IAB-Kurzbericht: Aktuelle Recruiting-Situation für KMUs und Großbetriebe

Die meisten Neueinstellungen erfolgen über KMUs

Großbetriebe mit über 250 Beschäftigten generieren die meisten Neueinstellungen? Weit gefehlt: Der Großteil aller Stellenbesetzungen erfolgt durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), so der aktuelle IAB-Kurzbericht. Diese verzeichneten im Vorjahr 2,74 Millionen von insgesamt 3,65 Millionen Neueinstellungen. Erstaunlich ist das nicht, schließlich machen kleine und mittlere Unternehmen 99 % der Betriebe in Deutschland aus – nur 1 % fällt unter die Großbetriebe.
Kleinbetriebe unter 50 Beschäftigten machen 94 % aller deutschen Betriebe aus. Sie beschäftigten 2016 17 Millionen Arbeitnehmer und damit 43 % aller Beschäftigten. 44 % aller Neueinstellungen entfallen auf Kleinbetriebe.
Mittelgroße Betriebe ab 50 Beschäftigten bieten 11 Millionen Menschen in Deutschland einen Arbeitsplatz. Bei ihnen arbeitet fast ein Drittel aller Beschäftigten und sie generieren über ein Drittel aller Neueinstellungen.
Großbetriebe mit ≥ 250 Beschäftigen machen nur 1 % aller deutschen Betriebe aus. Sie beschäftigen mit 12 Millionen Mitarbeitern knapp 1 Millionen Menschen mehr als mittlere Unternehmen, also genau ein Drittel aller Beschäftigten. Dennoch generieren sie mit 24 % der Stellenbesetzungen weniger Neueinstellungen als kleine und mittelgroße Unternehmen. Die Fluktuation ist in kleinen und mittelgroßen Betrieben höher als in großen Unternehmen.
Insgesamt ist zu beobachten, dass die Zahl der Stellen in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenzahl gesunken, so dass weniger Stellenanwärter auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind. Ein Fachkräftemangel jedoch muss nicht zwingendermaßen mit einem Unterangebot an Arbeitskräften einhergehen: Trotz hoher Arbeitslosenquoten ist ein Engpass an Fachkräften möglich, wenn nicht genügend Bewerber mit der richtigen Qualifikation vorhanden sind (Fehlanpassung zwischen Angebot und Nachfrage). Die viel diskutierten Fachkräfteengpässe stellen Unternehmen im Recruiting vor besondere Herausforderungen. Stichworte wie Employer Branding, Recruiting-Analytics und Candidate Experience haben an Bedeutung gewonnen.

Wer stellt die meisten Akademiker ein, wer die meisten Ungelernten?

Je nach Betriebsgröße ändern sich die Qualifikationsanforderungen an Bewerber. Insgesamt beschäftigen alle Betriebe mehr Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung als ungelernte Arbeitskräfte. Mit 61 % ist der Anteil ausgebildeter Arbeitnehmer in kleinen Betrieben am größten, gefolgt von mittelgroßen Betrieben (54 %) und großen Betrieben (41 %). Letztere beschäftigen mit einem Drittel den größten Anteil an Akademikern, die in kleinen und mittleren Betrieben deutlich seltener eine Anstellung finden. Am meisten Ungelernte arbeiten mit fast einem Drittel in mittleren Betrieben, die somit einen größeren Anteil an ungelernten Arbeitskräften beschäftigen als alle Betriebe im Durchschnitt (23 %).

Wie finden Betriebe neue Mitarbeiter?

Die Such- und Besetzungswege unterscheiden sich bei kleinen, mittleren und großen Betrieben. Im Durchschnitt wird bei einer Neueinstellung auf 3,4 Suchwege zurückgegriffen, wobei kleinere Unternehmen mit 2,6 Suchwegen pro Stellenbesetzung weniger Quellen nutzen als große und mittlere mit ca. 4 Suchwegen. Auffällig ist, dass kleine Betriebe am liebsten persönliche Kontakte nutzen, um ihre Vakanzen zu besetzen (62 %). In fast der Hälfte aller Fälle ist dieser Suchweg von Erfolg gekrönt. Auch mittlere Unternehmen greifen zu einem großen Teil (55 %) auf persönliche Kontakte oder Mitarbeiterempfehlungen zurück, besetzen jedoch nur ein Viertel ihrer Stellen über diesen Recruiting-Weg. Große Betriebe nutzen persönliche Kontakte nur zu 37 % und greifen vermehrt auf Internet-Jobbörsen (49 %) und interne Stellenausschreibungen (46 % zurück). Auch mittlere Unternehmen nutzen für über die Hälfte der Neueinstellungen Internet-Jobbörsen, kleine hingegen nur für ein Drittel: Sie nutzen die klassische Print-Anzeige beinahe ebenso häufig wie die Online-Variante. Und auch für große und mittlere Unternehmen bietet das Inserat für ca. ein Drittel der Neueinstellungen eine Suchoption. Der Top-Suchweg für mittlere Unternehmen ist ebenso wie für große die eigene Homepage (71 %) – allerdings werden hierüber nur 12 % bzw. 20 % der Besetzungen generiert: ein Hinweis darauf, dass in der (mobiloptimierten) Gestaltung der Karriereseite noch Optimierungspotenzial besteht. Im Vergleich zur Häufigkeit des genutzten Suchwegs liefern die sozialen Medien eine relativ geringe Ausbeute. Initiativbewerbungen erhalten vor allem mittlere und große Betriebe, kleine Betriebe besetzen mit 6 % etwa halb so viele Stellen durch Initiativbewerbungen wie große und mittlere Betriebe.

Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen geben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung an. Kleinbetriebe brechen in knapp einem Drittel der Fälle ihren Suchprozess erfolglos ab, mittlere Betriebe hingegen nur zu 8 % und große zu 3 %. Damit liegen kleine Betriebe über dem Durchschnitt der Suchabbrüche von 19 %. Sie brauchen auch etwas länger als die durchschnittlichen 50 Tage, um ihre Vakanz zu besetzen. Mittlere Betriebe weisen mit 48 Tagen die geringste Vakanzzeit auf, während große Betriebe im Durchschnitt liegen. Gründe dafür können z. B. darin liegen, dass größere Betriebe meist eine höhere Anzahl qualifizierter Bewerbungen erhalten und einen zeitintensiveren, meist mehrstufigen Auswahlprozess initiieren. Kleinere Betriebe erhalten insgesamt weniger qualifizierte Bewerbungseingänge: 69 % klagen über zu wenig Bewerber oder mangelnde Qualifikationen der Kandidaten (50 %). Beide Aspekte machen auch mittelgroßen Betrieben mehr zu schaffen als großen Unternehmen. In mehr als einem Drittel der Fälle können KMUs die Lohn- und Gehaltsforderungen ihrer Bewerber nicht erfüllen, große Betriebe hingegen nur zu 18 %. Entsprechend sehen sich kleine und mittlere Unternehmen häufiger dazu gezwungen, Kompromisse einzugehen: Zu 17 % bzw. 16 % zahlen sie mehr, als vorgesehen, große Betriebe hingegen nur zu 5 %. Oder sie geben sich mit geringeren Qualifikationen ihrer Bewerber zufrieden, was vor allem in kleinen Betrieben der Fall zu sein scheint (13 %). Große Betriebe sehen sich hierzu nur zu 1 % genötigt. Ähnlich sieht es bei der Berufserfahrung aus: Hier machen 12 % der kleineren Betriebe Abstriche. Große Betriebe sind eher dazu in der Lage, höhere Löhne zu zahlen und attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten. Die Lohnhöhe hängt aber auch davon ab, dass große Unternehmen mehr Akademiker beschäftigen, die tendenziell einen höheren Stundenlohn erhalten. Kleine Betriebe hingegen bieten bei Neueinstellung häufiger einen unbefristeten Vertrag an (66 %) als mittlere und große Betriebe, die meist eine höhere Befristungsdauer ansetzen.

Fazit

Der größte Teil aller Neueinstellungen in Deutschland erfolgt durch kleine und mittlere Unternehmen, die insgesamt den Großteil an allen deutschen Betrieben ausmachen. Bei vielen kleinen Unternehmen werden Vakanzen über persönliche Kontakte besetzt. Kleine Betriebe geben häufiger an, Suchabbrüche zu verzeichnen und Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu haben – u. a. aufgrund der geringeren Einstiegslöhne. Jedoch erhalten neue Mitarbeiter in Kleinbetrieben häufiger einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Quelle Foto: Fotolia © Style-Photography


prosoft-Team

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