Die Top 25 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche & aktuelle Branchenentwicklungen

Lünendonk-Liste 2017

Jährlich rankt das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder GmbH die Top 25 Unternehmen der Zeitarbeitsbranche. Unverändert zum Vorjahr gehen die ersten drei Plätze wieder an Randstad, Adecco und die ManpowerGroup. Maßstab des Anbieterrankings sind der Umsatz, die Anzahl der internen Mitarbeiter und der Zeitarbeitnehmer. Das Ranking basiert laut Lünendonk auf kontrollierten Selbstauskünften der Unternehmen und eigenen Schätzungen. Randstad konnte im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 2.087 Millionen Euro verzeichnen. Das Unternehmen mit 2.600 internen Mitarbeitern und 55.400 Zeitarbeitnehmern (Stand 2016) sichert sich den Spitzenplatz unter den gelisteten Zeitarbeits- und Personaldienstunternehmen in Deutschland. Ebenfalls unter den Top 3 rangiert die Adecco Group – in Deutschland vertreten durch die Adecco Germany Holding SA & Co. KG. Der weltweit größte Anbieter von Personaldienstleistungen erzielte 2016 einen Umsatz von 1.654 Millionen Euro, beschäftigte 2.186 interne Arbeitnehmer und 38.200 Zeitarbeitnehmer. Mit einem Umsatz von 940 Millionen Euro, 2556 internen Mitarbeitern und 26.519 Leiharbeitnehmern landet die ManpowerGroup Germany auf dem dritten Platz des Rankings. Neu mit dabei in der Lündendonk-Liste ist die Franz & Watch Personalservice GmbH auf Rang 25. Nicht mehr gelistet ist in diesem Jahr die Argo GmbH. Insgesamt gelang es den Top 25 Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen 6,5 % mehr Umsatz als im Vorjahr zu erwirtschaften, die Zahl der beschäftigten Zeitarbeitnehmer stiegt um 4,3 %. Auch für dieses Jahr rechnen die Unternehmen mit einem Umsatzwachstum (6, 1%).

Wie entwickelt sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer?

Die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Deutschland erreichte 2016 laut Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit ein Allzeithoch: Im Juni des Vorjahres kletterte die Anzahl der in der Arbeitnehmerüberlassung Beschäftigten auf 1 Millionen. Der Großteil der Leiharbeitnehmer ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt und arbeitet in Vollzeit. Gut ein Drittel der Zeitarbeitnehmer konzentriert sich laut Bericht auf den Bereich Verkehr, Logistik, Sicherheit und Reinigung. Knapp ein weiteres Drittel war 2016 im Metall- und Elektrobereich tätig. Demographische Daten haben ergeben, dass der Großteil der in der Leiharbeit Beschäftigten männlich ist und sich unter den Leiharbeitnehmern im Vergleich zu allen Beschäftigten besonders jüngere Menschen befinden – etwa die Hälfte ist jünger als 35 Jahre. Jeder zweite übt eine Helfertätigkeit aus, 2 von 5 Zeitarbeitnehmern arbeiten als Fachkräfte. Obwohl die Anzahl der Leiharbeitnehmern in die Höhe geklettert ist – Schätzungen von Lünendonk zufolge stiegt sie 2016 um 4,6 % (amtlich korrigiert um + 2 %) – wird für 2018 ein Rückgang erwartet. Diesen schätzen Experten auf 5, 8 %, womit mehr als 57.000 Zeitarbeitnehmer betroffen wären. Als Grund dafür wird die am 01. April 2017 in Kraft getretene AÜG-Reform genannt. Mit dem reformierten Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gilt eine gesetzliche Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten: Leiharbeitnehmer dürfen also nicht länger als 18 aufeinanderfolgende Monate (keine Unterbrechung von > 3 Monate) im selben Einsatzunternehmen tätig sein. Abweichungen durch Tarifvertrag sind möglich – vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg wurde beispielsweise der Tarifvertrag Leih-/Zeitarbeit (TV LeiZ) abgeschlossen: Tarifgebundene Entleiher, die Mitglieder des Arbeitgeberverbands Metall-Elektro sind, haben die Möglichkeit, die zulässige Überlassungshöchstdauer auf 48 Monate zu verlängern. Eine weitere einschneidende Veränderung neben der Höchstüberlassungsdauer betrifft die Einführung von Equal Pay: Zeitarbeitnehmer sollen nach 9 Monaten ununterbrochener Einsatzdauer im Entleihbetrieb ein gleichwertiges Arbeitsentgelt wie Stammbeschäftigte erhalten. Für Personaldienstleister bedeutet das, dass sie sich über die Entgeltbestandteile vergleichbarer Stammmitarbeiter im Entleihunternehmen informieren müssen. Abweichungen auf maximal 15 Monate sind durch Anwendungen eines Branchenzuschlagtarifvertrags möglich. Bereits seit 2012 (Metall- und Elektroindustrie, chemische Industrie) werden in der Zeitarbeit Branchenzuschlagstarifverträge eingesetzt, um eine stufenweise Annäherung der Löhne von Leiharbeitnehmern an das Arbeitsentgelt von Stammmitarbeitern zu gewährleisten. Lohndifferenzen zwischen Zeitarbeitnehmer und Stammbeschäftigten werden durch die sukzessive Gehaltsanpassung reduziert. Mit der AÜG-Reform müssen Personaldienstleister prüfen, ob ein Branchenzuschlagstarifvertrag vorliegt, der Abweichungen von der 9-Monats-Frist für Equal Pay zulässt.

Equal Pay: Ungleiche Wettbewerbsbedingungen?

Nur knapp 49 % der von den Top 25 Unternehmen eingesetzten Zeitarbeitnehmer sind laut Lünendonk in Branchen tätig, für die Branchenzuschlagstarifverträge gelten. Kommt kein Branchenzuschlagstarifvertrag zum Einsatz, gilt die gesetzliche Equal-Pay-Frist von 9 Monaten. Um die Regelung korrekt umzusetzen, müssen Verleiher mehrere Kriterien eruieren, z. B. anrechnungspflichtige Voreinsatzzeiten im Kundenunternehmen, mögliche Unterbrechungen von mehr als drei Monaten und Lohnbestandteile vergleichbarer Stammbeschäftigter. Hierbei besteht das Risiko fehlerhafter Equal-Pay-Ermittlungen oder unvollständiger Angaben. Liegt ein Verstoß gegen das gesetzliche oder tarifliche Equal Pay vor, sind Sanktionen wie Bußgelder bis zu 500.000 Euro oder erlaubnisrechtliche Konsequenzen möglich. Der Zeitarbeitnehmer hat einen Anspruch auf Differenzzahlungen. Hartmut Lüerßen, Partner von Lünendonk, kritisiert, dass vor allem das Thema Equal Pay die gleichen Wettbewerbsbedingungen einschränke. Viele Einsatz- und Zeitarbeitsunternehmen würden das Risiko fehlerhafter Equal-Pay-Ermittlungen (u. a. aufgrund der Definitionslücke) vermeiden, so dass die Überlassung nach spätestens 9 Monaten ende.

Fazit

Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk bringt jährlich ein Ranking der Top 25 Zeitarbeitsunternehmen und Personaldienstleister sowie Prognosen zu aktuellen Entwicklungen heraus. In diesem Jahr sind Randstad, Adecco und die ManpowerGroup erneut unter den Top 3. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2016 zunächst gestiegen, für 2018 wird jedoch ein Rückgang erwartet – u. a. bedingt durch die neuen gesetzlichen Regelungen im Zuge der AÜG-Reform.

Quelle Foto: Fotolia © industrieblick


prosoft-Team

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