Aktuelle Entwicklungen in der Arbeitnehmerüberlassung

Zeitarbeit in Deutschland

Der Einsatz von Leiharbeitnehmern spielt auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle und ist oft ein Frühindikator für konjunkturelle Schwankungen. Mit dem Einsatz von Zeitarbeitnehmern haben Unternehmen die Möglichkeit, flexibel auf volatile Auftragslage, veränderte personelle Anforderungen und Konjunkturschwankungen zu reagieren. Das wird von vielen Unternehmen genutzt: Laut Statistik/Arbeitsmarktberichtserstattung der Bundesagentur für Arbeit (https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf) waren im Juni 2016 rund 1,01 Millionen Zeitarbeitnehmer in Deutschland tätig – 5 % mehr als noch im Vorjahr. Der Großteil von ihnen (9 von 10 Arbeitnehmer) ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt und arbeitet in Vollzeit. Einer geringfügigen Beschäftigung/Minijob geht dabei nur jeder 14te nach. Zum Vergleich: bei den Beschäftigten insgesamt ist es jeder 7te. Die Anzahl der Verleihbetriebe verlief sich im Juni 2016 auf 52.200, darunter 11.300 mit dem Schwerpunkt der Arbeitnehmerüberlassung.

In welchen Tätigkeitsfeldern werden Leiharbeitskräfte eingesetzt?

Ein deutliches Plus (+ 19.000) an Zeitarbeitnehmern verzeichnet laut Arbeitsmarktbericht vor allem der Tätigkeitsbereich Verkehr, Logistik, Sicherheit und Reinigung. In diesem Bereich sind knapp 3 von 10 Leiharbeitnehmern tätig. Ein langfristiger Aufwärtstrend zeigt sich auch in Dienstleistungsberufen, z. B. in Call Centern. Rückläufig sind die Zahlen im Bereich Metall und Elektro. Zum Stand Juni 2016 verteilen sich Zeitarbeitskräfte vor allem auf folgende Einsatzbereiche:
1) Verkehr, Logistik, Sicherheit und Reinigung: 31 %
2) Metall und Elektro: 28 %
3) übrige Fertigungsberufe, Landwirtschaft: 13 %
4) Unternehmensorganisatorische Dienstleistungen: 8 %
5) Gesundheit, Soziales, Erziehung, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften: 8 %
6) Bau, Architektur, Naturwissenschaften: 7 %
7) Kaufmännische Dienstleistungen und Tourismus: 5 %
(Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Beschäftigte in der Zeitarbeit

Der Großteil der Zeitarbeitnehmer ist laut Arbeitsmarktbericht männlich (70 %). Das lässt sich ggf. darauf zurückführen, dass viele Leiharbeitnehmer im gewerblichen Bereich, Verkehr und Logistik arbeiten – tendenziell eher Männerdomänen. Bei weiblichen Leiharbeitnehmerinnen spielen eher Dienstleistungs- und Reinigungsberufe eine Rolle. Im Vergleich zu allen Beschäftigten befinden sich unter den Leiharbeitnehmern vor allem jüngere Menschen: Fast die Hälfte ist jünger als 35 Jahre, bei den gesamten Beschäftigten ist es nur jeder Dritte. Tendenziell überwiegen unter den Leiharbeitskräften Tätigkeiten mit einem niedrigeren Anforderungsniveau. Jeder zweite übt beispielsweise eine Helfertätigkeit aus. 2 von 5 arbeiten als Fachkräfte. Im Vergleich zu allen Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt befinden sich unter den Zeitarbeitskräften mehr Menschen ohne Berufsabschluss (27 %). Das sind fast doppelt so viele, wie unter den gesamten Beschäftigten. Über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen 64 %. Der Akademikeranteil fällt mit 9 % niedriger aus als auf dem gesamten Arbeitsmarkt. (Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Zeitarbeit als Chance für den Berufseinstieg

Der vergleichsweise hohe Anteil niedrigqualifizierter und jüngerer Arbeitnehmer in der Zeitarbeit zeigt, dass die Arbeitnehmerüberlassung auch für Beschäftigte ohne Berufsabschluss oder mit niedrigen Qualifikationen eine Chance auf den Einstieg in den Beruf und eine Beschäftigung am Arbeitsmarkt sein kann. Sie bietet Arbeitslosen, arbeitsmarkfernen Menschen, Berufseinsteigern und -rückkehrern eine Perspektive auf Beschäftigung. Im 1. Halbjahr 2016 wurden laut Arbeitsmarkbericht 68 % der neu aufgenommenen Zeitarbeitsverhältnisse mit Personen geschlossen, die zuvor nicht oder noch nie beschäftigt waren. Insgesamt nehmen vergleichsweise viele Leiharbeitnehmer ihre Beschäftigung aus der Arbeitslosigkeit heraus auf. Über die Zeitarbeit gelingt der Berufseinstieg oder Widereinstieg u. U. leichter. Auf der anderen Seite tragen Leiharbeitnehmer aufgrund der dynamischen Beschäftigungsverhältnisse mit ihren hohen Flexibilitätsanforderungen auch ein höheres Risiko, ihren Arbeitsplatz wieder zu verlieren. Dieses Risiko ist jedoch laut Arbeitsmarktbericht seit 2013 leicht rückläufig. Nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses finden Leiharbeitnehmer in den meisten Fällen schnell wieder einen Arbeitsplatz, überwiegend außerhalb der Zeitarbeit: Rund 64 % der Zeitarbeitnehmer gehen nach 90 Tagen wieder einer Beschäftigung nach.
(Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Zeitarbeit: ein Frühindikator für Konjunkturschwankungen

Veränderungen im Einsatz und der Nachfrage von Leiharbeitnehmern können auf sich ändernde konjunkturelle Rahmenbedingungen hindeuten. Ein beginnender Aufschwung kann sich beispielsweise laut Arbeitsmarktbericht dadurch zeigen, dass die Nutzung von Zeitarbeitskräften steigt und, bei langanhaltendem Aufschwung, die Bereitschaft zur Vergrößerung des Stammpersonals. Ein Abschwung hingegen kann sich durch abnehmende Leiharbeiterzahlen ankündigen. Der wirtschaftliche Abschwung 2008/2009 beispielsweise, hat sich laut Arbeitsmarktbericht bereits im Frühjahr 2008 angekündigt, unter allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten erst im Herbst. Seit Mitte 2013 zeichnet sich in der Zahl der Leiharbeitnehmer tendenziell wieder ein Wachstum ab.
(Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Gründe für die Zeitarbeit

Welche Vorteile das Modell Zeitarbeit bieten kann, hat prosoft im Austausch mit Branchenkennern und durch langjährige Erfahrung in der Zeitarbeitsbranche festgestellt.

Gründe für Unternehmen:
Flexibler Personaleinsatz: Unternehmen können flexibel und bedarfsgerecht auf schwankende Auftragslagen, Auftragsspitzen und konjunkturelle Schwankungen reagieren. Wachstumsphasen und gute Auftragslagen lassen sich so effektiv nutzen und Vakanzen können schnell besetzt werden.
Kostenreduktion: Wenn der Personaldienstleister die Suche nach geeignetem Personal übernimmt, sparen Unternehmen Zeit und Kosten für den Recruiting-Prozess, die Personalsuche, -auswahl und -einstellung.
Transparenz: Auf Kosten- und Leistungsebene ermöglicht das Zeitarbeitsmodell höhere Transparenz: Es entstehen nur Kosten für effektiv geleistete Arbeitsstunden, die transparent und kalkulierbar bleiben. Während des Beschäftigungsverhältnisses kann das Unternehmen die Leistung des Arbeitnehmers einschätzen und eine eventuelle Übernahme einleiten.

Gründe für Leiharbeitnehmer:
Wiedereingliederung: Die Arbeitnehmerüberlassung bietet Berufsrückkehrern die Möglichkeit, nach längerer Pause (Familien-, Pflegezeiten…) in die Berufswelt zurückzukehren.
Berufseinstieg: Zeitarbeit kann den Berufseinstieg erleichtern. Ein befristeter Einsatz beim Entleiher lässt sich beispielsweise zur Orientierung nutzen, um festzustellen, welcher Beruf, welches Unternehmen oder welche Tätigkeit dem Berufseinsteiger besonders zusagt.
Übernahmechancen: Erwerbsfähige, die Schwierigkeiten damit haben eine Stelle zu finden, können über Zeitarbeit leichter in den Beruf finden und ggf. von Übernahmechancen profitieren. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann der temporäre Einsatz die Funktion einer Probezeit übernehmen.
(Zusatz)Qualifikationen: Über ihre Tätigkeit bei verschiedenen Kunden haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, Berufspraxis zu gewinnen. Darunter sind häufig auch Zusatzqualifikationen (z. B. ein Gabelstaplerschein) oder Weiterbildungen, die z. B. bei einem Berufswechsel hilfreich sein können.
(Quelle: prosoft)

Fazit

Die Arbeitnehmerüberlassung ist eine wichtige Größe auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Rund 1, 01 Millionen Zeitarbeitnehmer zählt der aktuelle Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit für Juni 2016. Für arbeitsmarkferne und niedrigqualifizierte Menschen, Berufseinsteiger und -rückkehrer kann das Modell Zeitarbeit eine sinnvolle Beschäftigungsperspektive bieten. Unternehmen haben durch den Einsatz von Leiharbeitnehmern die Möglichkeit, flexibel auf veränderten Personalbedarf, Auftrags- oder Konjunkturschwankungen zu reagieren.

Quelle Foto: Fotolia © industrieblick


Denny Hölscher

Denny Hölscher

Als geschäftsführender Gesellschafter der prosoft Vertriebs- und Consulting GmbH verantwortet Denny Hölscher die Bereiche Vertrieb, Marketing und Support für Deutschland und Österreich. Sein Ziel: „Zufriedene Kunden, innovatives Marketing, optimale Prozessabläufe und solide Expansion.”

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