Impulse für Arbeitgeber: E-Recruiting-Experte spricht über aktuelle Herausforderungen

Fachkräftemangel, Digitalisierung und demografischer Wandel: Diese Begriffe kursieren unentwegt in den Medien. Finden Sie, dass es zu einer begrifflichen Inflation gekommen ist?
Ja und Nein: Die Schlagworte werden häufig angeführt, zum Teil sehr schwarzmalerisch. Wenn es um konstruktive Lösungsvorschläge und nicht nur um mediale Panikmache geht, finde ich die Begriffe angemessen. Zahlen und Fakten können erste Tendenzen anzeigen, für die es eine Lösung zu suchen gilt. Fakt ist, dass der demografische Wandel trotz Zuwanderung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung führt. Die Geburtenrate liegt schon seit Anfang der 70er Jahre unter der Mortalitätsrate – man spricht von einem Geburtendefizit. Bis 2060 prognostiziert das Statistische Bundesamt einen Rückgang der Erwerbsfähigen um etwa ein Zehntel auf 51 %. Die Zahl der unter 20-Jährigen wir voraussichtlich auf 16 % absinken.

Was bedeutet das für Unternehmen?
Arbeitgeber stehen schon heute vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Die Vakanzzeit liegt laut Angaben des IAB Kurzberichts bei durchschnittlich 50 Tagen. Für Unternehmen entstehen durch die unbesetzte Stelle Opportunitätskosten. Und auch die Rekrutierung neuer Mitarbeiter ist kosten- und zeitintensiv. Sollten sich die Fachkräfteengpässe verschärfen, brauchen wir dringend neue Lösungsansätze zur Beschäftigungssicherung. Die Bundesregierung hat dazu bereits 2011 ein Konzept vorgelegt, das 2017 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in einem Fortschrittsbericht evaluiert wurde. Für Arbeitgeber bieten neue Lösungen im E-Recruiting eine Möglichkeit, ihr Bewerbermanagement zu optimieren und die Time-to-Hire zu verkürzen. Wichtig ist auch, ältere Arbeitnehmer besser zu fördern und zu integrieren – Stichwort „lebenslanges Lernen“. Unternehmen brauchen Konzepte für das Nachwuchsmanagement, um insbesondere Schlüsselpositionen verlässlich nachbesetzen zu können.

Wie können Recruiting-Lösungen zu einer kürzeren Time-to-Hire beitragen?
Eine Recruiting-Software macht Bewerberdaten zentral abrufbar und vereinfacht die Teamkollaboration: Recruiter können mit einer mobilen Lösung flexibel auf die Daten zugreifen und neue Bewerbungen zügig bearbeiten. Kommunikationswege werden verkürzt und Prozesse vereinfacht. Das wirkt sich positiv auf die Feedbackzeiten aus. Eine qualitative Software bietet zum einen Funktionen zur digitalen Abwicklung des Bewerbungsprozesses, zum Beispiel die Möglichkeit zur Gestaltung von Stellenanzeigen und Bewerberformularen. Zum anderen verfügt sie über Features zur nachhaltigen Optimierung des Prozesses wie KPIs und Reporting-Funktionen oder ein Bewerbermatching.

Was macht eine gute Bewerbermanagement-Software sonst noch aus?
Die Software sollte Prozesse durch den erforderlichen Grad an Standardisierung und Automatisierung vereinfachen. Gleichzeitig sollte sie genügend Konfigurationsfreiheit für Anwender bieten, um individuelle Gestaltungsspielräume zu lassen. Ein Beispiel aus unserer Recruiting-Software prosoftrecruiting© ist das Bewerbermatching. Der Matching-Algorithmus vergleich Stellenanforderungen und Bewerber nach ausgewählten Kriterien: Recruiter geben an, welche Kompetenzen ein Kandidat mitbringen sollte. Stellenrelevante Skills wählen sie aus dem Kompetenzkatalog der Bundesagentur für Arbeit oder definieren eigene Kompetenzen. Einbeziehen lassen sich auch mittels CV-Parsing ausgelesene Skills. Die Skilldatenbank ist enorm und der Algorithmus lernt dank Machine Learning kontinuierlich dazu. Für ein präzises Matching nach eigenen Vorstellungen können Anwender die Kriterien per Ampelsystem gewichten und neben Skills weitere Anforderungen aufnehmen, zum Beispiel Mobilität und Schichtbereitschaft. Uns ist es wichtig, dass unsere Softwarelösungen diesen schwierigen Spagat zwischen Automatisierungs- und Customizing-Anforderungen optimal gewährleisten.

Wie haben Sie diesen Anspruch umgesetzt?
Wir setzen ihn immer wieder um: Unsere Softwarelösungen werden kontinuierlich weiterentwickelt und an aktuelle Branchenentwicklungen angepasst. Unsere Zeitarbeitssoftware Office® beispielsweise haben wir als einer der ersten Anbieter mit neuen Funktionen zur AÜG-Reform ausgestattet: Mit der AÜG-Novellierung vom 01.04.2017 sind neue Praxisanforderung hinzugekommen, die unsere Kunden mit Office® softwaregestützt umsetzen können, etwa die Fristberechnung für Equal Pay und die Höchstüberlassungsdauer. Bei unserer Bewerbermanagement-Software prosoftrecruiting© haben wir von Anfang an auf einen agilen Entwicklungsprozess gesetzt: Unsere Kunden haben wir in den Prozess mit einbezogen, indem wir ihr Feedback konstruktiv umgesetzt haben. Unser Ziel war und bleibt es, die Software optimal auf die Anforderungen der Anwender abzustimmen: von der Usability über die Konzeption der Funktionen bis hin zu aktuellen Updates.

Ein aktuelles Thema ist auch die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die seit dem 25.05.2018 für alle geschäftsmäßigen Verarbeiter personenbezogener Daten anzuwenden ist. Haben Sie auch hier Anpassungen vorgenommen?
Selbstverständlich: Die DSGVO stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Unsere Softwarelösungen bieten spezielle Datenschutzeinstellungen, zum Beispiel zum Datum und Gegenstand der Einwilligung zur Datenverarbeitung. Einwilligen können Bewerber zum Beispiel per Online-Bewerbungsformular oder über einen E-Mail-Link zu den Datenschutzbestimmungen. Über ein integriertes Löschsystem werden Anwender an alle Kandidaten erinnert, die binnen 14 Tagen zu löschen sind. Sie können also rechtzeitig eingreifen, indem sie zum Beispiel eine Einwilligung für eine längere Datenspeicherung einholen. Das Thema Compliance ist aber nicht nur hinsichtlich der DSGVO wichtig: Recruiter und Verleihunternehmen müssen sicherstellen, dass sie Gefährder nicht finanziell unterstützen. Die EU und die USA stellen Sanktionslisten als Instrument zur Terrorismusbekämpfung zur Verfügung. Die gelisteten Personen sind regelmäßig mit Stammdaten abzugleichen, um compliant zu agieren. Es gibt sogar Entleiher, die hierfür eine Bestätigung fordern. Unsere Softwarelösungen bieten einen vollautomatischen Abgleich von Antiterrorlisten: Profildaten werden automatisch mit Daten auf Sanktionslisten abgeglichen, um potenzielle Gefährder zu identifizieren.

Vielen Dank Herr Hölscher für das Gespräch!
Sehr gern. Wer Fragen oder Anregungen zu unseren Softwarelösungen hat, kann uns gerne in einem eigenen Interview ausquetschen. 😉
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Quelle Foto: © Jürgen Nobel, prosoft


prosoft-Team

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