Bewerbung: E-Mail, Online-Formular, Post oder Video?

Der beliebteste Bewerbungsweg: die E-Mail-Bewerbung

Der beliebteste Bewerbungsweg für Stellensuchende ist die E-Mail-Bewerbung: 83,1 % der Kandidaten bewerben sich am liebsten per-Email, so die Studie „Bewerbungen der Zukunft“ des Centre of Human Resource Information Systems und der Stellenbörse Monster. Die Bewerbung per Post bzw. Bewerbungsmappe ist mit 5,4 % weit abgeschlagen. Anders sieht es mit der Präferenz von Unternehmen aus: drei Viertel bevorzugen laut Studie die Bewerbung per Online-Formular, 23 % die E-Mail-Bewerbung und nur 1 % die Bewerbung per Post. Heruntergebrochen auf verschiedene Sektoren sieht das Ergebnis noch einmal anders aus: Im Automotive Sektor, IT-Bereich und Handel bevorzugt über die Hälfte der Unternehmen die Bewerbung per E-Mail. Tatsächlich treffen in der Bewerbungspraxis laut Studie rund 36,1 % der Bewerbungen per Mail ein. Im Vergleich zur postalischen Bewerbung mit Bewerbungsmappe ist eine E-Mail-Bewerbung für Stellensuchende i. d. R. weniger zeitintensiv: Der Weg zum nächsten Briefkasten erübrigt sich, ein Klick auf den „versenden“-Button reicht aus und die E-Mail trifft beim Empfänger ein. Neben dem schnellen Versand spart der Bewerber Kosten für Porto, Ausdrucke und die Bewerbungsmappe, die sich bei mehreren Bewerbungen schnell aufsummieren. Per E-Mail kann der Bewerber darüber hinaus Multimediadateien einbinden, was zum Beispiel bei Bewerbungen in der Kreativwirtschaft von Vorteil sein kann. Für Unternehmen bieten E-Mail-Bewerbungen den Vorteil, dass sie Bewerbern eine relativ schnelle Bewerbung ermöglichen und dadurch ggf. ihr Bewerbungsaufkommen erhöhen. Die elektronischen Daten lassen sich i. d. R, schneller in digitale Datenbanken übertragen und sind bei Nutzung einer entsprechenden Software zentral für Entscheider zugänglich. Allerdings besteht bei einer E-Mail-Bewerbung die Gefahr, dass die Bewerbung bei hohem E-Mail-Aufkommen untergeht oder im Spam Ordner landet. Sind die angehangenen Dateien groß, ist das Postfach schnell überfüllt. Im Vergleich zur aufwendigen und kostenverursachenden Bewerbungsmappe kann es sein, dass Bewerber in die E-Mail-Bewerbung weniger Zeit und Mühe investieren. Andererseits wird dadurch auch die Hürde für eine Bewerbung geringer gehalten, was sich positiv auf das Bewerberaufkommen auswirken kann.

Bewerbung per Online-Formular & CV-Parsing

Eine Bewerbung per Online-Formular kann an die Nutzung einer entsprechenden Bewerbermanagement-Software gekoppelt sein. Bewerberdaten können dadurch schnell in das System übertragen werden und sind für Personalverantwortliche zentral einsehbar. Das sorgt für kürzere Kommunikationswege zwischen Entscheidern und kann die Feedbackzeit für Bewerber erhöhen. Softwarefunktionalitäten wie zum Beispiel ein Matching-Algorithmus ermöglichen auch Unternehmen mit hohem Bewerberaufkommen ein schnelles Bewerberfeedback, wenn sie durch das entscheidungsunterstützende Matching rasch eine Vorauswahl treffen. Kandidaten müssen sich beim Ausfüllen standardisierter Online-Formulare weniger Gedanken um die Aufbereitung der Informationen machen, haben aber auch nicht viel Gestaltungsspielraum, um ihre persönlichen und fachlichen Qualifikationen darzustellen. Eine Bewerbung per Online-Formular ist deshalb oft mit einer E-Mail-/Post-Bewerbung verbunden oder die entsprechenden Dokumente werden hochgeladen. Ein Auge darauf werfen sollten Recruiter, ob die Bewerbung per Online-Formular zu zeitaufwändig ist. Denn rund ein Drittel der Bewerber findet es laut Crosspro-Umfrage lästig, die Daten manuell einzugeben, 20,14 % würden sogar in Erwägung ziehen, die Bewerbung abzubrechen. Erleichtert wird das Ausfüllen der Bewerbungsformulare zum Beispiel mithilfe von CV-Parsing (lat. CV = Curriculum Vitae; engl. parsing = Zerteilung): Der Bewerber lädt seinen Lebenslauf online per Mausklick hoch und der CV-Parser liest seine Daten aus, so dass sie automatisch in die vorgesehenen Datenfelder übertragen werden. Für die Candidate Experience kann das von Vorteil sein.

Die Bewerbungsmappe

Die Bewerbung per Post wird zunehmend von der Online-Bewerbung verdrängt. In manchen Branchen und Unternehmen wird sie jedoch bevorzugt. Im Gegensatz zur digitalen Bewerbung vermittelt die Bewerbungsmappe einen haptischen Eindruck. Da ihre Erstellung relativ kosten- und zeitintensiv ist, kann es sein, dass Bewerber mehr Mühe und Sorgfalt in sie investieren: Das Papier muss in richtiger Qualität ausgedruckt, die Bewerbungsmappe ausgesucht und in eine geeignete Form gebracht werden. Das kann für Stellensuchende allerdings auch eine Hürde im Bewerbungsprozess darstellen: Sie überlegen sich vielleicht zweimal, ob sie Zeit und Kosten für die Anfertigung und den Versand der Bewerbungsmappe aufbringen wollen. Darunter leidet dann ggf. das Bewerbungsaufkommen. Bewerben sich dadurch aber auch weniger ungeeignete Kandidaten und weist das Unternehmen prinzipiell ein hohes Bewerberaufkommen auf, kann das auch von Vorteil sein. Für Unternehmen, die die Bewerberdaten digital speichern wollen, bedeutet die postalische Bewerbung Mehraufwand: Sie müssen die Unterlagen erst einscannen, was bei einer hohen Anzahl an Bewerbungen zeitaufwändig sein kann.

Die Video-Bewerbung

Eine reine Video-Bewerbung ist in den meisten Unternehmen eine Seltenheit. Meist ist sie begleitet von einer zusätzlichen E-Mail-Bewerbung bzw. Bewerbungsmappe. Die Bewerbung verursacht also relativ viel Aufwand für Bewerber. Die Erstellung eines Videos ist zeitaufwändig, u. U. kostenintensiv und erfordert ein gewisses Maß an technischem Know-how. Für bestimmte Branchen, in denen Video- und Präsentationsskills gefragt sind, kann die Video-Bewerbung nützlich sein, z. B. die PR- oder Werbebranche, Film- und Kreativwirtschaft. Der Personaler kann mit der Bewerbung gleichzeitig einen Eindruck von den praktischen Fähigkeiten des Kandidaten gewinnen. Da das Video ähnlich wie ein Vorstellungsgespräch auch einen Eindruck von der Persönlichkeit, Selbstpräsentationsfähigkeit und Körpersprache des Kandidaten vermittelt, kann es zur Vorselektion dienen, um die Anzahl der Vorstellungsgespräche zu reduzieren. Allerdings fehlt in einem Video die Spontaneität des Bewerbungsgesprächs, in dem Personaler und Bewerber gezielt aufeinander eingehen können.

Fazit

E-Mail-Bewerbung, Online-Formular, Bewerbungsmappe oder Video: Bewerbungswege gibt es viele und die Möglichkeiten wachsen im Zuge der Digitalisierung. Welcher Bewerbungsweg sich am besten eignet, ist je nach Unternehmen, Branche, ausgeschriebener Position und gesuchtem Kandidaten verschieden. Ein wichtiger Faktor bei der Auswahl ist neben dem Kosten-, Zeit- und Ressourcenaufwand für Unternehmen und Personalabteilung auch die Candidate Experience. Eine positive Bewerbererfahrung kann dazu beitragen, das Arbeitgeberimage zu verbessern und die Bewerberreichweite und -qualität zu erhöhen.

Quelle Foto: Fotolia © Antonioguillem


prosoft-Team

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