Chancen und Risiken der Gig Economy

Uber, Foodora & Co.

Vom einen Gig zum nächsten düsen und eine Horde kreischender Fans begeistern: Was in der Musikwelt so schön abenteuerlich klingt, hat sich vor allem im US-amerikanischen Raum auch für die Arbeitswelt durchgesetzt: In der sogenannten Gig Economy hangeln sich Freiberufler zwar nicht von Gig zu Gig, aber von Auftrag zu Auftrag: Diese Form des Wirtschaftens mittels plattformbasierter Geschäftsmodelle ist gekennzeichnet durch viele kleinere Aufträge, die meist kurzfristig an Freelancer oder Freiberufler vergeben werden. Vermittelt werden die Aufträge über spezifische Online-Plattformen wie Uber oder TaskRabbit, über die Auftraggeber und -nehmer in Kontakt stehen. Die Rahmenbedingungen werden über die Plattform geregelt, die für die Vermittlung meist eine Provision erhält. Über TaskRabbit können Nutzer aus einer breiten Palette an Reparatur- und Handwerksdienstleistungen wählen: Freiberufliche Arbeitskräfte bieten hier ihren Service auf Abruf an – vom Möbelzusammenbau bis zur Umzugshilfe. Ermöglicht hat das zum großen Teil die Digitalisierung der Arbeitsmärkte mir ihren wachsenden Möglichkeiten zur Arbeits(zeit)flexibilisierung. Herumtragbare Navigationssysteme wie das Smartphones mit GPS-Funktion sind mittlerweile ein wichtiges Hilfsmittel für Lieferservices wie Foodora, Deliveroo & Co., um das Essen zielsicher und pünktlich an der richtigen Haustür abzuliefern: Der Kunde bestellt online, bezahlt per PayPal oder Kreditkarte und der Kurierfahrer liefert das Essen. Die Logistik dafür (Fahrrad, Smartphone) stellt der Fahrradkurier selbst. Per Tracking-Funktion besteht sogar die Möglichkeit, die Route des Kurierfahrers nachzuverfolgen. Ein bekannter Trendsetter der Gig-Economy ist die Vermittlungsplattform Uber: Mit UberX und UberBlack werden Fahrgäste an Mietwagen mit Fahrer vermittelt, bei UberPop an private Pkw-Fahrer und UberTaxi vermittelt Taxen – das alles per Smartphone-App oder über die Website. Die Bezahlung erfolgt bargeldlos per Kreditkarte. Uber kassiert eine Provision von bis zu 20 % des Fahrpreises. Bezahlt wird nach Auftrag, d. h. Gig-basiert. Eine aktuelle PwC-Studie hat 5 Hauptbereiche der Gig-Economy identifiziert:
• Peer-to-Peer-Unterkunft (z. B. Airbnb)
• Peer-to-Peer-Transport (z. B. BlaBlaCar)
• On-Demand-Haushaltsservices (z. B. ShareYourMeal)
• Professionelle-Dienstleistungen On-Demand (z. B. Hopwork)
• Collaborative Finance (z. B. Funding Circle)

Vor- und Nachteile der Gig Economy

Unternehmen, die sich dem Modell der Gig Economy verschrieben haben, profitieren vor allem von höherer Flexibilität im Arbeitskräfteeinsatz und von einer Kostenminimierung: Aufgaben können schnell delegiert und ausgeführt werden, die eingesetzten Arbeitskräfte sind meist günstiger als Festangestellte und das Unternehmen kann Kosten für Büroflächen, Logistik, Benefits etc. sparen. Für die Auftragnehmer ist das Modell ein zweischneidiges Schwert: Ein Anreiz besteht darin, dass man mehr oder weniger sein eigener Boss ist und sich seine Zeit freier einteilen kann. Anstatt eines 9-to-5-Jobs bestimmen die Auftragnehmer selber, wann und wie viel sie arbeiten, was sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken kann. Die Aufträge stellen eine Möglichkeit dar, das eigene Einkommen über den Nebenerwerb aufzustocken. Oft werden dafür keine formalen Qualifikationen vorausgesetzt, so dass die Auftragsarbeit ein Weg in die Arbeitswelt sein kann. Auf der anderen Seite sind die Auftragnehmer in den meisten Fällen nicht fest angestellt und erhalten auch keine Absicherungen durch Krankenversicherung und Altersvorsorge. Ebenso wenig sind Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub oder betriebliche Sozialleistungen üblich. Meist erfolgt die Bezahlung per Gig, so dass Auftragnehmer hierüber kein geregeltes Einkommen erhalten. Sind sie auf die Aufträge angewiesen, um sich finanzieren und ihren Lebensstandard aufrecht erhalten zu können, ist auch der Vorteil der größeren Flexibilität und Freiheit in der Zeiteinteilung pas­sé.

Unterschied zwischen dem Modell Gig-Economy und der Zeitarbeit

Im Unterschied zur klassischen Auftragsarbeit in der Gig-Economy verfügen Zeitarbeitnehmer entgegen landläufiger Meinung über einen festen Arbeitsvertrag: Sie sind bei einem Personaldienstleister oder Zeitarbeitsunternehmen über einen Arbeitsvertrag angestellt. Dieser erhält wie ein regulärer Arbeitsvertrag Regelungen zu Urlaub und Gehalt, Zuschlägen oder zum Verhalten im Krankheitsfall. Wie ein regulärer Arbeitnehmer hat ein Leiharbeitnehmer Anspruch auf Leistungen der Rentenversicherung, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung, auf Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub. Dass zwischen Leiharbeiter und Verleiher ein Arbeitsverhältnis besteht, ist im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) gesetzlich festgeschrieben und Voraussetzung für die Durchführung der Arbeitnehmerüberlassung. Diese ist prinzipiell durch ein Dreipersonenverhältnis zwischen Verleiher (Zeitarbeitsunternehmen, Personaldienstleister), Entleiher und Leiharbeitnehmer gekennzeichnet. Der Leiharbeitnehmer wird in einem begrenzten Zeitraum (Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten mit Möglichkeit zur Abweichung durch Tarifvertrag) in einem Entleihunternehmen zur Arbeitsleistung eingesetzt. Die konkrete Tätigkeit, die Arbeitszeit im Einsatzunternehmen und den Preis/Stundenverrechnungssatz regeln Verleiher und Entleiher im Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (AÜ-Vertrag oder AÜV). Im Oktober 2016 wurde eine Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG-Reform) vom Bundestag verabschiedet, die am 01. April 2017 in Kraft getreten ist. Darin befinden sich u. a. Regelungen zur Überlassungshöchstdauer, zu Equal Pay und Equal Treatment von Leiharbeitnehmern. Wie im Modell der Gig Economy profitieren Unternehmen durch den Einsatz von Leiharbeitnehmern von einer höheren Flexibilität: Sie verfügen über eine ad hoc abrufbare Reserve für einen bedarfsgerechten Personaleinsatz, z. B. in Zeiten schwankender Auftragslagen oder bei Konjunkturschwankungen. Auftragsspitzen lassen sich durch die Flexibilisierung abfangen, Leerlaufzeiten und Produktivitätsverluste verringern und Wachstumsphasen effektiver nutzen. Da der Personaldienstleister die Suche nach geeigneten Arbeitskräften übernimmt, reduziert das Entleihunternehmen seinen Rekrutierungsaufwand und entlastet die eigene Personalabteilung. Auf Kosten- und Leistungsebene besteht hohe Transparenz, da nur für die effektiv geleisteten Arbeitsstunden Kosten entstehen und die Arbeitsleistung im Entleihbetrieb direkt beobachtbar ist. Für Zeitarbeitnehmer bietet das Modell Arbeitnehmerüberlassung den Vorteil, dass sie über einen Arbeitsvertrag fest angestellt sind und Arbeitnehmerrechte wie bezahlten Urlaub genießen. Die Bezahlung erfolgt im Gegensatz zur Bezahlung pro Gig auch dann, wenn sie nicht im Einsatz sind. Außerdem kann die Zeitarbeit den Weg für den Einstieg oder Wiedereinstieg in die Berufswelt nach längerer Pause (z. B. Familien- oder Pflegezeiten) oder für einen Berufswechsel ebnen. Mit dem sogenannten Klebeeffekt besteht die Möglichkeit, dass Zeitarbeitnehmer vom Einsatzunternehmen übernommen werden – der Einsatz fungiert in diesem Falle als eine Art verlängerte Probezeit für Entleihbetrieb und Leiharbeitnehmer.
Durch die Tätigkeit in unterschiedlichen Entleihunternehmen haben Leiharbeitnehmer die Möglichkeit, Berufserfahrung zu sammeln und bei Bedarf Zusatzqualifikationen (z. B. Gabelstaplerschein) zu erwerben.

Fazit

Prekäre Beschäftigung oder flexiblere Arbeitsmöglichkeit? Die Meinungen zur Gig Economy gehen auseinander. Das Geschäftsmodell funktioniert i. d. R. über die plattformbasierte Vermittlung von Auftragnehmer und Auftraggeber gegen Provision. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel Uber oder Deliveroo. Verfechter der Gig Economy sehen die Plattformökonomie als Möglichkeit für eine bessere Work-Life-Balance dank freier Zeiteinteilung und Flexibilisierung. Gegner bemängeln die fehlende Absicherung und das Fehlen eines festen Einkommens.

Quelle Foto: Fotolia © Mangostar


prosoft-Team

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