Erfolgreiche Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen

Geflüchtete im Arbeitsmarkt: Chancen und Potentiale

Seit einiger Zeit ist folgendes Szenario exemplarisch für den deutschen Arbeitsmarkt: In den Universitäten platzen die Hörsäle aus allen Nähten, während das Handwerk händeringend auf Nachwuchssuche ist – auch Pflegekräfte, Metaller und Lagerarbeiter sind mittlerweile Mangelware. Der Fachkräfteengpass bringt diese Branchen schon jetzt an ihre Grenzen und in Kombination mit dem demografischen Wandel brauen sich unheilvolle Zukunftsperspektiven zusammen. Denn laut dem Statistischem Bundesamt werden bis zum Jahr 2050 nur noch 65 Millionen Einwohner in Deutschland leben. Die Folgen? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass zirka 400.000 Menschen zuwandern müssen, um den wirtschaftlichen Schaden infolge unserer schrumpfenden Gesellschaft abzufedern. Auf der anderen Seite suchen laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) 500.000 Flüchtlinge in Deutschland nach Arbeit – viele von ihnen sind unter 25. Hier schlummert also ein riesiges Potential, das in der Vergangenheit bereits teilweise aktiviert worden ist: Allein von August 2017 bis Juli 2018 wurden 101.000 Geflüchtete in Jobs vermittelt. Insbesondere die Zeitarbeitsbranche entpuppte sich dabei als gute Einstiegsmöglichkeit. Jeder Dritte Flüchtling (rund 23.300) fand hier Arbeit. Zeitarbeitsfirmen geben Zuwanderern die Chance, erste Erfahrungen in der deutschen Berufswelt zu sammeln, was den späteren Jobeinstieg deutlich vereinfacht. Trotzdem: 187.000 Menschen mit Schutzstatus* sind hierzulande derzeit offiziell als arbeitslos gemeldet. Das liegt mitunter an dem bürokratischen Spießroutenlauf, den Unternehmen bei der Einstellung von Flüchtlingen bewältigen müssen. Welcher Aufenthaltsstatus ist beispielsweise nötig, um in Deutschland arbeiten zu dürfen? Und welche Fördermöglichkeiten stehen Arbeitgebern zu? Im Folgenden sind die wichtigsten Eckpunkte zusammengefasst.

 

*Schutzstatus: Unbeschränkter Arbeitsmarktzugang, Erwerbstätigkeit gestattet.

Unter welchen Bedingungen dürfen Geflüchtete arbeiten?

Die unterschiedlichen Aufenthaltstitel im Überblick:

Aufenthaltstitel: Anerkannte Flüchtlinge (Aufenthaltserlaubnis)
Bedeutung: Der Asylantrag wurde positiv beschieden
Muss die Beschäftigung genehmigt werden? Nein

Aufenthaltstitel: Asylbewerber (Aufenthaltsgestattung)
Bedeutung: Das Verfahren läuft noch
Muss die Beschäftigung genehmigt werden? Ja

Aufenthaltstitel: Geduldete (Duldung)
Bedeutung: Der Asylantrag wurde abgelehnt, die Abschiebung jedoch ausgesetzt (weil die Person zum Beispiel zu krank für die Reise ist oder das Herkunftsland sich weigert, sie zurückzunehmen).
Muss die Beschäftigung genehmigt werden? Ja

Wann dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten?

  • Während der Wartefrist (drei Monate ab Ausstellung des Ankunftsnachweises, der Asylantragsstellung oder ab Erteilung der Duldung)
  • Während der Unterbringung in einer Aufnahmeeinrichtung (höchstens sechs Monate)
  • Wenn sie aus einem sicheren Herkunftsland stammen und der Asylantrag nach dem 31.August 2015 gestellt wurde. Als sichere Herkunftsstaaten gelten: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien.

Mit diesem Dokument können Arbeitgeber eine Genehmigung beantragen.

Hier finden Unternehmen die für sie zuständigen Ausländerbehörden.

Arbeitgeber können sich bei dem regionalen Arbeitgeberservice der BA informieren: 0800 4 5555 20

INFO: Um schnell in Erfahrung zu bringen, ob ein geflüchteter Mensch arbeiten darf, hilft das Aufenthaltsdokument. Darin enthalten sind auch Nebenbestimmungen, hier können Arbeitgeber ablesen, ob ein Geflüchteter arbeiten darf oder nicht.

Die Vermerke lauten:

  • Erwerbstätigkeit gestattet
  • Erwerbstätigkeit nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde gestattet
  • Erwerbstätigkeit nicht gestattet

Welche Fördermöglichkeiten stehen Arbeitgebern zu?

Eines der größten Probleme bei der Arbeitsmarktintegration ist die deutsche Sprache. Viele Flüchtlinge müssen nicht nur Deutsch lernen, sondern auch die lateinische Schrift. An dieser Stelle bietet die Bundesagentur für Arbeit (BA) verschiedene Hilfestellungen und spezielle Programme für Menschen ohne Schulabschluss. Bei Neueinstellungen von Zuwanderern werden Unternehmen grundsätzlich die erste Zeit finanziell unterstützt.

Eingliederungszuschuss: Ob und in welcher Höhe Unternehmen diese Förderung erhalten, entscheidet die Arbeitsagentur vor Ort. Einen Rechtsanspruch auf den Eingliederungszuschuss gibt es nicht, bei einer Bewilligung wird er für maximal zwölf Monate gezahlt. Achtung: Der Antrag muss gestellt werden, bevor der neue Mitarbeiter seine Stelle antritt.

  • Die BA kommt für maximal 50 % des gezahlten Arbeitsentgelts auf

Einstiegsqualifizierung: Wer auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden ist, aber nicht einschätzen kann, ob der Bewerber der Richtige für den Job ist, sollte die Einstiegsqualifizierung nutzen. In sechs- bis zwölfmonatigen Praktika vermittelt sie erste Grundlagen und Arbeitgeber haben die Chance, Bewerber kennenzulernen.

  • Die BA unterstützt mit einem Zuschuss von bis zu 231 Euro monatlich

Assistierte Ausbildung: Einige zugewanderte Auszubildende benötigen zusätzliche Unterstützung in Form von Sprach- und Bildungskursen bis zur Vermittlung von Fachkenntnissen, die im Rahmen der regulären Zeit im Betrieb nicht vermittelbar sind. Für solche Fälle bietet die BA verschiedene Kurse und Maßnahmen an. Arbeitgeber erhalten Unterstützung bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung dieser assistierten Ausbildung. Die Teilnahme kann zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung beginnen, außerdem kann die Maßnahme auch eine vorausgehende Vorbereitungsphase beinhalten, in der das Unternehmen den Azubi kennenlernt.

  • Die BA trägt die Kosten vollständig

Fazit

Während Deutschland händeringend Nachwuchs für den Arbeitsmarkt sucht, wanderten parallel hunderttausende Schutzsuchende in unser Land und mit ihnen die dringend nötige Manpower. Die Lösung der sich anbahnenden Misere liegt damit auf der Hand, ist in dem aktuellen politischen Kontext allerdings schwer umsetzbar. Klar ist, dass eine gelungene Eingliederung und die Integration in den Arbeitsmarkt untrennbar miteinander verknüpft sind. Doch trotz vieler Fördermöglichkeiten ist die Anstellung von ausländischen (Fach-)Kräften nach wie vor ein hochbürokratischer Akt – ein Umstand, den die Politik ändern könnte. Das größte Problem: Die Einstellung von Flüchtlingen, die zwar unter bestimmten Bedingungen arbeiten dürfen, deren Asylverfahren aber noch läuft. Sie müssen trotz Beschäftigung damit rechnen, noch abgeschoben zu werden. Ein großes Risiko nicht nur für die Geflüchteten selbst, sondern auch für Arbeitgeber – ein Thema, das die Industrie- und Handelskammern immer wieder massiv anmahnen. Auf diesen Vorwurf reagierte die Große Koalition Anfang Oktober. In einem Eckpunktepapier zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz heißt es demnach:

„Wir werden im Aufenthaltsrecht klare Kriterien für einen verlässlichen Status Geduldeter definieren, die durch ihre Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt sichern und gut integriert sind.“

Das Gesetz soll Fachkräften aus Staaten außerhalb der EU den Zuzug nach Deutschland erleichtern. Auch abgelehnte, aber geduldete Asylbewerber sollen einen „verlässlichen“ Aufenthaltsstatus erhalten, wenn sie arbeiten. Inwiefern sich die Neuregelung tatsächlich umsetzen lässt und welche Auswirkungen sie hat, bleibt abzuwarten.

Quelle: © Daniel Ernst / Fotolia


Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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