Kennzahlen in der Zeitarbeit nutzen

Die Dos and Don’ts der Kennzahlenverwendung

Wie steht ein Unternehmen im Branchendurchschnitt? Wo schneidet es unter-, wo überdurchschnittlich ab? Und welche Kennzahlen sollten optimiert werden? Die Erhebung, Aufbereitung und Analyse relevanter KPIs eröffnet Möglichkeiten zur Erfolgssteuerung und Rentabilitätsentwicklung. Vorausgesetzt, das Unternehmen stürzt sich nicht gedankenlos in den neuen Big-Data-Trend und legt eine fieberhafte Datensammelwut an den Tag. Kennzahlen können eine hervorragende Möglichkeit darstellen, Wachstum und Rentabilität zu steuern. Dabei gilt: Qualität statt Quantität.
Don’ts:
• Auch wenn Kennzahlen leicht zu erheben sind: möglichst viele KPIs für den Fall der Fälle zu horten, mündet meist in brachliegenden Datenfriedhöfen.
• Kennzahlen ohne Zielbindung bringen keinen relevanten Nutzen.
• Kennzahlen sollten nicht ohne Handlungsintention erhoben werden.
• Ganz ohne Vergleichskennzahlen/Benchmarks leidet die Aussagekraft.
Dos:
• Kennzahlen in Maßnahmen übersetzen: Ist die Kennzahlenerhebung mit einer Handlungsintention verbunden, kann sie auch in der Praxis ihren Nutzen entfalten.
• Zielgebundene Kennzahlen erheben, um Entscheidungen zu fundieren.
• Vergleichskennzahlen einbinden, um die Aussagefähigkeit von Kennzahlen zu erhöhen. Branchenkennzahlen bieten Vergleichsmöglichkeiten mit branchentypischen Werten.
• Qualität statt Quantität: Lieber weniger, dafür aber relevante Kennzahlen als Datenfriedhöfe.

Branchenkennzahlen in der Zeitarbeit

Mit der Lünendonk-Liste 2017 veröffentlichte das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder GmbH dieses Jahr sein Ranking zu den Top 25 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche. Randstad, Adecco und die ManpowerGroup landeten unverändert zum Vorjahr wieder unter den Top 3. Als Anführer der Liste erzielte die Randstad Deutschland GmbH & Co. KG im Jahr 2016 einen Umsatz von 2.087,6 Millionen Euro, beschäftigte 2.600 interne Mitarbeiter und 55.400 Zeitarbeitnehmer. Obwohl die Zahl der Leiharbeitnehmer in Deutschland im Juni 2016 auf ein Allzeithoch kletterte, erwarten Experten für 2018 einen Rückgang von etwa 5,8 %. Damit wären mehr als 57.000 Zeitarbeitnehmer betroffen. Als Grund dafür wird die am 01.04. diesen Jahres in Kraft getretene AÜG-Reform genannt, die mit Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer 2018 erstmals auch in der Praxis ihre Wirkung entfaltet. Vor dem Hintergrund einer möglichen Verschärfung des Wettbewerbs gewinnt die gezielte Erfolgssteuerung und Rentabilitätsentwicklung an Bedeutung. Wichtige Branchenkennzahlen zum Vergleich mit Wettbewerbern sind zum Beispiel:
verkaufte Stunden pro Mitarbeiter: Diese sollten durchschnittlich > 130 Stunden sein
prozentuales Verhältnis von produktiven und unproduktiven Lohnkosten: Das Verhältnis solle einen durchschnittlichen Jahreswert von 80:20 ergeben.
AZK-Stunden pro Mitarbeiter: Die AZK-Stunden sollten 70 nicht unterschreiten.
Krankenquote: Die Krankenquote sollte nicht über 3 % liegen.
Branchenkennzahlen können für eine gezielte Maßnahmenentwicklung und Positionierung gegenüber Wettbewerbern sowie für Erfolgskontrollen genutzt werden.

Kennzahlen in der Kostenrechnung

Für wichtige Kennzahlen zu aktuellen finanziellen Entwicklungen und zur Ertragslage greifen Unternehmen meist auf die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) des Steuerberaters zurück. Ein entsprechendes KPI-Tool ermöglicht eine Kostenrechnung noch vor der BWA. Mit der DB I-Rechnung haben Unternehmen die Möglichkeit, die Zusammensetzung ihres Umsatzes und der direkten Kosten zu beurteilen. Neben der Zusammensetzung ist auch die Umsatzentwicklung interessant, um Ist-Werte regelmäßig zu vergleichen, Standortbewertungen vorzunehmen und das Controlling dabei zu unterstützen, Überschüsse oder Fehlbeträge zu erkennen. Ein wichtiger Indikator für die Unternehmensentwicklung ist die Preisstabilität: Eine sinkende Preisstabilität ist ein Signal für den Wertverfall einer Dienstleistung und sollte analysiert werden. Neben den Kosten sollten Zeitarbeitsunternehmen auch ihre Mitarbeiterentwicklung im Blick behalten – zum Beispiel, wenn sie danach streben, ihre Facharbeiter- gegenüber der Helferquote zu erhöhen oder ihre Quote an Minijobbern zu senken. Austritte sollten im Idealfall mit Angabe der Austrittgründe erfasst werden, um Rückschlüsse zu ziehen (z. B. nachlässige Arbeit in der Disposition, mangelnde Auswahlqualität im Bewerbermanagement) und gezielt zu intervenieren. Behalten Personaldienstleister ihre Übernahmequote im Blick, können sie bei einem sich andeutenden Anstieg rechtzeitig Maßnahmen wie Prämienzahlungen einleiten.

Kennzahlen im Recruiting und Bewerbermanagement

Recruiting-Analytics ermöglichen es, den Erfolg einzelner Recruiting-Aktivitäten zu messen und Optimierungspotenziale im Bewerbungsprozess aufzudecken. Kennzahlen helfen dabei, quantifizierbare Ziele festzusetzen, Ist- und Soll-Zustand zu vergleichen und Entwicklungen im Zeitverlauf messbar zu machen. Konkret kann das Ziel zum Beispiel darin liegen, das Bewerberaufkommen in einer bestimmten Niederlassung zu erhöhen oder die Bewerberqualität für eine Position zu verbessern. Die dafür ergriffenen Maßnahmen lassen sich mithilfe der KPIs auf Erfolg bzw. Zielerreichungsgrad überprüfen. Kennzahlen wie die Anzahl der Bewerbungseingänge oder die Einstellungsquote nach Quelle unterstützen bei der Auswahl erfolgsversprechender Recruiting-Kanäle und erleichtern die zielgruppengerechte Bewerberansprache. Mehr zum Thema Recruiting-Analytics lesen Sie hier.

Kennzahlen im Vertrieb

Im Vertrieb können Kennzahlen dazu genutzt werden, um Vertriebsaktivitäten und -entwicklungen zu beurteilen. Eingesetzt werden die KPIs zur Vertriebskontrolle und Performanceoptimierung. Auswertungen nach Kontaktarten und Vertriebsdisponent können als Grundlage zur Ausgestaltung von Anreiz-/Provisionssystemen oder für Feedbackgespräche und Zielvereinbarungen dienen. Konkrete Kennzahlen sind beispielsweise die Anfragen oder Besuche pro Monat, die geführten Telefonate pro Tag und die Angebote pro Woche. Diese lassen sich nach Vertriebsdisponent aufschlüsseln. Die höhere Performancetransparenz soll dazu beitragen, Vertriebsaktivitäten erfolgsoptimiert zu gestalten.

Fazit

Aussagekräftige Kennzahlen unterstützen Unternehmen bei der Erfolgssteuerung und Rentabilitätsentwicklung. Wichtig ist, dass die Kennzahlen zielgebunden sind und mit einer Handlungsintention einhergehen, also in Maßnahmen übersetzt werden. Dann lassen sich Defizite gezielt verbessern und Optimierungspotenziale ausloten, um Prozesse und Performance zu optimieren. Branchenkennzahlen helfen dabei, die eigene Position im Branchendurchschnitt festzustellen und etwaigen Handlungsbedarf zu erkennen. KPIs können in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommen. In der Zeitarbeit relevant sind vor allem in Kostenrechnung, Recruiting und Vertrieb.

Quelle Foto: fotolia© tumsasedgars


prosoft-Team

prosoft-Team

Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>