Arbeitgeber-Bewertungsportale: Wo informieren sich Bewerber?

Sind Arbeitgeber-Bewertungsportale überhaupt relevant?

Übel gelaunte Mitarbeiter, mieses Arbeitsklima und hohe Mitarbeiterfluktuation. Potentielle Bewerber, die das lesen, überlegen sich zweimal, ob sich das Vorstellungsgespräch wirklich lohnt. Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen findet man viele solcher Kritiken, die im Extremfall in Verunglimpfungen abdriften. Das schadet dem Arbeitgeberimage und vergrault qualifizierte Nachwuchskräfte. Der hohe Impact von kununu, glassdoor und Co. hat positive und negative Seiten. Als Instrument des Empfehlungsmarketing eignen sich Arbeitgeber-Bewertungsportale als Magneten für begehrte Fachkräfte. Andererseits haben Arbeitgeber in Zeiten der ständigen digitalen Bewertbarkeit weniger Kontrolle über die Außenwirkung ihres Arbeitgeberimages. Wie weit die Informationsmacht solcher Bewertungsplattformen reicht, zeigt Branchenprimus kununu: Die Tochter der Networking-Plattform Xing ist mit mehr als 1 Millionen Bewertungen zu über 270.000 Unternehmen das größte Arbeitgeber-Bewertungsportal in Deutschland. Zum Vergleich: Konkurrent Jobvoting, der als erste Arbeitgeber-Bewertungsplattform 2006 online ging, verfügt über mehr als 100.000 Bewertungen. Noch frisch auf dem Markt ist der deutsche Ableger des US-amerikanischen Bewertungsportals glassdoor, das in den USA stolze 27 Millionen Mitglieder zählt.
Doch wie relevant sind solche Plattformen für Bewerber eigentlich? Ist eine schlechte Bewertung gleichbedeutend mit einer geringen Bewerberquote? Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom informieren sich drei von zehn Internetnutzern in Deutschland auf Bewertungsportalen über potentielle Arbeitgeber. 76 % davon gaben an, sich von den Bewertungen in ihrer Job-Entscheidung beeinflussen zu lassen. Weniger relevant scheint dies für Studenten, also Berufseinsteiger: Zwei Drittel haben noch nie ein Arbeitgeberportal genutzt und 37 % finden solche Portale wenig oder gar nicht hilfreich für ihre Entscheidung, bei einem Unternehmen zu arbeiten oder nicht. Das ergab der aktuelle unicensus des Personaldienstleisters univativ. Womöglich spiegelt sich hier eine gesunde Skepsis wider. Denn nicht alle Arbeitgeberbewertungen scheinen glaubhaft. Einige kommen geschönt daher, andere als Frusttiraden rachewütiger Kollegen. Die anonymisierte Bewertung erleichtert es, einfach mal Dampf abzulassen oder gefälschte Mitarbeiter-Accounts anzulegen, die das Unternehmen in den Himmel loben. Sachliche Bewertungen hingegen, sorgen für eine höhere Transparenz und können sowohl für Bewerber als auch für Arbeitgeber sinnvoll sein. Jedenfalls dann, wenn sie in ausreichender Zahl vorliegen, um aussagekräftig zu sein. Für Bewerber bieten die Erfahrungswerte anderer Bewerber und Mitarbeiter eine Orientierungshilfe. Arbeitgeber haben die Möglichkeit, konstruktive Kritik zu nutzen und zur Prozessoptimierung einzusetzen.

Die Top 5 der Arbeitgeber-Bewertungsportale

Zu den Top 5 der Arbeitgeber-Bewertungsportale gehören neben Branchenprimus kununu die Portale Jobvoting, MeinChef, bizzWatch und glassdoor. Arbeitnehmer, ehemalige Kollegen oder Bewerber haben hier die Möglichkeit, Unternehmen kostenlos zu bewerten. Die wichtigsten Fakten im Vergleich:
kununu:
– Gegründet: 2007
– Bewertungen: 1.289.000 Bewertungen zu 274.000 Unternehmen
– Kriterien: 13 Kriterien für die Arbeitgeberbewertung (Arbeitsatmosphäre, Kollegenzusammenhalt, Kommunikation, Image…), separate Kriterien zur Bewertung von Bewerbungsprozessen und Ausbildungsstellen, Bewertungsskala von 1 – 5
– Features: Forum, Jobbörse, Anlage eigener Unternehmensprofile (mit Einbindung von z. B. Videos, Fotos und Stellenanzeigen) möglich

Jobvoting:
– Gegründet: 2006
– Bewertungen: Datenbank mit über 100.000 Unternehmen
– Kriterien: 7 Kriterien
– Features: Blog, Forum, Gehaltsvergleich, Ratgeber für Arbeitnehmer und Bewerber, Anlage eigener Unternehmensprofile möglich

glassdoor:
– Gegründet: 2007
– Bewertungen: Bewertungen von über 6.000 Unternehmen in Deutschland, Bewertung von Vorstellungsgesprächen, Gehalt, Zusatzleistungen
– Kriterien: Bewertungen von Arbeitgebern und Vorstellungsgesprächen anhand eines 5-Punkte/Sterne-Systems. Zu den Kriterien der Arbeitgeberbewertung gehören Kultur & Werte, Work-Life-Balance, Führungskräfte, Vergütung & Zusatzleistungen und Karrieremöglichkeiten.
– Features: Gehaltsvergleich, Jobbörse, Blog, Anlage eigener Unternehmensprofile möglich

MeinChef:
– Gegründet: 2010
– Bewertungen: Chef- und Firmenbewertungen von mehr als 10.000 Arbeitgebern
– Kriterien: Kriterienbewertung auf einer Skala von 1 bis 5
– Features: Blog, Gehaltsvergleich, Stellenbörse, Anlage eigener Unternehmensprofile möglich (mit Einbindung von z. B. Fotos, Links, Stelleanzeigen)

bizzWatch:
– Gegründet: 2009
– Bewertungen: Chef- und Firmenbewertungen über mehr als 2.500 Arbeitgeber
– Kriterien: Kriterienbewertung anhand von 22 Fragen, Punktevergabe von 0 – 5, aus der Gesamtanzahl aller Bewertungen wird ein Durchschnittswert ermittelt
– Features: Newsbereich, bizzWatch TV

Risiken abwehren, Chancen nutzen

Arbeitgeber-Bewertungsplattformen bergen für Unternehmen nicht nur Risiken wie etwa schlechte Bewertungen oder Rufschädigungen. Im Gegenteil: Die Plattformen lassen sich gezielt als Instrument des Employer Branding einsetzen. Unternehmen haben die Möglichkeit (kostenpflichtige) Profile anzulegen und je nach Service Fotos, Videos, Links oder Stellenanzeigen einzubinden. Erreicht die Firma Top-Bewertungen, wird sie auf einigen Plattformen wie z. B. MeinChef in einer Rangliste angezeigt. Besonders gute Bewertungen verschaffen dem Unternehmen eine hohe Sichtbarkeit und steigern den Bekanntheitsgrad. Dieser Imagegewinn kann genutzt werden, um positive Bewertungen direkt mit Stellenanzeigen zu koppeln, wenn das Unternehmen direkt über sein Profil auf vakante Stellen aufmerksam macht. Um schlechte Bewertungen abzufangen, empfiehlt sich regelmäßiges Monitoring. Auf kununu zum Beispiel, kann der Arbeitgeber mit einer Stellungnahme auf negative Bewertungen oder Kommentare reagieren. Dafür muss jedoch, soweit nicht bereits vorhanden, ein Account erstellt werden. Unzulässige Bewertungen oder Einträge kann das Unternehmen löschen lassen. Rechtswidrig sind sie dann, wenn falsche Tatsachen behauptet werden oder der Eintrag nur mit dem Ziel der Rufschädigung vorgenommen wird. Darunter fallen dann z. B. Beleidigungen, Diffamierungen, die Veröffentlichung von Betriebsgeheimnissen oder das namentliche Erwähnen von Mitarbeitern oder Vorgesetzten. Ist die negative Kritik hingegen konstruktiv und sachlich, kann sie dazu genutzt werden, Missstände aufzudecken, Probleme zu erkennen und positive Veränderungen anzuregen.

Fazit

Arbeitgeber-Bewertungsportale sind ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite bieten sie Unternehmen die Chance, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Als Instrument des Employer Branding eignen sich Bewertungsplattformen, um den Bekanntheitsgrad des Arbeitgebers zu steigern und einen wertvollen Imagegewinn zu generieren. Auf der anderen Seite können schlechte Bewertungen dazu führen, qualifizierte Arbeitskräfte zu vergraulen und das Arbeitgeberimage zu schädigen. Das ist vor allem dann problematisch, wenn die Portale als subjektives Ventil frustrierter Arbeitnehmer oder Bewerber missbraucht werden. Sachliche und konstruktive Bewertungen hingegen sind eine Chance, Optimierungspotentiale zu erkennen und auszunutzen.

Quelle Foto: Fotolia © vege


Farid Jammali

Farid Jammali

Farid Jammali ist Marketingleiter und versteht sich in der Vermarktung komplexer Softwarelösungen über alle Marketing-Kanäle hinweg.

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