talent-Recommender. Das entspricht in etwa der Nachfrage durch Kandidaten: Zwei Drittel wünschen sich eine häufigere Nutzung der Recommender und mehr als die Hälft würde dafür in Kauf nehmen, dass die Systeme auf ihre Profile zugreifen – etwa über Karrierenetzwerke, Lebenslaufdatenbanken oder den unternehmenseigenen Talentpool.
Teilautomatisierte Auswahlsysteme gleichen eingehende Bewerbungen und Stellenanforderungen ab, um eine automatische Vorauswahl von Kandidaten zu erstellen. Fast 6 % der Unternehmen nutzen solche Systeme, etwa 13 % planen deren Einsatz. 70 % der Befragten gehen davon aus, dass die automatische Vorauswahl an Bedeutung gewinnen wird. 40 % bewerten die Systeme als hilfreich für eine Vorselektion von Bewerbern. Mehr als die Hälfte meint, dass die Vorauswahl durch das Tool erleichtert wird und fast drei Viertel erwarten eine Beschleunigung der Bewerbervorauswahl. Ein Matching-Tool ermöglicht nach Meinung von über 66 % der Unternehmen eine diskriminierungsfreie Auswahl anhand objektiver Beurteilungen. Unter den Kandidaten sind es ein Drittel, die eine automatisierte Vorauswahl schätzen. Mehr als die Hälfte sieht einen Vorteil in schnelleren Feedbackmöglichkeiten und rund 44 % glauben an eine diskriminierungsfreie Vorauswahl.

Fazit

Digitale Entwicklungen und die Automatisierung von Prozessen ist ein zweischneidiges Schwert: Neue Technologien können den Arbeitsalltag erleichtern und Aufgaben an Maschinen outsourcen – nicht ohne Risiko, dass sich das Aufgabenfeld verändert und bestimmte Tätigkeiten u. U. wegfallen. In der Personalgewinnung sehen Unternehmen die Digitalisierung vor allem als Chance und Motor. Genutzt werden Systeme wie Talent- und Job-Recommender, Chatbots und teilautomatisierte Auswahlsysteme jedoch bisher von einer geringen Anzahl an Unternehmen. Ein Großteil der Befragten in der Monster Recruiting Studie 2018 geht davon aus, dass die Nutzung zunehmen wird.

Quelle Foto: ©  sdecoret/ Fotolia


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