Die besten Talente an Bord holen

So gelingt die positive Candidate Experience

Die Spiele für das beste Candidate Experience Management sind eröffnet: Über die Internetpräsenz der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation TalentBoard haben Unternehmen jetzt die Möglichkeit, sich für die international renommierten „Candidate Experience Awards“ zu bewerben. Der kostenfreie Wettbewerb richtet sich an Arbeitgeber, die ihre Candidate Experience benchmarken und optimieren wollen. 15 von über 100 Unternehmen der DACH Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) überzeugten im vergangenen Jahr mit Best-Practice-Beispielen aus dem Personalmarketing und gewannen einen der heiß umkämpften Awards. Die ausgezeichneten Arbeitgeber erreichten Weiterempfehlungsraten von bis zu 95 %.
Zwar ist das von HR-Bloggern als „Jahr der Kandidaten“ ausgerufen Jahr 2015 mittlerweile vorüber, doch ist das Thema Employer Branding noch immer brandaktuell. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels haben Unternehmen, denen es gelingt eine positive Candidate Experience zu erzeugen, einen entscheidenden Vorsprung im Rennen um die besten Talente. Wie wichtig eine positive Bewerbererfahrung für das Arbeitgeberimage ist, haben verschiedene Studien wie zum Beispiel die „Candidate Experience Studie 2014“ von meta HR und Stellenanzeigen.de gezeigt. Laut „Candidate Experience Report 2013“ würden 82 % der Befragten positive Erfahrungen mit ihren Freunden und Bekannten teilen, 96, 9 % würden das Unternehmen weiterempfehlen. Andersherum führen negative Erfahrungen, etwa unstrukturierte Stellenanzeigen oder schlechte Recruiting-Tools, in vielen Fällen zu Negativbewertungen im Internet oder in den Sozialen Medien. Darunter leidet die Employerreputation, was für Arbeitgeber im Kampf um begehrte Fachkräfte zu einem nicht unerheblichen Problem werden kann. Nicht nur dann, wenn man zu den unglücklichen Preisträgern der Goldenen Runkelrübe zählt. Mit dem Negativpreis werden analog zu den „Candidate Experience Awards“ besonders schlechte „Worst-Practice“-Beispiele in der Personalkommunikation ausgezeichnet.

Wertschätzung in allen Kontaktphasen

Wie aber sieht ein erfolgreiches Personalmarketing aus? Eine Patentformel gibt es dafür wie so oft nicht. Doch Unternehmen mit einem erfolgreichen Candidate Experience Management haben eines gemeinsam: Sie schaffen es, dem Bewerber in jeder Phase des Kontakts eine besondere Wertschätzung entgegenzubringen. Von der Stellenausschreibung über den ersten Bewerbungskontakt bis zur erfolgreichen Stellenbesetzung und einen gelungenen Onboarding-Prozess verhalten sie sich respektvoll, zuverlässig und konsistent. Erfolgreiche Personaler sind professionelle Beziehungsmanager, die dem Bewerber auch im Falle einer Absage konsequent das Gefühl vermitteln, für seine Bemühungen und Kompetenzen geschätzt zu werden. Das gilt für jede einzelne Phase und jeden Touchpoint im Rekrutierungsprozess. Im Modell des „Candidate Experience Wheel“ beispielsweise, geht von sechs Phasen aus: die erste Anziehung des Kandidaten zum Beispiel über ein Imagevideo des Unternehmens (1); der Informationsprozess, etwa über einen Besuch der unternehmenseigenen Karriereseite (2); die Bewerbungsphase (3); die Auswahl bzw. Zu- oder Absage (4); der Onboarding-Prozess (5); die Bindung des neuen Mitarbeiters an das Unternehmen (6).
Dabei besteht die Herausforderung für einen erfolgreiches Candidate Experience Management darin, die Attraktivität des Unternehmens in allen sechs Phasen für den potenziellen Mitarbeiter zu verdeutlichen. Das heißt zum Beispiel, unnötige Barrieren im Bewerbungsprozess abzubauen, um qualifizierte Kandidaten nicht abzuschrecken und die Abbruchquote möglichst gering zu halten. Wenn es dem Arbeitgeber zum Beispiel über ein attraktives Imagevideo und eine vielversprechende Karriereseite gelungen ist, die Aufmerksamkeit des Bewerbers für sich zu gewinnen, sollte er den Kandidaten nicht im nächsten Schritt durch störende dissatisfier verlieren. Das kann zum Beispiel ein langwieriger Online-Bewerbungsprozess sein. Laut der „Online Recruiting Studie 2014“ von Softgarden sind lediglich 4 % der Bewerber bereit, mehr als 30 Minuten in die Online-Bewerbung zu investieren. De facto müssen potenzielle Arbeitnehmer jedoch in rund einem Drittel aller Fälle 31 bis 60 Minuten ihrer Zeit dafür opfern („Candidate Experience Report 2013“).

Intelligentes Recruiting als Erfolgsfaktor

Hier können Unternehmen beispielsweise mit einer intelligenten Softwarelösung Abhilfe schaffen. Features wie CV-Reading/CV-Parsing ermöglichen einen automatischen Datentransfer der Bewerberstammdaten. Der komplette Lebenslauf und die Stammdaten des Bewerbers müssen somit nicht mehr aufwändig manuell eingegeben, sondern können ganz einfach ausgelesen und in das System übertragen werden. Der Bewerber spart dadurch kostbare Zeit. Zusätzlich kann eine mobil-optimierte, nutzerfreundlich gestaltete Online-Bewerbung zu einem einfachen und bequemen Bewerbungsprozess beitragen. Entscheidend für eine positive Candidate Experience ist außerdem eine zeitnahe Kommunikation mit dem Bewerber. Auch hier gibt es unterstützende Softwarelösungen. So können Ab- und Zusagen beispielsweise mittels automatisierter Korrespondenz direkt an den Bewerber verschickt werden. Algorithmen wie PerfectMatch erleichtern dabei durch einen Abgleich von Bewerber- und Anforderungsprofil eine strukturierte Vorauswahl geeigneter Bewerber. Für das nachgehende Interview mit den erfolgreichen Kandidaten ist es wichtig, dem Bewerber neben der persönlichen Wertschätzung auch die Vorteile des Unternehmens zu verdeutlichen.
Doch auch mit der Stellenbesetzung ist ein erfolgreiches Candidate Experience Management noch nicht beendet – ein Fehler, den viele Unternehmen begehen. Erschreckend ist, dass bereits 15 Prozent der Mitarbeiter schon am ersten Arbeitstag an Kündigung denken. Mitarbeiter, die sich von Anfang an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen weisen langfristig eine deutlich höhere Bindung an das Unternehmen auf. Einen wichtigen Fokus sollten Unternehmen deshalb darauf legen, neue Mitarbeiter mit einem gelungenen Onboarding-Prozess willkommen zu heißen. Das heißt zum Beispiel, ihnen eine professionelle Einführung zu bieten, den Arbeitsplatz arbeitsgerecht vorzubereiten, die Kollegen über den neuen Mitarbeiter zu informieren und Möglichkeiten für ein ehrliches Feedback zu schaffen.

Fazit

Ein erfolgreiches Candidate Experience Management zahlt sich aus und ist mit ein wenig Planung oder IT-Unterstützung sehr gut realisierbar. Wie sagte schon Steve Jobs: „Hiring The Best is Your Most Important Task.”

Quelle Foto: Fotolia © mast3r


Roland Roos

Roland Roos

Roland Roos ist Personalleiter und damit verantwortlich für alle Prozesse im Personalwesen. Er verfolgt stets aktuelle Themen wie Recruiting, Personalentwicklung & Talent Relationship Management.

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