Der etwas andere Jahresrückblick: 10 interessante HR-Studien 2017

Was war 2017 in der HR-Landschaft los?

Welche Themen das HR-Wesen 2017 umgetrieben haben, lässt sich auch an der Studienlandschaft erkennen: Fachkräfteengpässe, E-Recruiting und der digitalisierte Arbeitsmarkt gehörten zu den Top-Themen dieses Jahr. Vor allem mit Blick auf 2018 relevant ist das Thema Datenschutz im Umgang mit personenbezogenen Daten: Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung, die das Datenschutzrecht für alle EU-Mitgliedstaaten vereinheitlicht, gilt ab Mai nächsten Jahres. Wir stellen 10 interessante Studien vor, die 2017 für Aufmerksamkeit gesorgt haben.

Fachkräfteengpässe und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung

Im Schnitt bleiben Stellen in deutschen Unternehmen 50 Tage unbesetzt (IAB-Kurzbericht 18/2017). Bei kleinen Unternehmen liegt die Vakanzzeit sogar bei 52 Tagen. In etwa einem Drittel der Fälle brechen Kleinbetriebe ihre Suchprozesse ab und liegen damit über dem Durchschnitt der Suchabbrüche von 19 %. Als Hauptgründe werden zu wenig Bewerbungen (69 %) oder mangelnde Qualifikationen der Kandidaten (50 %) angegeben.

Als Reaktion auf Fachkräfteengpässe und neue Qualifikationsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt 4.0 hat die Bundesregierung bereits 2011 ein Konzept zur Fachkräftesicherung vorgestellt. 2017 erschien der erste Fortschrittsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Erfreulich ist, dass Deutschland alle EU2020-Ziele im Bereich Beschäftigung übertrifft: Die Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen bspw. liegt mit 78,7 % über dem Zielwert von 75 %. Die Frauenerwerbstätigenquote (74,5 %) übersteigt den angestrebten Wert von 73 % und die Zahl der EU-Ausländer mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Deutschland erhöhte sich in nur 3 Jahren um 582.000 (50 %).

Wachsende Bedeutung des mobilen E-Recruitings

7,5 Millionen Stellenanzeigen haben deutsche Unternehmen im Vorjahr online geschaltet: Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „E-Recruiting: Anforderungen und Präferenzen von HR-Professionals“ des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT) und der Universität Bayreuth. Am meisten genutzt wird die Kombination aus klassischen Stellenbörsen und sozialen Netzwerken. Nur 2 von 10 HR-Experten beschränken sich auf einen Plattformtyp: Die meisten entscheiden sich für den Multi-Channel-Vertrieb. 93 % der Befragten wollen im Recruiting aktive und passive Kandidaten erreichen. 70 % beurteilen die Zahl der Bewerbungseingänge als wichtig oder sehr wichtig, 84 % legen die höchste oder hohe Priorität auf die Qualität der eingehenden Bewerbungen.

Fast die Hälfte der Bewerber bevorzugt die mobile gegenüber der traditionellen Bewerbung. Kandidaten schätzen die Schnelligkeit der mobilen Bewerbung: Im Schnitt investieren sie 39,5 Minuten – so die Studie  „Recruiting Trends 2017“ und Bewerbungspraxis 2017“ des Center of Human Resources Information Systems (CHRIS) im Auftrag der Monster Worldwide GmbH. Zum Vergleich: Bewerber, die sich nicht mobil bewerben, benötigen etwa 46,6 Minuten. 6 von 10 Kandidaten wünschen sich spezielle Apps zur Stellensuche – diese bieten weniger als ein Zehntel der Unternehmen an. Fast 7 von 10 Bewerbern empfinden die mobile Bewerbung per Smartphone als zu umständlich. 6,2 % der Kandidaten würden sich gar nicht erst bewerben, wenn das Unternehmen keine mobiloptimierte Bewerbung ermöglicht. Etwa 7 von 10 Unternehmen schreiben dem Thema Mobile Recruiting eine zukünftig steigende Bedeutung zu.

Candidate Journey für eine starke Mitarbeiterbindung

Wie hängen Candidate Journey und Mitarbeiterbindung zusammen? Dieser Frage ging die „Candidate Journey Studie 2017“ von metaHR und stellenanzeigen.de nach. Dafür wurden Teilnehmer mit einer positiven Candidate Experience (Good-Practice-Gruppe) in Hinblick auf ihre Loyalität mit unzufriedenen Kandidaten vergleichen. Eine positive Candidate Journey weist für loyale Mitarbeiter bestimmte Merkmale auf, die Unternehmen gezielt aufgreifen können. Für eine positive Candidate Experience wünscht sich ein Großteil der Bewerber bspw. mehr Details zur Firmenphilosophie, Unternehmenswerten und -kultur sowie präzise formulierte Stellenanforderungen. Im Vorstellungsgespräch zählt vor allem die Wertschätzung (79,3 %). Abzüge gibt es, wenn der Bewerbungsprozess länger dauert als 6 Wochen. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse gibt es hier.

Trends und Herausforderungen in der Talentgewinnung

Die Akquise und Bindung von Talenten gehört laut „Global Recruiting Trends Report 2017“ für 83 % der Unternehmen zu den Top-Prioritäten. 80 % der Befragten gaben an, dass die Stärkung der Arbeitgebermarke einen Erfolgsfaktor im Recruiting darstellt. Allerdings wird nur 8 % des Recruiting-Budgets für Employer Branding Maßnahmen ausgegeben. Der Großteil des Budgets (30 %) fließt in die Publikation von Stellenanzeigen. Die beliebtesten Kanäle zum Aufbau der Employer Brand sind für 61 % die Karriereseite, LinkedIn (55 %), Stellenbörsen (40 %), Facebook (35 %) und Hochschulrecruiting (31 %). Als Herausforderungen sehen die Befragten vor allem den hohen Wettbewerbsdruck (57 %), ein limitiertes Budget (35 %) oder kleine Recruiting-Teams (27 %).

In einer globalen Studie hat das Beratungsunternehmen Mercer untersucht, welche Trends sich weltweit in der Talentgewinnung abzeichnen und was Talente von einem attraktiven Arbeitgeber erwarten. 97 % der Talente wünschen sich stärkere Anerkennung für ihre Beiträge, 56 % wollen flexiblere Arbeitsmöglichkeiten und 53 % einen stärkeren Fokus auf Wellness und Gesundheit (z. B. im Rahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements). Mehr als 8 von 10 Unternehmen haben ihr Performance-Management im vergangenen Jahr überarbeitet. Zur Verbesserung der Talentgewinnung nutzen nur 5 % von ihnen Talent Analytics und nur 7 % Predicitve Analytics.

Die Datenschutz-Praxis verläuft schleppend

44 % der deutschen Unternehmen sind noch nicht ausreichend auf die Datenschutz-Grundverordnung vorbereitet: das befand eine IDC Studie im Oktober 2017. Die Verordnung verpflichtet Datenverarbeiter, die Vorschriften technisch und organisatorisch umzusetzen: Sie müssen Prozesse etablieren, um Betroffenenrechte rechtzeitig erfüllen zu können. Betroffene haben bspw. das Recht auf Auskunft (Verarbeitungszweck, Speicherungsdauer…), auf Korrektur und Löschung ihrer Daten oder Datenübertragbarkeit beim Anbieterwechsel. Als vollständig compliant bezeichnen sich nur 15 % der befragten Organisationen. Einen Datenschutzbeauftragten beschäftigen erst 17 % der Befragten. Laut DSGVO müssen Unternehmen mit Kerntätigkeit in der Datenverarbeitung einen Datenschutzbeauftragten bestellen (Art. 37 Abs. 1 DSGVO).

Die digitale Transformation bewältigen

86 % der Führungskräfte erachten die digitale Transformation als Top-Thema in den nächsten 5 Jahren, so der „HR Report 2017“ des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) im Auftrag des Personaldienstleisters Hays. Als besondere Herausforderung bewerten sie es, Mitarbeiter auf digitale Veränderungen vorzubereiten. Zu den Top 3 Beschäftigungseffekten zählen:
1. die Entstehung neuer Tätigkeitsfelder
2. die Zunahme flexibler Beschäftigungsverhältnisse
3. der zunehmende Ersatz von Routineaufgaben im mittleren Qualifikationsniveau durch Maschinen und Software
Zu den größten Herausforderungen gehört es, die wachsende Komplexität in der Zusammenarbeit zu managen, die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter zu fördern und sie auf Veränderungen vorzubereiten.

Etwa 40 % der Tätigkeiten sind einer Studie der Boston Consulting Group zufolge durch Automatisierung ersetzbar: In den kommenden 3 Jahren werden ca. 1,8 Millionen Beschäftigte betroffen sein, bis 2025 etwa 7,7 Millionen Beschäftigte. Darunter befinden sich vor allem Fachkräfte (60 %). Gleichzeitig steigt der Bedarf an Fachkräften: Bis 2030 werden schätzungsweise 6 Millionen Arbeitskräfte fehlen.

Fazit

Die Studienlandschaft 2017 lässt erahnen, was für HR-Experten in diesem Jahr ganz oben auf der Agenda stand. Themen wie die digitale Transformation und der Arbeitsmarkt 4.0, die anhaltenden Fachkräfteengpässe, mobiles E-Recruiting und Talentgewinnung wurden 2017 viel diskutiert. Für 2018 heißt eine der Herausforderungen: Datenschutz. Am 25. Mai 2018 wird die EU-Datenschutz-Grundverordnung zusammen mit dem neuen Bundesdatenschutzgesetz anwendbar.

Quelle Foto: fotolia© FotolEdhar

 

 


prosoft-Team

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