Arbeitgeberbewertungsportale: sinnvoll oder nicht?

Bewerber lassen sich von Arbeitgeberbewertungen beeinflussen

Das Internet wird bei nahezu jeder Angelegenheit konsultiert – sei es zum Nachschlagen eines Keywords oder zur Ferndiagnose durch Dr. Google. Auch Bewerber informieren sich im Web über potenzielle Arbeitgeber: Arbeitgeberbewertungsportale wie kununu, glassdoor und jobvoting wollen Transparenz für Kandidaten schaffen. Für Bewerber sind die Portale eine wichtige Anlaufstelle, um Informationen über die Arbeitsatmosphäre, das Vorgesetztenverhalten, Sozialleistungen und vieles mehr zu erhalten. Erst kürzlich zeigte die Talents & Trends Befragung von Rundstedt, dass 41 % aller Jobsuchenden vor ihrer Bewerbungsentscheidung Arbeitsgeberbewertungsportalen zu Rate ziehen. Bei den 18- bis 29-Jährigen ist es mehr als die Hälfte, die einen Blick auf die Bewertungen wirft. Im Falle einer negativen Bewertung verzichten 50 % der jungen Talente auf eine Bewerbung – im Durchschnitt sind es 39 %. Die junge Zielgruppe lässt sich also in höherem Maße von einer Negativbewertung beeinflussen. 40 % der 18- bis 29-Jährigen suchen aktiv nach positiven Bewertungen, um sich initiativ zu bewerben. Im Durchschnitt sind es knapp ein Drittel der Kandidaten, die diese Praxis anwenden. Interessant ist, dass ein Drittel der jungen Bewerber die Informationen aus dem Bewertungsportal höher gewichten als jene aus dem Vorstellungsgespräch. Im Durchschnitt aller Befragten gilt dies für etwa ein Fünftel. Insgesamt haben Arbeitgeberbewertungsportale nach dieser Befragung einen deutlichen Einfluss auf die Bewerbungsentscheidung, insbesondere bei der jüngeren Generation. Auch für Mitarbeiter spielen Arbeitgeberbewertungsportale eine Rolle: Ein Drittel der Befragten empfindet es als peinlich, wenn ihr Arbeitgeber eine schlechte Bewertung aufweist. 18 % würden sogar eine Kündigung in Betracht ziehen. Eine positive Bewertung ihres Arbeitgebers finden 43 % wichtig. Dass Arbeitgeberbewertungen auch verzerrt werden können – etwa durch schlechte Bewertung frustrierter Ex-Kollegen – wissen immerhin zwei Drittel der Befragten. 35 % bewerten ihren Arbeitgeber, um Transparenz für potenzielle Bewerber zu schaffen.

Was tun bei Negativbewertungen?

Die Präsenz in Bewertungsportalen ist ein zweischneidiges Schwert: Unternehmen haben die Möglichkeit, Transparenz für Bewerber zu schaffen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren – sofern die Bewertungen positiv sind. Sie bieten einen Einblick in das Unternehmen und seine Benefits aus Sicht der Mitarbeiter, was die Credibility erhöhen kann. Im Vergleich zu einer geschönten Imagebroschüre wirken Mitarbeiterfeedbacks authentischer. Sofern sie die Meinung der Mitarbeiter widerspiegeln, können sie als wertvolles Instrument im Erwartungsmanagement fungieren. Das Kriterium des Cultural-Fit kann zur Vorselektion von Bewerbern beitragen, die sich mit der Unternehmenskultur identifizieren. Eine Vielzahl positiver Bewertungen verschafft dem Unternehmen einen Imagegewinn zur Stärkung der Employer Brand. Top-Bewertungen und glaubwürdige Testimonials lassen sich im Rahmen des Empfehlungsmarketings einsetzen, um Interessierte in Bewerber zu konvertieren. Konstruktive Kritik, die in den Portalen angemerkt wird, können Arbeitgeber nutzen, um Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten und Missstände im Unternehmen aufzudecken. Soviel zu den Sonnenseiten der Bewertungswelt. Die Schattenseiten bleiben meist nicht aus: Unter dem Deckmantel der Anonymität fällt es Nutzern leichter, negative Bewertungen vorzunehmen. Arbeitgeber befürchten, dass ein Übermaß an Negativbewertungen Reputationsschädigungen mit sich bringt und potenzielle Bewerber verprellt. Dass dies nicht ganz unberechtigt ist, zeigt die Talents & Trends Befragung. Die Präsenz in Arbeitgeberbewertungsportalen bedeutet immer auch einen Kontrollverlust – sie ist Chance und Risiko zugleich. Ist der Großteil der Bewertungen positiv, nivellieren sich extreme Negativbewertungen. Bei Rufschädigungen oder Verunglimpfungen können Arbeitgeber gegen die Bewertungen vorgehen. Zwar haben Nutzer das Recht auf freie Meinungsäußerung, doch sind Diffamierungen mit dem Ziel der Reputationsschädigung nicht erlaubt. Ebenso unzulässig ist die Behauptung falscher Tatsachen. Die Bewertungen dürfen nicht in Beschimpfungen ausarten. Der User darf weder Namen von Kollegen, Vorgesetzten etc. nennen noch Betriebsgeheimnisse preisgeben. Arbeitgeber können in diesen Fällen einen Löschantrag stellen, damit der Portalbetreiber rechtswidrige Einträge entfernt. In einigen Portalen besteht die Möglichkeit, Bewertungen zu kommentieren und eine sachliche Stellungnahme vorzunehmen.

Wie erhalte ich positive Bewertungen?

Eine hohe Anzahl an Bewertungen ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll: Extreme Bewertungen lassen sich besser nivellieren und das Gesamtbild ist insgesamt stimmiger. Nach außen hin wirken viele Bewertungen glaubwürdiger als einige wenige. Um diese zu erhalten, lohnt es sich, aktiv zu werden: Arbeitgeber können auf (zufriedene) Mitarbeiter zugehen, um diese um eine Bewertung zu bitten – z. B. mit der Begründung, dass ihre Stimme wichtig ist und zur Transparenz beiträgt. Dass die Bewertungen für das Personalmarketing wertvoll sind, kann auch erwähnt werden. Oft kommen zufriedene Mitarbeiter nicht auf die Idee, eine Bewertung abzugeben. Frustrierte (Ex-)Mitarbeiter hingegen können die Portale nutzen, um Dampf abzulassen. Gerade deshalb ist es wichtig, direkt auf zufriedene Kollegen zuzugehen. In Portalen wie kununu können auch Bewerber ihre Stimme zum Bewerbungsprozess abgeben. Diese können zum Beispiel im Bewerbungsgespräch oder in einer E-Mail auf das Bewertungsportal hingewiesen werden. Von übermäßig geschönten Darstellungen mit gefälschten Mitarbeiter-Accounts ist eher abzuraten, da diese wenig authentisch wirken und oft zu durchschauen sind. Auf negatives Feedback sollten Unternehmen antworten, um zu signalisieren, dass sie die Kritik ernst nehmen, widerlegen können oder Verbesserungsmaßnahmen einleiten. Eine Antwort empfiehlt sich übrigens auch bei positiven Bewertungen: Unternehmen können sich z. B. mit einem Kommentar bedanken, ihre Wetzschätzung ausdrücken und positive Anmerkungen bekräftigen. Um Bewertungen im Auge zu behalten, sollten die Inhalte durch Monitoring regelmäßig kontrolliert werden.

Fazit

Arbeitgeberbewertungen sind für Unternehmen ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite steht der Kontrollverlust über die freien Bewertungen im Netz. Auf der anderen Seite können positive Bewertungen die Employer Brand stärken und sich positiv auf die Bewerbungsentscheidung auswirken. Wichtig ist ein regelmäßiges Monitoring der Einträge. Wer sowohl auf positive als auch negative Beiträge antwortet, signalisiert Wertschätzung und hat die Möglichkeit, Stellungnahme zu Negativkritik zu beziehen sowie positive Aspekte zu bekräftigen.

Quelle Foto: ©  vege / Fotolia


Farid Jammali

Farid Jammali

Farid Jammali ist Marketingleiter und versteht sich in der Vermarktung komplexer Softwarelösungen über alle Marketing-Kanäle hinweg.

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