Die perfekte Stellenausschreibung

Was Bewerber wirklich wollen

Wer eine perfekte Stellenanzeige verfassen will, wird um eine Frage nicht herumkommen: Was ist es, das meine Bewerber wirklich wollen? Wer es versteht, die Perspektive des Bewerbers zu übernehmen und die Stellenanzeige aus seinen Augen zu betrachten, kann deutlich bessere Überzeugungskraft leisten. Da die meisten von uns wohl nicht in der Lage sein werden, alla Mel Gibson in „Was Frauen wollen“ zu hören, was die Bewerber denken, ist hier ein wenig Empathie gefragt. Für den nötigen Scharfblick muss zunächst einmal die richtige Brille her. Bevor ich weiß, in wessen Perspektive ich mich einfühlen will, muss ich dieses wessen erst einmal definieren. Das heißt konkret: Wie sieht der Bewerber aus, den ich erreichen will? Welche Qualifikationen, Erfahrungen und mögliche Erwartungen bringt er mit? Im zweiten Schritt kann ich dann mit der Frage anknüpfen, wie ich als Arbeitgeber den Erwartungen meines Idealbewerbers besonders gerecht werden kann. Also welche besonderen Aufgaben und Verantwortungsbereiche die Stelle auszeichnen und welche Benefits das Unternehmen zu bieten hat.

Stellenanzeigen richtig schreiben

Mit den wichtigsten Erwartungen von Arbeitnehmern an den Bewerbungsprozess haben sich Marktforscher von Marketingagent.com und karriere.at in einer 360-Grad Studie auseinandergesetzt. 80, 6 % aller 1.004 befragten Arbeitnehmer sehen in der Stellenanzeige eine wichtige Chance für Unternehmen, sich von ihren Wettbewerbern abzuheben. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass die Stellenanzeige einen deutlichen Einfluss auf ihre Meinung zum Unternehmen hat. Somit wäre sie ein wichtiges Tool im Employer Branding. Als attraktive Arbeitgeber präsentieren sich Unternehmen laut Studie vor allem dann, wenn sie alle für den Bewerber wichtigen Faktoren wie Unternehmensname, Leitbild, Unternehmensprofil und Benefits offenlegen. Ein Großteil der Bewerber will sich mit dem Unternehmen identifizieren können. Eine perfekte Stellenausschreibung lässt also a) für den Bewerber keine dringenden bewerbungsrelevanten Fragen offen. Und stellt die Informationen b) übersichtlich und strukturiert dar. Die folgenden fünf W-Fragen sollten für ein erfolgreiches Recruiting unbedingt beantwortet werden:
1.) Wer sind Sie? Hierunter fallen zum Beispiel die Branche, Mitarbeiterzahl, Unternehmensphilosophie oder Tätigkeitsschwerpunkte. 21, 6 % der Arbeitnehmer, bewerten ein Unternehmen als attraktiv, das sein Leitbild/seine Unternehmensphilosophie kommuniziert. Zeigen Sie, dass Sie als Unternehmen sich von ihren Wettbewerbern abheben. Gehören Sie zum Beispiel zu den Marktführern in Ihrer Branche? Fördern Sie besondere Werte im Bereich Social Corporate Responsibility oder Sustainability/Nachhaltigkeitsmanagement? Haben Sie besondere Erfolge zu verzeichnen?
2.) Wen suchen Sie? Gehen Sie hier auf das Jobprofil und die Stellenbeschreibung der freien Stelle ein (Aufgaben, Aufgabenschwerpunkte, Perspektiven, Arbeitszeit, Befristung, gewünschter Stellenantritt, Standort, und sonstige Besonderheiten wie z. B. ein hoher Reiseanteil).
3.) Was erwarten Sie? Überlegen Sie, welche Kernkompetenzen Ihr neuer Mitarbeiter unbedingt mitbringen sollte. Beschränken Sie sich möglichst auf die wichtigsten Anforderungen und beschreiben Sie zusätzliche Attribute wenn nötig in einer separaten Kategorie („nice-to-have“). Zu lange Anforderungskataloge können auch für qualifizierte Kandidaten abschreckend wirken. Vermeiden Sie außerdem leere Wortphrasen wie „Teamfähigkeit“, „Kreativität“ oder „Flexibilität“. Besser: eine präzise, anschauliche Beschreibung der Aufgabenbereiche und damit einhergehenden Kompetenzen.
4.) Was können Sie bieten? Überzeugen Sie Ihre Bewerber mit Ihren Unternehmens-Benefits (flexible Arbeitszeitmodelle, Gehaltzulagen, besonderes Betriebsklima etc.). 21,1 % der Arbeitnehmer finden einen Arbeitgeber attraktiv, der seine Benefits darlegt. Aber Achtung: Eine übersteigerte Selbstdarstellung mindert die Glaubwürdigkeit. Bleiben Sie authentisch!
5.) Wie können sich Interessierte bei Ihnen bewerben? Erwähnen Sie kurz die Bewerbungsmodalitäten (Bewerbung per Post, E-Mail, online …), die konkreten Ansprechpartner und die Bewerbungs-Deadline. Fehlende Kontakt- oder Interaktionsmöglichkeiten irritieren und mindern die Lust, sich zu bewerben. Hier gilt: Je einfacher, desto besser.
Achtung: Beim Stellentitel und in der Stellenbeschreibung sollten Sie unbedingt darauf achten, geschlechtsneutrale Ansprachen zu verwenden. Ebenso Neutralität wahren sollten Sie in den Kategorien Alter, ethnische Herkunft, Behinderung, Religion und Weltanschauung sowie sexuelle Identität. Ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das Diskriminierung, Mobbing und Ungleichbehandlung verbietet, kann Unternehmen teuer zu stehen kommen.

Das Stellen-Layout ist entscheidend

Mindestens genauso wichtig wie der richtige Inhalt ist ein ansprechendes Stellen-Design. Ein attraktives Layout mit Eye-Catchern (Logos, Bilder…) erweckt die Aufmerksamkeit potentieller Bewerber und sorgt dafür, dass die Stellenanzeige positiv auffällt. Worauf Bewerber beim Stellen-Layout besonders achten, haben StepStone Österreich und das Marktforschungsinstitut MindTake Research in einer Online-Eye-Tracking Studie untersucht. Anhand der Ergebnisse lassen sich nützliche Tipps zum Layout für attraktive Stellenanzeigen ableiten:
1.) Nutzen Sie Bilder: Fotos und Bilder emotionalisieren und schaffen Atmosphäre. Ein großes Bild wirkt dabei in der Regel besser als mehrere kleine. Als Motiv eignen sich besonders mehrere Personen, die eine positive Stimmung transportieren. Bilder am besten nicht zwischen Textbausteine platzieren, das stört den Lesefluss!
2.) Platzieren Sie Ihr Logo oben links: Hier erfährt es die meiste Aufmerksamkeit.
3.) Verwenden Sie Aufzählungspunkte: Das sorgt für Struktur und steigert die Aufmerksamkeit beim Betrachter. Zu lange Listen hingegen schrecken eher ab.
4.) Sorgen Sie für eine gute Struktur: Heben Sie z. B. markante Stichworte hervor und arbeiten Sie mit Zwischenüberschriften, das steigert den Lesefluss. Den Jobtitel am besten prominent in der Mitte der Stellenanzeige platzieren.

Fazit

Das A und O einer perfekten Stellenanzeige ist ihre Einzigartigkeit: Wem es gelingt, mit einem überzeugenden Inhalt und attraktiven Layout aus der Masse herauszustechen, sichert sich die Aufmerksamkeit qualifizierter Bewerber. Bewerbungsentscheidende Inhalte zum Unternehmen, Stellenprofil und attraktiver Benefits erhöhen den Attraktivitätsfaktor. Ebenso wichtig ist ein ansprechendes Stellen-Layout, das der Anzeige über Farben, Bilder und Logos einen unternehmensindividuellen Charakter verleiht und für positive Emotionen sorgt.

Quelle Foto: Fotolia © Eisenhans

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Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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