Zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer finden eine Anstellung

Aktuelle Zahlen zur Folgebeschäftigung

Die Zeitarbeit kann sich für Zeitarbeitskräfte als Sprungbrett in die Arbeitswelt erweisen: Bleibt ein Arbeitnehmer im Einsatzunternehmen „haften“, spricht man vom sogenannten Klebeeffekt. Etwa ein Drittel der Arbeitskräfte findet laut aktueller Studie des Personalunternehmens Orizon im Entleihunternehmen eine Anstellung. Über 2.000 Arbeitnehmer hatte das unabhängige Marktforschungsunternehmen dazu befragt. Seit 2016 sind die Zahlen etwas rückläufig: Wurden damals noch 34 % übernommen, waren es 2017 nur noch 29,7 %. Dieses Jahr liegt die Übernahme durch das Einsatzunternehmen bei 28,9 %. Gestiegen ist hingegen die Anzahl der Leiharbeitnehmer, die eine Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber gefunden haben: Das betrifft 33,1 % der Befragten. 2016 waren es noch 29,2 %, die eine Anstellung gefunden haben, 2017 schon 31,8 %. Eine leichte Tendenz zeigt sich also dahingehend, dass Zeitarbeitskräfte von Drittunternehmen angestellt werden. Der Anteil in Entleih- und Drittunternehmen hält sich jedoch mit jeweils ca. einem Drittel die Waage. Insgesamt fällt die Bilanz für Zeitarbeiter positiv aus: Zwei Drittel finden über die Zeitarbeit eine Anstellung – sei es in ehemaligen Einsatzunternehmen oder bei einem anderen Arbeitgeber. Nur 4,6 % wechselten zu einem anderen Zeitarbeitsunternehmen – 2017 waren es noch 5 %. 6,1 % der Befragten erhielten die Chance, an einer Weiterbildung teilzunehmen und sich somit besser für die Berufswelt zu qualifizieren. Etwa ein Viertel gab an, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein.

Der Klebeeffekt

Die Zeitarbeit ist per definitionem eine temporäre Überlassung von Arbeitnehmern: Die Zeitarbeitskraft arbeitet für einen begrenzten Zeitraum in einem Entleihunternehmen. Für die Wirtschaft ist das Modell Arbeitnehmerüberlassung ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument: Durch den kurzfristigen Einsatz lassen sich Auftragsspitzen decken und Personalengpässe eindämmen. Unternehmen sind dadurch besser in der Lage, bedarfsorientiert auf konjunkturelle und saisonale Schwankungen sowie volatile Auftragslagen zu reagieren. Für die Zeitarbeitnehmer kann das Modell eine Chance darstellen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, etwa nach längeren Phasen der Arbeitslosigkeit oder nach einer langen Auszeit. Berufseinsteigern, Wiedereinsteigern, Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten bietet die Zeitarbeit eine Möglichkeit, zunächst temporär in Arbeit zu kommen, um dann langfristig im Einsatzunternehmen oder in einem Drittunternehmen eine Beschäftigung zu finden. Für Entleihunternehmen und Zeitarbeitnehmer kann der Einsatz über die Zeitarbeitsfirma als verlängerte Probezeit fungieren: Der Entleiher kann die Arbeitsleistung des Mitarbeiters vor Ort beobachten und beurteilen. Die Zeitarbeitskraft erhält einen Einblick in das Kundenunternehmen und dessen Unternehmenskultur. Dadurch kann sie einschätzen, ob sie in das Unternehmen passt und sich dort wohlfühlt. Der Arbeitnehmerüberlassung kommt neben ihrer instrumentellen Funktion für die Wirtschaft in diesem Sinne auch eine arbeitsmarktpolitische Bedeutung zu, die oft übersehen wird.

Rechte von Zeitarbeitnehmern

Im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz sind verschiedene Grundsätze zum Schutz von Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaft kodifiziert. Sie sollen sicherstellen, dass die Leiharbeit ihre Funktion als wirtschaftliches und arbeitsmarktpolitisches Instrument adäquat erfüllt. Wichtige Regelungen sind zum Beispiel:
Höchstüberlassungsdauer: Ein Zeitarbeitnehmer darf demselben Kunden nicht länger als 18 aufeinanderfolgende Monate überlassen werden. Bei Anwendbarkeit eines Tarifvertrags der Einsatzbranche, kann die Höchstüberlassungsdauer unter bestimmten Voraussetzungen abweichen. Eine längere Höchstüberlassungsdauer kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn der Einsatz im Rahmen von Projekten oder von Pflege- oder Elternzeitvertretung die Überlassungsfrist überschreiten würde – ein Kritikpunkt, der von der Branche gegen die Neuregelung vorgebracht wurde.
Drehtürklausel: Mit dem 1. Teil des Änderungsgesetzes wurden sukzessive neue Änderungen eingeführt. Durch den missbräuchlichen Einsatz von Leiharbeitern durch den Ex-Drogeriediscounter Schlecker ist die Drehtürregelung auch als Schleckerklausel bekannt geworden. Zeitarbeitnehmer dürfen nach ihrem Ausscheiden aus einem Betrieb dort nicht innerhalb der nächsten 6 Monate als Zeitarbeiter tätig werden („sale and lease back“). Die Regelung gilt auch für konzernverbundene Unternehmen. Sie soll verhindern, dass ausgeschiedene Arbeitnehmer schlechtergestellt und die im Kundenunternehmen geltenden Tariflöhne durch niedrigere Löhne ausgehebelt werden.
Equal Treatment: Das Equal-Treatment-Prinzip fand bereits im Rahmen der Hartz-Reformen Einzug in das AÜG. Für Zeitarbeitnehmer sollen laut Gleichbehandlungsgrundsatz dieselben wesentlichen Arbeitsbedingungen (Arbeitszeit, Urlaub…) gelten wie für Stammbeschäftigte.
Equal Pay: Mit der AÜG-Reform von 01.04.2017 wurde der Equal-Pay-Grundsatz im Gesetzt verankert. Zeitarbeitskräfte erhalten nach 9 Monaten ununterbrochenem Einsatz im Entleihunternehmen ein gleichwertiges Arbeitsentgelt wie Stammmitarbeiter. Durch Branchenzuschlagstarifverträge besteht die Möglichkeit, von der Frist abzuweichen. Zeitarbeiter müssen in dem Fall spätestens 15 Monate nach der Überlassung ein Arbeitsentgelt erhalten, das mit dem tarifvertraglichen Entgelt vergleichbarer Stammbeschäftigter gleichwertig ist.
Lohnuntergrenze: Zeitarbeitsunternehmen müssen ihren Mitarbeitern ein bestimmtes Bruttoentgelt als Mindeststundenentgelt zahlen. Kontrolliert wird die Einhaltung durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS).
Informationspflicht des Entleihers: Der Entleiher hat den Leiharbeitnehmer gemäß § 13a AÜG über zu besetzende Arbeitsplätze zu informieren.
Informationspflicht zum Tätigwerden als Leiharbeiter: Verleiher müssen ihre Mitarbeiter vor Beginn der Überlassung informieren, dass sie als Leiharbeiter tätig werden (§ 11 Absatz 2 Satz 4 AÜG).
Auskunftsanspruch des Zeitarbeiters: Gemäß § 13 AÜG hat der Leiharbeitnehmer ein Recht auf Auskunft über die für einen vergleichbaren Arbeitnehmer geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen (einschl. Arbeitsentgelt) im Einsatzunternehmen.
Verbot der Kettenüberlassung: Eine Zeitarbeitskraft darf nicht einfach an ein anderes Unternehmen oder Subunternehmen weiterverliehen werden. Die Überlassung ist allgemein nur zulässig, wenn zwischen Leiharbeiter und Verleiher ein Arbeitsverhältnis besteht und Letzterer über eine gültige Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis verfügt.
Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen: Der Entleiher hat dem Zeitarbeitnehmer gemäß § 13b AÜG Zugang zu betrieblichen Gemeinschaftseinrichtungen und -dienstleistungen (z. B. Betriebskita, Gemeinschaftsverpflegung, Beförderungsmittel) zu gewähren, die auch vergleichbaren Stammbeschäftigten im Unternehmen zustehen.

Fazit

Das Modell Arbeitnehmerüberlassung ist zum einen ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument für die Wirtschaft, z. B. zur Abdeckung von Auftragsspitzen. Zum anderen erfüllt es eine arbeitsmarktpolitische Funktion: Der temporäre Einsatz über die Zeitarbeit kann Zeitarbeitnehmern dabei helfen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Laut aktueller Studie des Personalunternehmens Orizon finden etwa zwei Drittel der Zeitarbeitskräfte eine Anstellung im Einsatzunternehmen oder in einem Drittunternehmen.

Quelle Foto: ©  Syda Productions / Fotolia


prosoft-Team

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Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

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