Dienstleistungen im Personalbereich: Welche Möglichkeiten gibt es?

Aktuelle Zahlen zur Dienstleistungsbranche

Der Dienstleistungssektor hat einen großen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung: Rund drei Viertel (statista) der Arbeitnehmer sind in der Dienstleistungsbranche beschäftigt. In Deutschland kommen auf 1.000 Einwohner laut statista knapp 265 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bereich Dienstleistungen. Die höchste Dienstleistungsdichte herrscht in Hamburg mit 433 Beschäftigten auf 1.000 Einwohnern. Bereits seit den 1970er Jahren vollzieht sich ein Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft: Es kommt zu einem Beschäftigungsanstieg in der Dienstleistungsbranche. Im 1. Quartal 2018 erreichten sowohl der Umsatz als auch die Beschäftigung im Dienstleistungsbereich laut Angaben des Statistischen Bundesamts einen Höchststand: Die Umsätze ausgewählter Bereiche lagen im Vergleich zum 1. Quartal 2017 um 5,2 % höher. Einen besonderen Anstieg verzeichnete der Bereich Reisebüros, Reiseveranstalter und sonstige Reservierungen mit einem Plus von 17,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Beschäftigtenzahlen stiegen mit Blick auf das Vorjahresquartal um 2,9 % – ein Plus von 0,6 % gegenüber dem Vorquartal.
Die Personaldienstleistungsbranche spielt aufgrund verschiedener Faktoren eine wichtige Rolle: In einem Land mit einer derzeit starken Konjunktur und nahezu Vollbeschäftigung bei gleichzeitigen Fachkräfteengpässen wird die Personalrekrutierung zu Herausforderung. In einigen Berufen herrschen regionale, in anderen sogar bundesweite Engpässe, zum Beispiel für Fachkräfte im Bereich Fahrzeug-, Luft- und Schiffbautechnik, Elektro- und Energietechnik, Tiefbau, Ver- und Entsorgung oder Altenpflege (Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit). Spezialisten und Experten fehlen u. a. in den Bereichen Softwareentwicklung und Programmierung, Human- und Zahnmedizin und Pharmazie. Die Vakanzzeit ist laut Fachkräfteengpassanalyse auf durchschnittlich 107 Tage gestiegen – im Vorjahr waren es noch 103 Tage, vor 10 Jahren nur 63 Tage. Seit 2010 ist ein regelmäßiger Anstieg zu verzeichnen. Beeinflusst wird die Erwerbsfähigen- und Fachkräftesituation durch den demografischen Wandel, den Grad der Zuwanderung und die Digitalisierung, die neue Kompetenzanforderungen stellt und die Nachfrage nach bestimmten Berufsbildern verändert. Unternehmen aus dem Personaldienstleistungssektor unterstützen Arbeitgeber dabei, personelle Anforderungen zu meistern, zum Beispiel durch Personalberatung, Personalvermittlung oder die temporäre Überlassung von Arbeitnehmern.

Personalwirtschaftliche Dienstleistungen

Personalvermittlung: Personalvermittler unterstützen Unternehmen dabei, qualifiziertes Personal zu finden, um Vakanzen zu besetzen und den Personalbedarf zu decken. Zur passgenauen Vermittlung erstellen sie Anforderungsprofile geeigneter Kandidaten und führen eine Analyse von Stellenanforderungen durch. Darüber hinaus übernehmen sie diverse Rekrutierungsaufgaben wie den Abgleich von Anforderungs- und Fähigkeitsprofilen, die Sichtung und Vorauswahl von Bewerbungsunterlagen und die Betreuung vermittelter Arbeitnehmer. Viele Vermittler verfügen über eigene Personaldatenbanken, auf die sie für eine schnelle Bedarfsdeckung zurückgreifen können.
Arbeitnehmerüberlassung: Bei der Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit) wird ein Leiharbeiter einem Entleihunternehmen zur Erbringung von Arbeitsleistung überlassen. Der Leih- oder Zeitarbeitnehmer arbeitet für einen begrenzten Zeitraum in einem Einsatzunternehmen (Entleiher). Anschließend wird er in einem anderen Unternehmen eingesetzt oder von dem Einsatzunternehmen übernommen. Angestellt ist der Zeitarbeiter bei einem Personaldienstleister oder einem Zeitarbeitsunternehmen (Verleiher): Er erhält einen zumeist unbefristeten Arbeitsvertrag und hat Anspruch auf Leistungen der Renten- und Krankenversicherung, der Pflegeversicherung und der Unfallversicherung. Wie andere Arbeitnehmer erhält er Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub. Entleihunternehmen setzen z. B. Zeitarbeiter ein, um Auftragsspitzen zu bedienen, Personalengpässe zu überbrücken und ihren Personalbedarf bei konjunkturellen oder saisonalen Schwankungen zu decken.
Outplacement: Outplacement ist ein Instrument im Trennungsmanagement, das zum Beispiel bei quantitativen Personalfreistellungen zum Einsatz kommt. Die Dienstleistung unterstützt ausscheidende Mitarbeiter bei der beruflichen Neuorientierung. Sie soll dazu beitragen, die Trennung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer fair zu gestalten und Konflikte zu vermeiden bzw. zu lösen. Das Einzeloutplacement dient als individuelle Beratung und Betreuung eines ausscheidenden Mitarbeiters (z. B. einer Führungskraft). Sind mehrere Mitarbeiter betroffen, kann ein Gruppenoutplacement erfolgen: Die Mitarbeitergruppe wird von einem oder mehreren Beratern betreut. Gegenstand des Outplacements sind zum Beispiel Bewerbungstrainings oder Workshops, die das Finden einer neuen Anstellung erleichtern sollen.
Personalberatung: Personalberater unterstützen Unternehmen dabei, Herausforderungen im Personalwesen strategisch zu bewältigen. Die Beratungsleistungen erstrecken sich je nach Spezialisierung des Dienstleisters über verschiedene HR-Bereiche, zum Beispiel die Personalauswahl, die Personalbeurteilung, die Personalentwicklung, das Personalmarketing und die Vergütungsberatung. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderung wie Fachkräfteengpässen und digitaler Entwicklungen spielt die Personalberatung eine wichtige Rolle.
On-Site Management: Das „Vor-Ort-Management“ ist eine Dienstleistung in der Personaldienstleistungsbranche, bei der ein Personaldienstleister das Management von Zeitarbeitern beim Kunden vor Ort übernimmt (Inhouse-Lösung). Der On-Site Manager koordiniert den Einsatz von Leiharbeitnehmern im Einsatzunternehmen. Je nach Leistungsspektrum variiert sein Aufgabenbereich: Er nimmt beispielsweise eine Bedarfsermittlung vor, um den Personalbedarf eines Unternehmens festzustellen und leitet entsprechende Rekrutierungsschritte ein. Anschließend sorgt er dafür, dass die Mitarbeiter im Einsatzunternehmen eingearbeitet und integriert werden. Eine besondere Form des On-Site Managements ist das Master Vendor Modell: Der Master Vendor stellt als Hauptlieferant Personal für ein Kundenunternehmen. Kann er den Personalbedarf nicht aus eigenen Reihen decken, greift er auf Drittanbieter (Co-Lieferanten) zurück: Bei Bedarf beauftragt er Unterlieferanten und koordiniert den Personaleinsatz.
Interim-Management: Der Interim-Manager übernimmt zeitweise Managementaufgaben in einem Unternehmen, wenn dort nicht genügend Kapazitäten vorhanden sind oder spezifisches Know-how benötigt wird. Interim-Management wird auch als Management auf Zeit bezeichnet, da ein externer Manager lediglich temporär Führungsaufgaben bewältigt.

Fazit

Personaldienstleister übernehmen je nach Leistungsspektrum verschiedene Aufgaben, um Unternehmen bei personalwirtschaftlichen Herausforderungen zu unterstützen. Eine häufige Dienstleistung ist zum Beispiel die Arbeitnehmerüberlassung, durch die Kundenunternehmen flexibel auf volatile Auftragslagen reagieren können. Die Koordination des Personals beim Kunden vor Ort kann durch einen On-Site Manager oder Master Vendor erfolgen. Neben der Arbeitnehmerüberlassung bieten Personaldienstleister u. a. Leistungen im Bereich Personalvermittlung, Personalberatung, Outplacement und Interim-Management an.

Quelle Foto: ©  mast3r / Fotolia


prosoft-Team

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Personalwesen und IT: eine unschlagbare Kombination. Als Anbieter hochspezialisierter Branchensoftware für das HR-Management und den Zeitarbeitsmarkt verfolgen wir diese Liaison seit über 30 Jahren. Was uns daran fasziniert? Dass sich selbst komplexe Prozesse mit dem richtigen Werkzeug einfach intelligent gestalten lassen. Unseren Erfahrungsschatz aus Branchen-Know-how, Prozessexpertise und Praxiswissen teilen wir mit HR-Interessierten in unseren Praxisseminaren:

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