Sind Unternehmen auf die Digitalisierung vorbereitet?

Wo sehen sich Unternehmen in Sachen Digitalisierung?

  • Die Schulnote 3,3 würden Führungskräften aus Großunternehmen dem deutschen Wirtschaftsstandort in Sachen Digitalisierung geben: So die etventure-Studie Digitale Transformation 2018. In der Studie wurden rund 2.000 Entscheidungsträger aus Deutschland zum Thema digitale Transformation befragt. Ein großer Teil der Unternehmen sieht sich selbst in puncto Digitalisierung mittlerweile solide aufgestellt: 42 % geben an, sehr gut bis gut auf die digitale Zukunft vorbereitet zu sein. 44 % würden sich immerhin die Note befriedigend geben. Als ausreichend oder mangelhaft stufen sich lediglich 13 % ein – das sind immerhin 3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Unternehmen zählt das Thema Digitalisierung zu den Top 3 Angelegenheiten, für ein Drittel fällt es zumindest unter die Top 10. Als nicht oder kaum relevant stufen das Thema nur 11 % der Befragten ein. In den meisten Großunternehmen ist die digitale Transformation Chefsache: 68 % verorten das Thema laut Studie beim CEO oder im Vorstands-/Geschäftsführungsbereich. 15 % sehen die Digitalisierung beim Chief Digital Officer: Der CDO plant, steuert und organisiert die digitale Transformation, zum Beispiel, indem er eine Digitalisierungsstrategie aufsetzt. Seit 2016 hat sich die Zahl der CDOs in der DACH-Region von 120 auf 320 erhöht, so die Chief Digital Officer Studie 2018 der Quadriga Hochschule Berlin.

Welche Erfolge und Hemmnisse treten auf?

Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen für Unternehmen, zum Beispiel zur Effizienzsteigerung von Prozessen, zur Kostenreduktion und Erschließung neuer Kundengruppen. Knapp drei Viertel der Befragten ist es laut etventure-Studie bereits gelungen, neue Technologien zu nutzen. Etwa 70 % konnten dank gelungener Digitalisierungsaktivitäten ihre Kosten reduzieren. Ebenfalls 70 % waren darin erfolgreich, digitale Kompetenzen aufzubauen. Etwa die Hälfte der Unternehmen hat sich einen Zugang zu neuen Kundengruppen erschließen können. Eine Umsatzsteigerung ist erst bei knapp einem Drittel erfolgt. 59 % meinen, dass sie ihren Umsatz in den kommenden 3 Jahren auch ohne Digitalisierungsmaßnahmen halten können. Nur 8 % glauben, dass sich die Maßnahmen innerhalb eines Jahres in den Umsätzen zeigen. Die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle ist 45 % der Unternehmen gelungen. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass nur rund ein Fünftel der Befragten davon ausgeht, die Digitalisierung habe einen starken Einfluss auf das Geschäftsmodell. Dass die Branche hingegen in hohem Maße beeinflusst wird, meint fast die Hälfte.
Eines der größten Hemmnisse der Digitalisierung ist laut etventure-Studie das Festhalten an bestehenden Strukturen: Das gilt für 58 % der befragten Unternehmen. Auf dem zweiten Platz folgen mangelnde Erfahrungen (51 %) und blockierende Sicherheitsanforderungen (48 %). Einigen Unternehmen fehlt schlicht die Zeit, um sich ausführlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Erschwert wird der Prozess, wenn viele Entscheidungsebenen involviert und komplizierte Abstimmungsprozesse erforderlich sind. Für einige Unternehmen werden sicherlich auch die hohen Kosten bzw. der Investitionsbedarf ein Problem darstellen.

Was verstehen Unternehmen unter dem Begriff Digitalisierung?

Der Begriff Digitalisierung ist medial allgegenwärtig: Er wird in zahlreichen Kontexten verwendet und gedeutet. Eine einheitliche Definition existiert nicht, vielmehr färben verschiedene Akteure den Begriff häufig unterschiedlich ein. Allgemein beschreibt das Konzept die wachsende Nutzung digitaler Geräte und die damit einhergehenden Veränderungen von Prozessen in Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft. Die digitale Transformation verweise auf Veränderungsprozesse, die durch digitale Technologien entstehen. Die Digital Business Transformation beeinflusst Prozesse im Unternehmen, Unternehmensstruktur und -kultur, Kundenbeziehungen, Wertschöpfungsprozesse und Geschäftsmodelle. Die in der etventure-Studie befragten Unternehmen sehen in den Entwicklungen vor allem eine Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Prozessen (55 %). Für ein Drittel steht die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen im Fokus. 12 % sehen in der Digitalisierung laut Studie primär eine Optimierung ihres IT-Systems.

Digitalisierung im Recruiting

Im HR-Bereich bieten digitale Technologien neue Möglichkeiten, um aktuelle Probleme wie Fachkräfteengpässe und Rekrutierungsdruck anzugehen, z. B. mit E-Recruiting-Lösungen für die Personalrekrutierung: Bewerbermanagement-Systeme standardisieren den Bewerbungsprozess und ermöglichen eine zentralisierte Kommunikation und Kollaboration zwischen Entscheidern. Abstimmungs- und Kommunikationswege lassen sich dadurch verkürzen, um den Feedbackprozess und die Time-to-Hire zu optimieren. Im Bewerbermanagement-System können Aufgaben zentral bearbeitet und überblickt werden. Bewerbungseingänge werden in das System übernommen und Bewerberdaten in Bewerberprofile eingespeist. Dies erfolgt entweder manuell oder mithilfe eines CV-Parsers: Ein Parser liest die Lebenslaufdaten des Bewerbers aus und überträgt sie in das System sowie in die vorgesehenen Datenfelder der Online-Bewerbung. Personalabteilung und Bewerber sparen dadurch Zeit gegenüber der manuellen Dateneingabe. Je nach Programmierung verfügt die Software über Direktaktionen: Anwender können bestimmte Operationen per Mausklick ausführen, z. B. das Versenden von Wartebriefen an wartende Bewerber. Auch die Erstellung von Stellenanzeigen im eigenen CI kann über die Software möglich sein. Enthält sie eine Multiposting-Funktion können Anwender die Stellenanzeige in mehreren Stellenportalen gleichzeitig veröffentlichen, ohne sie separat hochladen und pflegen zu müssen. Dadurch profitieren sie von einer Zeitersparnis und maximieren ihre Bewerberreichweite.

Fazit

Die Digitalisierung bietet Unternehmen Chancen wie die Steigerung von Effizienz, Kostenminimierung, die Erschließung neuer Kundenkreise und Märkte. Etwa die Hälfte der Unternehmen fühlt sich laut einer aktuellen Studie gut auf die digitale Transformation vorbereitet. Dennoch treten Hemmnisse auf wie beispielsweise das Festhalten an alten Strukturen und fehlendes Know-how.

Quelle Foto: ©  foxyburrow / Fotolia


Farid Jammali

Farid Jammali

Farid Jammali ist Marketingleiter und versteht sich in der Vermarktung komplexer Softwarelösungen über alle Marketing-Kanäle hinweg.

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