Woran erkennen Unternehmen einen guten Personaldienstleister?

Die Dreieckskonstellation in der Zeitarbeit

Über 11.000 Zeitarbeitsunternehmen (statista) existieren allein in Deutschland. Unternehmen, die Auftragsspitzen abfangen oder Personalengpässe überbrücken müssen, können auf eine Zeitarbeitsfirma zurückgreifen. Diese stellt einen Arbeitnehmer aus dem eigenen Arbeitskräftepool, der temporär im Entleihunternehmen beschäftigt ist. Der Arbeitsvertrag besteht zwischen dem Verleihunternehmen/Dienstleister und dem Zeitarbeitnehmer. Das Einsatzunternehmen braucht sich nicht um die Formalitäten des Arbeitsvertrags zu kümmern. Lediglich ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (AÜ-Vertrag) zwischen Ver- und Entleiher wird aufgesetzt, in dem die Konditionen des Einsatzes wie die konkrete Tätigkeit, die Arbeitszeit und der Preis/Stundenverrechnungssatz geregelt sind. Das Einsatzunternehmen verfügt über eine fachliche Weisungsbefugnis und kann dem Arbeitnehmer vor Ort fachliche Anweisungen geben. Für das pünktliche Erscheinen der Leiharbeitnehmers und dessen Zuverlässigkeit ist der Dienstleister verantwortlich.

Welche Vorteile bietet die Arbeitnehmerüberlassung für Unternehmen?

Die Arbeitnehmerüberlassung ist ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument für Arbeitgeber: Der zeitweilige Einsatz eines Zeitarbeiters über das Personal-Leasing bietet Unternehmen die Möglichkeit, auf veränderten Personalbedarf zu reagieren – etwa im Falle von Auftragsspitzen, saisonalen und konjunkturelle Schwankungen. Der Dienstleister bietet eine ad hoc abrufbare Reserve an Personal für einen bedarfsgerechten Personaleinsatz. Vakanzen lassen sich dadurch kurzfristig besetzen und Produktivitätsverluste oder Leerlaufzeiten vermeiden. Durch den flexiblen Personaleinsatz können Unternehmen Wachstumsphasen besser nutzen und Personalengpässen vorbeugen. Indem sie für die erforderliche Deckung des Personalbedarfs sorgen, entlasten sie auch die Stammbelegschaft, die im Fall von Unterbesetzung vermehrt Überstunden leisten muss oder stärker eingespannt ist. Für den temporären Personaleinsatz braucht das Unternehmen keinen Rekrutierungsaufwand betreiben, da der Dienstleister den Mitarbeiter aus seinem Mitarbeiterpool stellt oder die Rekrutierung selbst übernimmt. Viele Verleihunternehmen nutzen dafür spezielle digitale Recruiting-Lösungen für eine erfolgreiche Personalrekrutierung nach dem Anforderungsprofil des Kunden. Das Rekrutierungs- und Arbeitgeberrisiko liegt beim Verleiher. Profitieren können Unternehmen auch von der Transparenz auf Kosten- und Leistungsebene, die der Einsatz von Leiharbeitnehmern ermöglicht: Kosten entstehen für effektiv geleistete Arbeitsstunden und werden mit einem Faktor als vereinbarter Stundensatz verrechnet. Im Krankheitsfall oder während der Feiertage muss das Einsatzunternehmen keine Lohnfortzahlungen leisten. Sollte der Zeitarbeitnehmer erkranken, ist der Dienstleister meist in der Lage, einen Ersatz zu stellen. Der Entleiher kann den Einsatz des Zeitarbeiters auch als eine verlängerte Probezeit nutzen, indem er die Leistung des Mitarbeiters direkt vor Ort einschätzt. Sind beide Parteien mit der Arbeit zufrieden, kann ggf. eine Übernahme eingeleitet werden (Klebeeffekt).

Woran erkennen Unternehmen einen guten Personaldienstleister?

Für Unternehmen, die auf einen Dienstleister zurückgreifen möchten und noch keine Erfahrung mit Zeitarbeitsfirmen gemacht haben, ist die Auswahl eine Herausforderung. Ob eine Firma legal agiert, können Unternehmen leicht herausfinden: Der Verleiher muss über eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis (Lizenz) verfügen. Diese wird für die ersten drei Jahre jeweils auf ein Jahr befristet durch die Agentur für Arbeit erteilt. Nach drei Jahren aufeinanderfolgender Verleihtätigkeit kann die AÜ-Erlaubnis unbefristet ausgestellt werden. Aus bestimmten Gründen kann die Verleiherlaubnis widerrufen werden – zum Beispiel, wenn der Verleiher Auflagen nicht fristgerecht erfüllt. Besteht Zweifel an der Zuverlässigkeit des Antragstellers, kann die Erlaubnis versagt werden. Unternehmen sollten darauf achten, dass der Verleiher über eine gültige AÜ-Erlaubnis verfügt. Rechtmäßig ist die Arbeitnehmerüberlassung nur dann, wenn zwischen Verleihunternehmen und Leiharbeitnehmer eine arbeitsvertragliche Beziehung besteht. Eine Kettenüberlassung ist laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) untersagt. Ein Indiz dafür, dass ein Dienstleister fair agiert und sich an bestimmte Tarifvereinbarungen wie bspw. die Bezahlung nach iGZ-DGB-Tarifwerk hält, ist die Mitgliedschaft in einem der großen Branchenverbände (iGZ, BAP). Die Mitglieder verpflichten sich mit ihrer Mitgliedschaft automatisch dem Ethik-Kodex, binden sich an die Tarifvereinbarungen und garantieren entsprechende Mindestlöhne. Der Kodex beinhaltet verbindliche Standards gegenüber Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit. Die Leitwerte für den Umgang sind Fairness, Zuverlässigkeit, Respekt, Vertrauen und Seriosität. Mit dem Kodex verpflichten sich Unternehmen dazu, alle gesetzlichen Bestimmungen in der Zeitarbeit einzuhalten. Die Kontakt- und Schlichtungsstelle überwacht als unabhängiges Gremium die Einhaltung der Regelungen. Im Falle von Beschwerden wird die Schlichtungsstelle eingeschaltet, um eine Lösung herbeizuführen. Über die Reputation eines Dienstleisters können sich Unternehmen per Internetrecherche informieren. Eine professionelle, aktuelle und seriöse Webpräsenz, die gut zu finden ist, kann ein positives Indiz sein. Im Netz findet man zahlreiche Bewertungen zu einzelnen Verleihunternehmen. Dennoch spiegeln nicht alle Erfahrungsberichte und Bewertungen ein realistisches Bild wider: Oft finden sich im Internet vor allem die Negativstimmen – positive Berichte gehen unter. Nicht alle Bewertungen sind konstruktiv und fair, sondern dienen zum Teil als Instrument, um Frust loszuwerden. Als einziges Entscheidungskriterium ist die Google-Recherche daher weniger geeignet. Schwarze Schafe unter den Dienstleistern, die es wie in jeder Branche gibt, lassen sich über die Suche meist ganz gut ausfindig machen – insbesondere, wenn dubiose Praktiken publik geworden und durch die Presse gegangen sind. Nach ersten Berührpunkten mit der Zeitarbeitsfirma gelingt die Einschätzung besser: Sind die vermittelten Mitarbeiter kompetent? Konnte die Vermittlung schnell und reibungslos eingeleitet werden? Funktioniert die Kommunikation mit dem Verleihunternehmen? Ist der Ansprechpartner zu den Geschäftszeiten erreichbar? Kann der Verleiher Ersatz stellen, wenn das Entleihunternehmen nicht zufrieden ist oder der Mitarbeiter erkrankt ist? Ein Maßstab sind auch Erfolgsgeschichten einer gelungenen Übernahme: Entspricht der Mitarbeiter den Anforderungen des Unternehmens und passt er zur Unternehmenskultur, kann er nach Absprache mit dem Dienstleister übernommen werden.

Fazit

Der Einsatz von Zeitarbeitnehmern ist ein wertvolles Flexibilisierungsinstrument für Unternehmen, um den Personaleinsatz bedarfsgerecht zu steuern. Die eingesetzten Arbeitskräfte können zum Beispiel dabei helfen, Auftragsspitzen abzufedern und Personalengpässe zu überbücken. Um den richtigen Anbieter auszuwählen, können Unternehmen verschiedene Indizien zu Rate ziehen, zum Beispiel die Mitgliedschaft im Branchenverband, das Vorliegen einer AÜ-Erlaubnis und eine gute Reputation.

Quelle Foto: ©  master1305 / Fotolia


prosoft-Team

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