Entwickler-Recruiting mit Hintergrundwissen: die Stack Overflow Entwicklerumfrage 2017

Entwickler gesucht: der Bewerbermarkt für IT-Kräfte

Kommunikationsskills und die Fähigkeit, Projekte erfolgreich zum Abschluss zu bringen – das sind wichtige Kriterien, auf die Recruiter u. a. bei der Auswahl von Entwicklern achten sollten. Etwas weniger wichtig hingegen ist, welche Universität der Bewerber besucht hat oder welchen Jobtitel er zuvor innehatte. Diese Einschätzungen, die sich aufgrund von positionstypischen Anforderungen sicherlich nicht generalisieren lassen, stammen nicht etwa von Personalverantwortlichen, sondern von Entwicklern. In der aktuellen Stack Overflow Entwicklerumfrage äußern sich über 64.000 User der Entwickler-Community Stack Overflow zu ihrer beruflichen Situation und ihrem Werdegang, 5.221 davon aus Deutschland (Deutschland Report 2017). Ein kurzer Exkurs: Die Online-Community, 2008 von dem Programmierer und Blogger Jeff Atwood gegründet, ist eine fachlich spezialisiertes Frage-Antwort-Portal für Userfragen im Bereich Programmieren, Softwareentwicklung und Programmiersprache. Mit 40 Millionen Besuchern pro Monat und 12 Millionen gestellten Fragen (Stand: September 2016) gehört die Community zu der größten ihrer Art. Die aktuelle Entwicklerumfrage nimmt den Bewerbermarkt für IT-Fachkräfte in den Blick und befragt diese zum Beispiel danach, ob sie derzeit auf Jobsuche sind, was sie verdienen und wie zufrieden sie mit ihrer derzeitigen Stelle sind.

Dass es mit dem Angebot an IT-Fachkräften nicht gerade rosig aussieht, wurde in den vergangenen Jahren vielfach medial thematisiert. In der Berichtserstattung der Bundesagentur für Arbeit („Der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute in Deutschland“) ist von einem Fachkräfteengpass bzw. punktuellem Fachkräftemangel die Rede. Besonders erkennbar sei dieser bei Informatikern und Softwareentwicklern mit Kenntnissen auf dem Niveau eines mindestens vierjährigen Informatikstudiums und IT-Experten. Ein Hinweis dafür, dass sich der Bedarf an IT-Kräften nicht immer problemlos decken lässt, ist die vergleichsweise lange und gestiegene Vakanzzeit. Mit einer Arbeitslosenquote von 3 % (Statistik des Branchenverbands Bitkom), herrscht in der IT-Branche beinahe Vollbeschäftigung. Auch die befragten Entwickler im Deutschlandreport 2017 befinden sich in der Mehrzahl zurzeit in einem Beschäftigungsverhältnis. Etwa ein Fünftel der Befragten arbeitet in Bayern, gefolgt von NRW (17 %) und Baden-Württemberg (15 %), im bevölkerungsschwächeren Bundesland Saarland und in Sachsen-Anhalt liegt die Zahl bei weniger als 1 %. Bezogen auf die Branche arbeitet der Großteil im Bereich Software, gefolgt von Internet- und Online-Services und Automotive. Das Klischee, dass IT eher eine männerdominierte Branche ist, bestätigt sich: 9 von 10 Entwicklern sind männlich. Die Mehrheit der Befragten ist in einem Unternehmen mit 20 bis 500 Mitarbeitern tätig, mehr als die Hälfte arbeitet für ein privates Unternehmen. In einem Start-up hingegen sind nur 6 % beschäftigt.

Formale Ausbildung ist nicht alles

Von allen Befragten haben 77 % mindestens einen Bachelorabschluss. Interessant ist, dass etwa ein Drittel der professionellen Entwickler eine formale Ausbildung für nicht sehr wichtig oder überhaupt nicht wichtig für den beruflichen Erfolg hält. Das kann damit zusammenhängen, dass 93 % der Entwickler sich ihre Kompetenzen zumindest z. T. autodidaktisch angeeignet haben. In ihrer Freizeit programmiert die Hälfte von ihnen als Hobby, ein Drittel beteiligt sich zusätzlich an Open-Source-Projekten. Über Programmier-Skills verfügen außerdem nicht nur Entwickler: Unter den Analysten und Consultants gab über ein Drittel an, hier ebenfalls fit zu sein, bei den Data Scientists sind es 26 %, bei Ausbildern 24,6 % und Designern 11,3 %. Je nach Anforderungsprofil der Stelle kann es sich für Recruiter also lohnen, auch in diesen Bereichen nach Kandidaten zu suchen.

Zeit für einen Jobwechsel?

Auch wenn die Mehrheit der Entwickler in einem Beschäftigungsverhältnis steht, heißt das nicht, dass sie gegen ein attraktives Angebot immun wäre: 59 % der Kandidaten gaben an, zwar nicht auf Jobsuche, aber doch offen für neue berufliche Herausforderungen zu sein. Aktiv auf Suche sind derzeit nur 9 %, das restliche Drittel ist nicht an einer neuen Stelle interessiert. Einen neuen Job hat fast ein Drittel im vergangenen Jahr begonnen, 24 % hingegen sind bereits länger als vier Jahre bei demselben Arbeitgeber beschäftigt. In die Jobsuche investieret die Hälfte der passiven bzw. latent wechselwilligen Kandidaten ein bis zwei Stunden pro Woche, ein Drittel von ihnen sucht jedoch gar nicht. Für Recruiter besteht zum Beispiel die Möglichkeit, diese Kandidaten über Active Sourcing oder Headhunting zu erreichen. Eine etwas unkonventionellere Möglichkeit der Kandidatenansprache bietet Guerilla-Recruiting oder Recruitainment. Die Werbeagentur Uncle Grey aus Dänemark beispielsweise platzierte Stellenanzeigen in einem Online-Spiel, das laut Zielgruppen-Analyse unter ITlern besonders beliebt sein war (weitere Beispiele). Ein vielversprechender Recruiting-Kanal sind Empfehlungen von Freunden, Familienmitgliedern oder ehemaligen Kollegen – hierüber ist ein Viertel der Befragten in der Entwicklerumfrage zu ihrer derzeitigen Beschäftigung gekommen. 23 % wurden über interne und externe Recruiter angesprochen, 17 % sind über eine allgemeine Jobbörse auf die Stellenausschreibung aufmerksam geworden, 14 % über die Unternehmensseite und weitere 14 % durch Mitarbeiterempfehlungen.

Was Entwickler an einer Stelle schätzen

Sind Entwickler mit ihrem Job zufrieden? Auf einer Skala von eins (überhaupt nicht zufrieden) bis zehn (absolut zufrieden) liegt der Wert bei mehr als 80 % der Befragten über fünf, bei knapp 10 % unter fünf. Die Mehrheit ist also eher zufrieden mit ihrem Job. Worauf Entwickler bei der Bewertung einer potentiellen Stelle besonders achten, unterscheidet sich natürlich nach den individuellen Bewertungsmaßstäben. Auf einer Skala von eins (gar nicht wichtig) bis vier (sehr wichtig) scheinen jedoch die fachlichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten mit 3,2 ein wichtiges Kriterium darzustellen, gefolgt von der Programmiersprache und den Technologien, mit denen der Kandidat arbeiten würde, dem Büro, von dem aus er arbeiten würde und dem Gehalt und Zusatzleistungen. Was das Gehalt angeht, fühlt sich etwa die Hälfte der Befragten etwas unterbezahlt, darunter vor allem diejenigen, die in staatlichen Einrichtungen oder NGOs beschäftigt sind. Ein Drittel der Befragten gab an, weder unter- noch überbezahlt zu sein und knapp 5 % halten sich sogar für überbezahlt. In puncto Zusatzleistungen achten 62 % der befragten Entwickler vor allem auf die Anzahl der Urlaubstage, etwas mehr als die Hälfte auf die wöchentliche Stundenzahl und knapp die Hälfte auf Homeoffice-Möglichkeiten. Faktisch arbeiten jedoch vier von zehn nie und 35 % nur einige Tage im Monat von zuhause aus – deutlich weniger als Entwickler in Frankreich, Großbritannien und den USA.

Fazit

Den Bewerbermarkt für Entwickler zu kennen und die Zielgruppe hinsichtlich ihrer Skills, Anforderungen und Neigungen einschätzen zu können, kann für Recruiter von Vorteil sein. Die aktuelle Stack Overflow Entwicklerumfrage untersucht im Deutschland Report 2017 die Situation von Entwicklern auf dem Bewerbermarkt, ihren beruflichen Werdegang und ihre Erwartungen an eine Stelle, die sie zufrieden stellt.

Quelle Foto: Fotolia © REDPIXEL


Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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