KAS-Studie zur atypischen Beschäftigung und Zeitarbeit

Atypische Beschäftigungsverhältnisse

Das Normalarbeitsverhältnis ist längst nicht mehr konkurrenzloser Standard: Neben der Vollzeitstelle mit einer vorgegebenen Normalarbeitszeit haben sich verschiedene atypische Beschäftigungsverhältnisse entwickelt. Als Normalarbeitsverhältnis definiert das Statistische Bundesamt eine unbefristete Vollzeitstelle außerhalb der Zeitarbeit oder eine Teilzeitstelle mit über 20 Arbeitsstunden pro Woche. Atypisch sind Teilzeitbeschäftigungen bis zu 20 Stunden wöchentlich, geringfügige und befristete Beschäftigungen sowie solche in der Zeitarbeit. An Bedeutung gewonnen haben die neuen Beschäftigungsverhältnisse u. a. durch den wachsenden Dienstleistungssektor: Viele Dienstleistungen erfordern einen flexiblen Personaleinsatz – auch außerhalb der Normalarbeitszeit. Der Dienstleistungssektor hat einen großen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung: Rund drei Viertel (statista) der Arbeitnehmer sind in der Dienstleistungsbranche beschäftigt. Auf 1.000 Einwohner kommen laut statista knapp 265 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bereich Dienstleistungen. Auch in Handel und Produktion ist der flexible und kurzfristige Einsatz von Personal wichtig, um auf Auftrags- und Produktionsspitzen zu reagieren, Auftragseinbrüche abzufangen und bei saisonalen und konjunkturellen Schwankungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Für Beschäftigte bieten die flexibleren und kürzeren Arbeitszeiten in den atypischen Beschäftigungsverhältnissen eine Möglichkeit, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Mit Aufnahme einer Beschäftigung – auch der atypischen Art – sinkt laut Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (Neue Beschäftigungsverhältnisse – Daten, Fakten, Argumente) die Armutsgefährdungsquote. Am stärksten verbreitet unter diesen Beschäftigungsformen ist die Teilzeitarbeit. Etwa 70 % der neuen Beschäftigungsverhältnisse werden laut Studie von Frauen ausgeübt. In der Zeitarbeit ist der Männeranteil größer. Laut Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit sind etwa 70 % der Zeitarbeitnehmer männlich. Das lässt sich ggf. darauf zurückführen, dass viele Leiharbeitnehmer in der Produktion und im gewerblichen Bereich, Verkehr und Logistik arbeiten – tendenziell eher Männerdomänen. Bei den Frauen spielen Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich eine größere Rolle. Von den atypisch Beschäftigten, so zeigt die Studie der Konrad Adenauer Stiftung, hat etwa jeder Fünfte keine abgeschlossene Berufsausbildung. Im Schnitt sind Arbeitnehmer in den neuen Beschäftigungsverhältnissen geringer qualifiziert als jene in einem Normalarbeitsverhältnis. Der Lohn fällt im Vergleich geringer aus, was u. a. an der Qualifikation, der reduzierten Arbeitszeit und der Art der Tätigkeit liege.

Neue Beschäftigung über die Zeitarbeit

Die Zeitarbeit macht den geringsten Teil der neuen Beschäftigungsverhältnisse aus: Rund eine Millionen Zeitarbeitnehmer sind laut Studie in Deutschland beschäftigt, das sind ca. 2,5 % aller Beschäftigten. Bei über 90 % der Stellen in der Zeitarbeit handelt es sich um sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Zeitarbeit regulären Beschäftigungsverhältnissen rechtlich gleichgestellt. Ein Leiharbeitnehmer ist über einen Arbeitsvertrag bei einem Personaldienstleister oder Zeitarbeitsunternehmen angestellt (i. d. R. unbefristet) und genießt die Rechte eines Arbeitnehmers, z. B. Leistungen der Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und Urlaub. Seine Arbeitsleistung erbringt er im Einsatzunternehmen, in dem er temporär eingesetzt wird, z. B., um Auftragsspitzen zu bewältigen und die Stammbelegschaft zu entlasten. Für Leiharbeitnehmer bietet die Zeitarbeit eine Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, etwa nach längeren Phasen der Arbeitslosigkeit oder nach einer langen Auszeit. Das betrifft insbesondere Menschen, die Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden. Etwa zwei Drittel der Zeitarbeiter waren vor ihrer Anstellung in der Zeitarbeit laut Studie nicht erwerbstätig. Etwa ein Fünftel ist seit einem Jahr nicht mehr oder noch nie einer Beschäftigung nachgegangen. 16 % waren zwischen 3 und 12 Monaten nicht beschäftigt, ein Drittel bis zu 3 Monate. Etwa ein Fünftel ist vorher einer anderen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen, 12 % waren geringfügig beschäftigt. Werden Zeitarbeitnehmer von einem Einsatzunternehmen übernommen, spricht man vom sogenannten Klebeeffekt. Für Zeitarbeitnehmer und Einsatzunternehmen kann der Einsatz über die Zeitarbeit als eine verlängerte Probezeit fungieren: Das Unternehmen hat die Möglichkeit, die Arbeitsleistung vor Ort zu beobachten und der Mitarbeiter kann einschätzen, ob er sich im Unternehmen wohl fühlt. Laut aktueller Studie des Personalunternehmens Orizon finden rund zwei Drittel der Arbeitnehmer über die Zeitarbeit eine Anstellung, etwa ein Drittel davon im Entleihunternehmen, das übrige Drittel bei einem anderen Arbeitgeber. Insbesondere Berufseinsteigern, Wiedereinsteigern, Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten bietet die Zeitarbeit eine Möglichkeit, zunächst temporär in Arbeit zu kommen, um dann langfristig im Einsatz- oder einem Drittunternehmen eine Anstellung zu finden.

Wo werden Zeitarbeitnehmer vor allem eingesetzt?

Mehr als die Hälfte der Zeitarbeiter übt laut Studie eine Beschäftigung im Helferbereich aus. Der größte Anteil der Beschäftigten ist im Verkehrs- und Logistikbereich tätig (rund 300.000). Den zweitgrößten Beschäftigungsbereich bildet die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie der Metallbau. Schlusslichter sind die Bereiche Land-, Forst-, Tierwirtschaft und Gartenbau sowie Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe. Einsatzunternehmen nutzen die Zeitarbeit vor allem als Flexibilisierungsinstrument, um ihre Personalkapazitäten bedarfsgerecht an Auftragsspitzen oder -einbrüche anpassen zu können. Ein weiterer Grund ist die Auslagerung von Bürokratie im Rekrutierungsprozess.

Fazit

Die Zeitarbeit erfüllt eine wichtige Brückenfunktion: Sie bietet Mitarbeitern die Chance, über eine Anstellung in der Zeitarbeit auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Ein Teil der Zeitarbeitnehmer findet eine Anstellung im Einsatzunternehmen (Klebeeffekt) oder in einem Drittunternehmen. Für Entleihunternehmen ist das Modell Arbeitnehmerüberlassung ein Flexibilisierungsinstrument, um z. B. Auftragsspitzen abzufangen. Der Einsatz über die Zeitarbeit kann als eine verlängerte Probezeit genutzt werden, um bei gegenseitiger Passung eine Übernahme einzuleiten.

Quelle Foto: Fotolia © industrieblick


prosoft-Team

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