Feelgood-Manager: Wohlbefinden managen?

Das Unternehmen als Wohlfühl-Ort

Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir auf der Arbeit. Unsere Arbeitskollegen sehen wir häufiger als unsere Freunde und Bekannte, manchmal sogar als die Familie. Dass das Arbeitsleben ganz schön zäh sein kann oder einem alles über den Kopf wächst, kennt wahrscheinlich jeder. Im Extremfall machen schlechte Arbeitsbedingungen, Leistungsdruck und Stress sogar krank. Nicht umsonst erlebt der Begriff „Burnout“ mediale Hochkonjunktur. Dennoch: Fast 90 % der Deutschen legen großen Wert darauf, erwerbstätig zu sein, so die „Vermächtnis-Studie“ der ZEIT. Denn Arbeit verleiht unserem Leben Sinn. Sie sorgt für (existenzielle) Sicherheit und die Möglichkeit, Potentiale zu entfalten, zu lernen und uns weiterzubilden. Der Job ist eine Quelle der Selbstverwirklichung und Anerkennung. Jedenfalls im Idealfall.

Wie sehr den Menschen daran gelegen ist, dieses Potential der Arbeit auszuschöpfen, zeigt die CBRE-Studie „Fast Forward 2030“: Wertschätzung, Sinn und Freude an der Arbeit zählen für einen Großteil der Befragten zu den entscheidenden Kriterien eines erfüllten Berufslebens. Tendenz steigend. In Zukunft, so die befragten Experten und Führungskräfte, werden diese Werte immer wichtiger. Genauso wie die Gestaltung eines positiven Arbeitsumfelds, das Burnout, Stress und Überlastung eindämmen soll. Der Arbeitsplatz wird architektonisch und designtechnisch zu einem Wohlfühl-Ort. Anstatt funktionaler Büroatmosphäre entstehen moderne, raumpsychologisch gestaltete Produktivoasen. Die neue Bürokultur bietet Schlaf- und Erholungsräume, Lounge-Ecken, Mitarbeitercafés, Fitnessmöglichkeiten… Alles wilde Zukunftsphantasien? Nicht ganz. Schon heute wird das Wohlfühl-Konzept in Unternehmen umgesetzt. Allen voran in IT-Unternehmen wie Google & Co. Für ein florierendes Betriebsklima sorgt ein eigens dafür eingestellter Feelgood-Manager. Der Wohlfühlmanager trägt dazu bei, eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität erhöht. Angst- und stresserzeugender Leistungsdruck sollen aus der Unternehmenskultur eliminiert werden. Stattdessen herrscht ein wertschätzendes und vertrauensvolles Betriebsklima, das den Arbeitsfluss (Flow) positiv stimuliert. Das bedeutet im Idealfall: produktives, kreatives und effizientes Arbeiten, Selbstverwirklichung und berufliche Erfüllung.

Das leistet ein Feelgood-Manager

Einen Feelgood-Manager als „Bespaßer“ der Belegschaft oder Bemutterungsfigur abzutun, wäre reduktionistisch. Der Wohlfühlmanager erfüllt viele Rollen: Er ist Entertainer und Vermittler, Konfliktmanager und Vertrauensperson, Organisator und Gestalter der Unternehmenskultur. Dementsprechend vielseitig sind auch seine Aufgaben:

Kommunikation verbessern: Eine offene, transparente Kommunikation wirkt verdeckten Konflikten in der Belegschaft entgegen. Kommen solche Konflikte nicht zur Aussprache, verfestigen sie sich schnell. Der Feelgood-Manager ist Ansprechpartner für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Er vermittelt in Konfliktsituationen im Kollegium oder zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern.
Organisation von Gemeinschaftsevents: Gemeinsame Erlebnisse können den Zusammenhalt einer Gruppe festigen. Eine lockere Atmosphäre z. B. bei einem gemeinsamen Kochevent oder einem Spieleabend, trägt dazu bei, die Kollegen von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Der Feelgood-Manager plant solche Teamevents von der Nachmittagssportgruppe über die Weihnachtsfeier bis zum gemeinsamen Skiausflug. Er organisiert Treffpunkte für einen regelmäßigen ungezwungenen Austausch wie Lounge-Ecken oder Mitarbeiter-Cafés. Wichtig: Es handelt sich um Angebote. Erzwungene Teamevents wirken eher kontraproduktiv.
Feedback- und Fehlerkultur etablieren: Feedbackgespräche sind nicht umsonst Teil der Unternehmenskultur. Konstruktive Rückmeldungen zum eigenen Arbeitsverhalten eröffnen Räume für die persönliche Weiterentwicklung. Andere Sichtweisen, die die eigene Perspektive überschreiten, liefern wertvolle Anregungen. Der Feelgood-Manager fördert eine solche Feedbackkultur. Darüber hinaus sorgt er dafür, eine positive Fehlerkultur zu etablieren, die negativen Leistungsdruck verringert. Eine zu große Furcht vor Fehlern lähmt und wirkt proaktivem Verhalten entgegen. Eine Fehlerkultur hingegen erkennt die Notwendigkeit von Fehlern an. Anstatt sie zu verteufeln oder zu verheimlichen geht es vielmehr darum, aus ihnen zu lernen. Fehler bergen immer auch Verbesserungspotentiale.
Arbeitsumfeld und Arbeitsfluss optimieren: Zufriedene Mitarbeiter sind für den Feelgood-Manager das A und O. Um das Arbeitsumfeld mitarbeitergerecht zu gestalten, hat sich z. B. die Methode des „Good Books“ und „Bad Books“ etabliert, in das Mitarbeiter ihr positives und negatives Feedback eintragen. Der Feelgood-Mitarbeiter animiert seine Kollegen dazu, ihre Anliegen oder Verbesserungsvorschläge mit ihm zu teilen und analysiert Mitarbeiterbedürfnisse mit Blick auf deren praktische Umsetzung. Ziel ist es, eine stress- und störungsfreie Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die den Arbeitsfluss verbessert.
Organisation von Lernangeboten: Der Feelgood-Manager fördert die Neugier und Selbstverwirklichungswünsche der Mitarbeiter: Er schafft Möglichkeiten (Lernangebote, Bildungsressourcen…), damit Mitarbeiter ihre Potentiale entfalten und ihren Interessen nachgehen können.

Mitarbeiterbindung und Employer Branding

Viel Wahres steckt in dem vielgepredigten Satz, dass Mitarbeiter die wichtigste Ressource im Unternehmen sind. Wer nicht will, dass Arbeitnehmer vor allem des Gehalts willen arbeiten, schafft Strukturen, die intrinsische Motivation, allen voran die Freude am Arbeiten, fördern. Ein Mitarbeiter, der den Arbeitsplatz als Wohlfühl-Ort empfindet, steht morgens gerne auf. Oder geht zumindest nicht mit Bauchschmerzen zur Arbeit, weil er Stress mit den Kollegen hat oder in Arbeit ertrinkt. Ein Feelgood-Manager ist sinnvoll, wenn er Strukturen schafft, die ein produktives und erfülltes Arbeiten ermöglichen. Ohne entsprechende Unternehmenskultur kann er allerdings nicht viel anrichten. Feelgood-Kultur bedeutet transparente, offene Kommunikation, Zusammenarbeit auf Vertrauensbasis und vor allem Wertschätzung. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, sich einzubringen und Anregungen zu geben. Verbesserungspotenziale werden von allen Seiten angeregt und im Idealfall auch umgesetzt. So entsteht ein gemeinsamer Pool an Ideen für einen modernen, anregenden Arbeitsort. Außerdem machen Mitarbeiter die Erfahrung, Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen und die Arbeitsatmosphäre zu haben (Selbstwirksamkeitserfahrung). Das hat Vorteile für die interne Kommunikation und das Arbeitsklima, für den Kollegenzusammenhalt und die Arbeitsproduktivität, für die gegenseitige Anerkennung und Sinnerfahrung. Mitarbeiter, die sich in ihrem Unternehmen wohl fühlen – und das langfristig – entwickeln eine höhere Unternehmensidentifikation und Loyalität. Feelgood Management ist somit auch ein Instrument zur nachhaltigen Mitarbeiterbindung und Vermeidung von kostenintensiver Fluktuation. Wird das Wohlfühl-Image des Unternehmens klug nach außen kommuniziert, lässt es sich als effektives Mittel des Employer Branding einsetzen. Ein Unternehmen, das aus der Masse heraussticht, steigert seine Chancen im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte.

Fazit

Feelgood Management nutzen nicht nur Unternehmensriesen wie Google & Co. In Deutschland hat sich das Konzept des Wohlfühlmanagers vor allem in Start-up-Unternehmen etabliert. Weil immer mehr Menschen nach Erfüllung und Sinn im Beruf suchen, ist das Konzept zukunftsträchtig. Denn der Feelgood-Manager soll genau das leisten: eine Unternehmenskultur schaffen, in der Mitarbeiter sich wohl fühlen, in der sie produktiver und kreativer arbeiten können, Anregungen und Inspiration finden. Und vor allem: immer ein offenes Ohr für Kritik und Verbesserungsvorschläge.

Quelle Foto: Fotolia © Robert Kneschke


Roland Roos

Roland Roos

Roland Roos ist Personalleiter und damit verantwortlich für alle Prozesse im Personalwesen. Er verfolgt stets aktuelle Themen wie Recruiting, Personalentwicklung & Talent Relationship Management.

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