Das perfekte Büro für Mitarbeiter?

Gesundheitsrisiken durch schlechte Arbeitsumgebung

85 % der Arbeitnehmer sind laut Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos unzufrieden mit ihrer Arbeitsumgebung und können sich nur schlecht konzentrieren. Unzufriedenheit mit der Arbeitsumgebung hat für die befragten Mitarbeiter negative Effekte in vielen Bereichen. Ihre Arbeitsumgebung hindere sie z. B. daran:
• Ideen frei zu kommunizieren (84 %)
• sich entspannt zu fühlen (85 %)
• ohne Unterbrechungen im Team zu arbeiten (87 %)
• sich dem Unternehmen verbunden zu fühlen (84 %)
• sich während des Arbeitstages zu bewegen oder die Arbeitsposition zu wechseln (57 %)
• zu sozialisieren und sich in Ruhe mit Kollegen zu unterhalten (65 %)
Im Schnitt verlieren Mitarbeiter der Studie zufolge 86 Minuten produktiver Arbeitszeit pro Tag aufgrund akustischer Ablenkungen – etwa, wenn sie unfreiwillig die Telefongespräche der Kollegen mithören. Geräuschbelästigung, ständiges Sitzen und künstliches Licht bergen Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer, die sich in einem höheren Krankenstand niederschlagen können. Zusammen mit den Produktivitätsverlusten versursacht eine unpassende Umgebung hohe Kosten für Arbeitgeber und Gesundheitssystem. Leiden etwa 10 bis 20 % Beschäftigte nach längerem Büroaufenthalt an einer Reihe unspezifischer Beschwerden, wird auch von „Sick-Building-Syndrome“ (SBS) gesprochen: Zu den Beschwerden gehören bspw. Kopfschmerzen, juckende Haut, gerötete Augen oder gereizte Schleimhäute. Unklar ist, was genau der Auslöser für das Beschwerdebündel ist. Oft treten die Beschwerden jedoch nach Aufenthalt in klimatisierten Räumen auf. Mögliche Ursachen sind mangelnde Lüftung, Schadstoffe oder Schimmelpilze. Rund 18 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten im Büro. Ein Großteil der Büroangestellten verbringt 8 oder mehr Stunden in Innenräumen. Können Krankschreibungen, Leistungsminderung und Unzufriedenheit durch eine Umgebung minimiert werden, die besser an die physiologischen und psychischen Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst ist?

Versuchskaninchen im eigenen Büro

Die Forscher im US-amerikanischen Well Living Lab gehen in einem 700 qm Hightech-Labor der Frage nach, wie sich verschiedene Arbeitsplatzvariablen auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern auswirken. Das Besondere: Im Experiment werden Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeitsumgebung zu Probanden. Sie stehen unter ständiger Beobachtung der Forscher, die sie per Videoüberwachung in ihrem Arbeitsalltag beobachten. Die Mitarbeiter sind verkabelt und tragen biometrische Armbänder. Darüber messen die Forscher Herzschlag und Hautleitfähigkeit, um den Stresspegel der Probanden einzuschätzen. In der Forschungseinrichtung sind Sensoren angebracht, über die sich die einzelnen Arbeitsplatzvariablen wie Lichtintensität oder Luftfeuchtigkeit messen und auf Monitoren im Kontrollzentrum nachverfolgen lassen. Um zu testen, wie sich verschiedene Einflussgrößen wie Lärm oder Licht auf die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auswirken, wird die Umgebung immer wieder verändert: Die Forscher regeln die Raumtemperatur hoch oder herunter, verändern Lichtintensität, Luftqualität, Geräuschkulisse und sogar die Wände. Mal arbeiten die Mitarbeiter in Einzelbüros, mal in Gruppen- oder Großraumbüros. An manchen Tagen summt der Drucker, das Faxgerät piepst und die Telefone klingeln unablässig. Technische Raffinessen wie tönbare Glasscheiben und programmierbare Rollos ermöglichen es, die Lichtintensität anzupassen. Die Schreibtische sind höhenverstellbar und die Mitarbeiter arbeiten auch mal am Stehtisch, um das permanente Sitzen zu unterbrechen. Selbst die Wände sind verstellbar, um verschiedene Raumkonstellationen zu testen. Dadurch wollen die Wissenschaftler bspw. herausfinden, ob Licht über ein Mittagstief hinweghelfen kann oder ob Stehtische zu ergonomischen Verbesserungen beitragen. Untersucht werden soll vor allem das Zusammenspiel der Variablen. Dazu werten die Forscher große Datenmengen (Big Data) aus und interpretieren diese. Neben den Kontrollwerten fließen auch Daten aus Mitarbeiterbefragungen ein, die die Zufriedenheit der Probanden abfragen.
Mit dem Well Living Lab der Mayo Clinic und der Delos Living LLC wollen die Forscher dazu beitragen, die Arbeitsumgebung für Mitarbeiter zu optimieren. Gesundheit wird dabei gemäß WHO-Definition ganzheitlich verstanden, d. h. nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als Zustand psychischen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens. In Deutschland gehen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP) der Frage nach, wie sich bauphysikalische Eigenschaften wie Licht und Akustik auf den Menschen auswirken. Die Umgebung soll so gestaltet werden, dass sie sich förderlich auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirkt. Im HiPIE-Labor (High Performance Indoor Environment) werden Variablen wie Klima, Akustik und Licht dafür gezielt beeinflusst, z. B. mithilfe einer Beschallungsanlage und einer Tageslichtwand.

Fazit

Menschen verbringen einen Großteil ihres Tages in Innenräumen. Wer Vollzeit im Büro arbeitet, bewegt sich wenig und sitzt längere Zeit am Stück. Die Arbeitsumgebung und der Bewegungsmangel können Auswirkungen auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter haben. Eine permanente Geräuschkulisse und mangelnde Rückzugsräume beispielsweise stören das produktive Arbeiten. Auch andere Arbeitsplatzvariablen wie Lichtintensität und -qualität, Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur können einen Effekt auf Gesundheit und Zufriedenheit haben. Wie sich die Einflussgrößen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirken, untersuchen Forscher im Well Living Lab: Sensoren im Raum messen die einzelnen Variablen, die durch die Wissenschaftler variiert werden können. Dadurch wird das Zusammenspiel der Faktoren untersucht. Mit ihrer Arbeit wollen die Forscher herausfinden, wie Büroräume gesundheits- und produktivitätsförderlich gestaltet werden können.

Quelle Foto: © Photographee.eu/ Fotolia


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