Mit XING zum Traumjob: Wie gut ist das Job-Matching des Karrierenetzwerks?

Passen wir zusammen? Job-Matching auf 4 Ebenen

Allein in Deutschland verzeichnet das Karrierenetzwerk XING 8,8 Millionen Mitglieder, darunter vor allem Fachkräfte. Aktiv oder latent auf Jobsuche sind nach Angabe des Betreibers 65 % der Nutzer. Über 260.000 Unternehmen präsentieren sich derzeit mit einem Employer Branding Profil auf XING, um als attraktiver Arbeitgeber qualifizierte Talente anzuwerben. Potentiellen Bewerbern bietet der XING-Stellenmarkt zugeschnittene Job-Empfehlungen, die eine möglichst hohe Übereinstimmung an Bewerber- und Arbeitgeberkriterien erzielen sollen. Je genauer das Matching zwischen Stellenanforderungen, Bewerberqualifikation und gegenseitigen Erwartungen, desto besser ist die Passgenauigkeit des Kandidaten. Gematcht wird nach vier Kriterien, die der Algorithmus in seine Berechnung mit einbezieht:

Entfernung zum Arbeitsort: Der aktuelle Arbeitsort wird mit dem Ort des Stellenangebots verglichen. Der Nutzer erhält einen Überblick über die Distanz zum möglichen neuen Arbeitsplatz in Kilometern und einen Hinweis darauf, ob XING-Kontakte in der Region vorhanden sind. Sollten diese Kontakte beispielsweise Erfahrungen mit dem ausschreibenden Unternehmen gemacht haben, kann er sich dort direkte Empfehlungen einholen.
Karrierestufe: Der Algorithmus registriert die aktuelle Karrierestufe bzw. Berufserfahrung und gleicht sie mit den Anforderungen der Stellenanzeige ab. Mögliche Karrierestufen sind „Student/Praktikant“, „Berufseinsteiger“, „Mit Berufserfahrung“, „Manager“, „Direktor“ und „Geschäftsführer“. In seinem Profil kann der XING-Nutzer seine Berufserfahrungen stationsweise angeben.
Skills: Im Matching auf Skill-Ebene vergleicht der Algorithmus die im Profil unter „Ich biete“ angegebenen Qualifikationen des Users mit den Anforderungen in der Stellenanzeige für die ausgeschriebene Vakanz. Nutzer mit einem kostenfreien Basisprofil haben die Möglichkeit, drei Top-Fähigkeiten und weitere Fähigkeiten in ihrer virtuellen Visitenkarte bei XING anzugeben. Anhand dessen kann der Algorithmus erkennen, wie viele der angegebenen und in der Stellenanzeige geforderten Skills übereinstimmen.
Aktivitäten: Der Algorithmus registriert, welche Stelleninserate der Bewerber mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt und richtet seine Job-Empfehlungen danach aus. Zusätzlich überprüft er, welche Stellenanzeigen sich XING-Mitglieder mit einem ähnlichen Profil vermehrt ansehen.

Alle Kriterien zusammengenommen ergeben einen Relevanz-Indikator, der in Prozentangaben anzeigt, wie relevant die Position für den Nutzer sein könnte. Zur Verbesserung des Stellen-Matchings hat der User die Möglichkeit anhand einer 5-Punkte-Skala zu bewerten, ob das Stellenangebot zu ihm passt. Die Bewertungsmöglichkeit reicht von 5 % („Passt überhaupt nicht“) bis zu 100 % („Passt perfekt“). Die subjektive Einschätzung wird mit den Angaben des Algorithmus verglichen, um die Treffgenauigkeit zu verbessern.
Die Stellenempfehlungen sind auch für Nutzer mit einem kostenfreien Basisprofil zugängig: Ein Klick auf die Kategorie „Stellenmarkt“ in der Leiste auf der linken Seite und der XING-Stellenmarkt zeigt in der Kategorie „Übersicht“ Jobs, die den User interessieren könnten. Klickt man auf die Stellenanzeigen, lässt sich unter „Wie gut passt dieser Job zu Ihnen?“ überprüfen, zu welchem Ergebnis der Algorithmus anhand des Kriterienabgleichs gekommen ist. Ganz oben auf der Seite kann sich ein überzeugter Nutzer direkt per Bewerben-Button beim Unternehmen bewerben oder das Stellenangebot in seine Merkliste hinzufügen.

Was bringen die Stellenempfehlungen?

Recruitern bietet das Job-Matching vor allem dann einen Vorteil, wenn es die Bewerberpassgenauigkeit erhöht. Der XING-Algorithmus prüft relevante Kriterien, die im Entscheidungsprozess vieler Bewerber eine Rolle spielen, wie zum Beispiel die Entfernung zum Arbeitsort und das gesuchte Tätigkeitsfeld. Da die Job-Empfehlungen die Suchaktivitäten des Nutzers berücksichtigen, spiegeln sie im Idealfall dessen Interessensschwerpunkte wider. So werden auf der einen Seite die Neigungen des potentiellen Bewerbers mit einbezogen. Auf der anderen Seite werden auch die Anforderungen des Arbeitgebers bzgl. Qualifikationen, Karrierestufe und Skills in der Bewertung berücksichtigt. Für den Bewerber bietet der Matching-Algorithmus die Möglichkeit, seine Eignung für die Stelle mit Blick auf das Wertungsergebnis zu beurteilen. Dies wirkt als Selektionsmechanismus, wenn sich z. B. unpassende Kandidaten mit einem geringen Matching-Ergebnis gegen eine Bewerbung entscheiden. Eignet sich der Kandidat nicht für die Stelle und bewerben sich aufgrund des Matchings passgenaue Kandidaten, erhöht das die Effizienz des Recruiting-Prozesses. Andererseits kann es aber auch sein, dass ein Kandidat trotz geringem Ergebnis für die Stelle geeignet ist und sich von der Wertung abschrecken lässt. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist höher, wenn er in seinem Profil z. B. zu wenig oder nicht die richtigen Schlagworte benutzt hat, so dass das Matching auf Skill-Ebene eine geringe Eignung feststellt. Voraussetzung für die Aussagekraft des Matchings ist also ein vollständig ausgefülltes, aktuelles XING-Profil, das für die Stellenausschreibung relevante Keywords berücksichtigt. Und auch dann nimmt der Algorithmus lediglich eine Grobselektion vor, da zum Beispiel der Cultural Fit des Kandidaten oder weitere Entscheidungskriterien wie Mobilität oder Arbeitszeit nicht in das Matching einbezogen werden. Das ist aber für eine erste Auswahl an Stellenempfehlungen nicht unbedingt erforderlich, da die weiteren Schritte im Bewerbungsverfahren wie das Vorstellungsgespräch oder softwaregestützte Bewerbermatchings eine tiefgreifende Beurteilung ermöglichen.

Es kann natürlich passieren, dass der Algorithmus interessante Stellenangebote nicht in den Jobempfehlungen anzeigt und geeigneten Kandidaten wertvolle Jobchancen entgehen. Verhindern können sie dies, wenn sie sich nicht allein auf die Jobempfehlungen verlassen, sondern aktiv anhand eigner Kriterien suchen. Vorteile haben die Stellenempfehlungen für Recruiter vor allem mit Blick auf latent wechselwillige Kandidaten. Da die Jobvorschläge dank einfacher Bedienoberfläche per Mausklick ersichtlich sind, ist auch die Hürde für passive Kandidaten geringer, aus Neugier einen Blick in die Jobempfehlungen zu werfen. Ist eine überzeugende Stelle dabei, bewerben sich vielleicht auch Kandidaten, die eigentlich nicht aktiv auf Jobsuche waren, sich einen Jobwechsel jedoch vorstellen können. Für Arbeitgeber bietet XING damit die Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und Stellenanzeigen direkt mit ihrem Profil zu verknüpfen.

Fazit

Entfernung zum Arbeitsplatz, Karrierestufe, Skills und Aktivitäten – anhand dieser 4 Kriterien selektiert der XING-Algorithmus Stellenempfehlungen für User. Voraussetzung für ein aussagekräftiges Ergebnis ist ein vollständig ausgefülltes, aktuelles Nutzerprofil mit geeigneten Keywords. Anhand einer Grobselektion wählt der Algorithmus passende Kandidaten für die Stellenempfehlungen aus. Gelingt es, auf diese Weise passgenaue Bewerber zu erreichen, steigert das die Bewerberqualität und Effizient im Recruiting-Prozess. Da die Jobempfehlungen für XING-Nutzer leicht einsehbar sind, erhöht das Unternehmen seine Chance, auch latent wechselwillige Kandidaten zu erreichen, die über die Jobvorschläge auf den potentiellen neuen Arbeitgeber aufmerksam werden. Ein detailliertes Bild über die Passgenauigkeit der Kandidaten liefert der Algorithmus allerdings nicht, da er u. a. zu wenige Kriterien umfasst. Eine umfangreiche Eignungsfeststellung erfolgt im Recruiting-Prozess z. B. über das Vorstellungsgespräch oder spezialisierte Recruiting-Software mit Matching-Tool.


Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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