Wissenswertes zum Start der Ausbildungssaison

Ausbildungsmarkt

Über 548.000 Bewerber haben sich 2017 für Berufsausbildungsstellen beworben (Statistik Bundesagentur für Arbeit). 550.000 Ausbildungsstellen wurden im Vorjahr gemeldet – das sind etwa 3.000 mehr als im vorherigen Berichtsjahr. Auch dieses Jahr strömen im Sommer wieder viele Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt. Einige entscheiden sich für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr, andere reisen als Backpacker durch Australien und wieder andere suchen nach einer passenden Ausbildungsmöglichkeit. Das Studium erfreut sich hoher Beliebtheit: Im Wintersemester 2017/2018 waren laut Statistischem Bundesamt (Destatis) 2.847.800 Studenten an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Studierenden um 1, 5 % erhöht (+ 40.800). Die Anzahl der Studienanfänger, die erstmals ein Hochschulstudium angefangen haben, ist leicht (um 0,1 %) gesunken.

Top 5 der häufigsten Ausbildungsberufe

In welchen Bereichen die meisten Auszubildenden zu finden waren, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts:
1. 71 898 Auszubildende zum/zur Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement (5, 4 %)
2. 63 174 Azubis als Kraftfahrzeugmechatroniker (4,8 %)
3. 58 704 Auszubildende zum/zur Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel (4,4 %)
4. 49.317 Auszubildende als Industriekaufmann/-kauffrau (3,7 %)
5. 44.754 Azubis als Industriemechaniker/in (3,4 %)
Bei den weiblichen Auszubildenden besonders beliebt ist das Berufsbild Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement: Etwa 10 % wählten diesen Ausbildungsberuf, gefolgt von der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten (7,5 %). Auf den letzten Plätzen liegen die Ausbildungsberufe zur Sozialversicherungsfachangestellten, Tiermedizinischen Fachangestellten, Automobilkauffrau und Mediengestalterin mit jeweils 1 %. Top-Ausbildungsberufe bei den Männern waren Kraftfahrzeugmechatroniker (7, 4 %) und Industriemechaniker (5, 1 %). Als Werkzeugmechaniker ließen sich die wenigsten (1,3 %) ausbilden. Trotz offener Ausbildungsstellen finden einige Azubis keinen Ausbildungsplatz: Das liegt z. T. daran, dass bestimmte Ausbildungsberufe und Regionen gefragter sind als andere.

Azubi-Recruiting

Es gibt verschiedene Wege, um Auszubildende für das eigene Unternehmen zu finden, zum Beispiel mehr Investitionen in das Ausbildungsmarketing, die Erschließung neuer Zielgruppen wie Studienabbrechern und Geflüchtete oder die Kooperation mit Schulen und Hochschulen. Mögliche Instrumente im Azubi-Recruiting sind zum Beispiel:
• Schulpraktika
• Tag der offenen Tür, Girl’s Day/Boys‘ Day, Betriebsbesichtigungen
• Anzeigen in zielgruppenspezifischen Medien (z. B. Abizeitung, Kinozeitschriften)
• Blogmarketing (Azubi-Blogs mit Bewerbungs- und Karrieretipps oder zur Berufsorientierung)
• Messen (z. B. Stuzubi, vocaticum)
• Recruiting-Videos
• Recruitainment (z. B. Berufsorientierungsspiele)
• Online-Stellenbörsen (z. B. Azubiyo)
• Social-Media-Recruiting
• Ansprache von Eltern, Lehrern und Berufsberatern
• Bildungssponsoring, Unterrichtsmaterialien an Schulen
• Werbung in Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Radio
• Employer Branding
Auch Schulen sollten mitwirken, indem sie künftigen Schulabgängern Ausbildungsoptionen im Rahmen der Berufsorientierung aufzeigen und Praktika ermöglichen. Im Wettbewerb um Auszubildende versuchen immer mehr Unternehmen mit attraktiven Angeboten zu punkten, zum Beispiel höhere Ausbildungsvergütungen, ein Tablet für die private Nutzung oder eine Gratismitgliedschaft im Fitnessstudio. Solange das nicht in ein materielles Aufrüsten ausartet und Unternehmen die finanziellen Mittel besitzen, ist daran nichts auszusetzen. Nachhaltiger wäre es sicherlich, den Ausbildungsberuf schmackhaft zu machen und Lust auf die Ausbildung im Unternehmen zu wecken. Nur: Je mehr Köder die anderen Arbeitgeber auswerfen, desto eher ist ein Unternehmen unter Druck, mitzuhalten. Wichtig ist, dass auch Politik und Bildung mitwirken, um Ausbildungsberufe attraktiver zu machen, die Ausbildungsreife durch Bildungsmaßnahmen zu fördern und den Zugang zu Informationen und Praktika zu erleichtern. Zusätzlich braucht es Wege, um mit dem demografischen Wandel umzugehen und den Rückgang potenzieller Ausbildungsanwärter abzufangen.

Zufriedenheit mit der Ausbildung

Ebenso wichtig wie die Akquise von Ausbildungskräften ist es, gute Auszubildende im Unternehmen zu halten, etwa durch ein verlässliches Onboarding und eine ausreichende Betreuung. Missstände in der Ausbildungsqualität hat der Deutsche Gewerkschaftsbund in seinem Ausbildungsreport 2017 identifiziert. Die gute Nachricht vorweg: Fast drei Viertel der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Die Ergebnisse im Überblick:
Überstunden: Auffällig ist, dass mehr als ein Drittel der Auszubildenden regelmäßig Überstunden machen – etwa 4,2 Stunden pro Woche. 11,6 % der betroffenen Azubis sind noch nicht volljährig und dürften von Gesetzes wegen nicht mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. Bei 13,4 % erfolgt keine Kompensation der Überstunden durch Freizeitausgleich oder Bezahlung.
Betreuung und Struktur: Mehr als ein Drittel der Auszubildenden erhalten trotz gesetzlicher Vorschrift keinen betrieblichen Ausbildungsplan und müssen häufig ausbildungsfremde Aufgaben übernehmen (11,5 %). 10,3 % werden nicht oder selten von einem Ausbilder betreut.
Work-Life-Balance: Fast ein Viertel der Auszubildenden hat Schwierigkeiten damit, sich in seiner Freizeit zu erholen.
Berufsschule: Fast 60 % der Auszubildenden bewerten die Qualität des Berufsschulunterrichts als mindestens gut, jedoch fühlt sich nur die Hälfte gut auf die Theorieprüfung vorbereitet. Etwa die Hälfte der Azubis bewertet die Abstimmung zwischen Berufsschule und Betrieb als mindestens gut.
Unsicherheit: Fast die Hälfte der Auszubildenden weiß im letzten Ausbildungsjahr noch nicht, ob eine Übernahme nach der Ausbildung erfolgt.
Vergütung: Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung liegt bei 736 Euro.

Fazit

Die Ausbildungssaison 2018 steht vor der Tür: Im Vorjahr haben Unternehmen über 500.000 Ausbildungsstellen gemeldet. Je nach Unternehmensstandort/Region und Ausbildungsberuf haben Arbeitgeber mehr oder weniger mit einem Mangel an qualifizierten Ausbildungsanwärtern zu kämpfen. Mögliche Wege zur Rekrutierung qualifizierter Auszubildender sind Instrumente im Ausbildungsmarketing, die Erschließung neuer Zielgruppen und die Kooperation mit Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen. Auch die Ausbildungsqualität (Betreuung, Onboarding, Struktur…) spielt eine Rolle, um gute Auszubildende an das Unternehmen zu binden und das Arbeitgeberimage zu pflegen (z. B. durch positive Arbeitgeberbewertungen).

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Quelle Foto: ©  goodluz / Fotolia


prosoft-Team

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